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Kommentare, Einschätzungen und Entwicklungen zu Energiethemen, -versorgung und -sicherheit in Deutschland:
Regierung weist Kritik an Zeitproblemen bei Endlagersuche zurück
Das Bundesumweltministerium hat massive Zeitprobleme bei der Standortentscheidung für ein Atommüll-Endlager heruntergespielt. Es gehe um die „bestmögliche Sicherheit für einen Zeitraum von einer Million Jahre“, erklärte ein Sprecher des Ministeriums dem Spiegel. Es sei schon länger bekannt, dass man bis 2031 nicht fertig werde. Laut einem Bericht des Freiburger Öko-Instituts im Auftrag des Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) könnte die Standortentscheidung für ein Endlager frühestens 2074 fallen – 43 Jahre nach dem gesetzlich festgelegten Termin. Allerdings, so heißt es laut dem Magazin an anderer Stelle, sei nicht mit „idealen Bedingungen“ zu rechnen. Die Suche könnte also sogar noch länger dauern. Über die im Bericht genannte Jahreszahl 2074 zeigte sich das BASE nicht überrascht. Es verwies laut dem Bericht auf die ihm unterstellte Bundesgesellschaft für Endlagerung, die bereits vor zwei Jahren von einem Abschluss der Suche zwischen 2046 und 2068 ausgegangen sei. Die vier Jahre mehr seien da nicht so verwunderlich, sagte ein BASE-Sprecher. Man plädiere aber bereits seit Längerem für die „Bestcase-Zielmarke“ 2046. Dafür wolle man „Beschleunigungspotenziale“ ausfindig machen.
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(END) Dow Jones Newswires
August 08, 2024 03:47 ET (07:47 GMT)
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11 Kommentare
Die Verlängerung der Suchzeit bis 2074 bedeutet, dass mehrere Generationen mit der Unsicherheit leben müssen, wo der Atommüll zukünftig gelagert wird. Das ist eine enorme Belastung für die Akzeptanz und das Vertrauen in die Politik.
Ich finde es gut, dass das BASE transparent kommuniziert und die Prognose der Bundesgesellschaft für Endlagerung bestätigt. Das schafft zumindest ein gewisses Maß an Glaubwürdigkeit in einem ohnehin schwierigen Thema.
Die Tatsache, dass man „nicht mit idealen Bedingungen“ rechnet, ist eine Untertreibung. Die Suche nach einem geeigneten Standort ist von vornherein mit enormen geologischen, politischen und gesellschaftlichen Hürden verbunden.
Die „Bestcase-Zielmarke“ 2046 klingt ambitioniert, besonders wenn man bedenkt, dass das Öko-Institut von 2074 ausgeht. Welche konkreten „Beschleunigungspotenziale“ sieht das Ministerium denn, um diese Diskrepanz zu überbrücken?
Die Aussage des Ministeriums, es gehe um „bestmögliche Sicherheit für eine Million Jahre“, wirkt angesichts der prognostizierten Terminverschiebungen etwas zynisch. Wenn man bis 2074 braucht, um überhaupt einen Standort zu bestimmen, wie realistisch ist dann noch diese langfristige Sicherheitsgarantie?
Ich frage mich, ob die fehlende Eile bei der Endlagersuche mit der Hoffnung auf technologische Fortschritte in der Atommüllbehandlung zusammenhängt. Vielleicht setzt man darauf, dass zukünftige Verfahren die Notwendigkeit einer Endlagerung verringern oder sogar beseitigen.
Mich wundert die Reaktion des BASE nicht wirklich, da die Bundesgesellschaft für Endlagerung bereits 2022 mit einem Abschluss zwischen 2046 und 2068 rechnete. Die zusätzlichen vier Jahre bis 2074 erscheinen da fast vernachlässigbar, zeigen aber dennoch das Ausmaß der Herausforderung.
Wenn man bedenkt, dass die Suche nach einem Endlager bereits so lange dauert, stellt sich die Frage, ob die bisherigen Kriterien überhaupt zielführend sind. Vielleicht sollte man diese überdenken, um den Prozess zu beschleunigen.
Ich bin besorgt über die langfristigen Auswirkungen dieser Verzögerungen. Je länger die Suche dauert, desto größer ist das Risiko von Unfällen oder Sicherheitslücken bei der Zwischenlagerung des Atommülls.
Die Diskrepanz zwischen den Aussagen des Ministeriums und den Ergebnissen des Öko-Instituts ist frappierend. Es scheint, als ob man versucht, die Dringlichkeit der Situation herunterzuspielen, obwohl die Zeit drängt.
Es ist beunruhigend, dass die Standortentscheidung für ein Endlager möglicherweise 43 Jahre nach dem gesetzlich festgelegten Termin fallen könnte. Das wirft Fragen nach der Effizienz der aktuellen Prozesse und der politischen Verantwortlichkeit auf.