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Bislang hält der Kryptomarkt stand – doch was droht, wenn der Konflikt länger anhält? Finanzexperte Eric Heinemann erklärt, wie sich Bitcoin und Co. entwickeln könnten – je nachdem, ob der Krieg unter vier Wochen, länger als vier Wochen oder mehrere Monate andauert.
Seit dem 28. Februar 2026 führen die USA und Israel gemeinsame Militäroperationen im Iran durch. In den ersten Kriegsstunden fiel Bitcoin kurzzeitig auf 63.000 US-Dollar. Zehn Tage später steht der Kurs bei rund 71.000 US-Dollar. Ein Plus von rund elf Prozent, mitten in einem aktiven Krieg.
Für viele Anleger ist dies ein Zeichen der Stärke. Doch es lohnt sich ein genauerer Blick auf das, was hinter diesen Zahlen steckt – und vor allem auf das, was noch kommen könnte.
Eric Heinemann ist Krypto-Experte und Gründer von Crypto Nerds. Er vermittelt Wissen zu digitalen Assets praxisnah über Podcasts, Kurse und Events und berät Unternehmen zu Vertrieb und Strategie. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.
Warum der Kryptomarkt trotz Iran-Krieg relativ ruhig bleibt
Beim ersten Schlag fiel Bitcoin – eine klassische Panikreaktion – doch der Kurs erholte sich schnell wieder. Ein Muster, das Krypto-Veteranen kennen: kurzfristiger Schock, dann Rückkauf durch diejenigen, die eine Gelegenheit wittern.
Seitdem ist der Markt gespalten. Die einen kaufen Bitcoin als Absicherung gegen einen schwächeren Dollar und steigende Inflation. Die anderen fliehen in Gold, das zwischenzeitlich auf über 5400 US-Dollar pro Unze geklettert ist. Klar ist: Der Markt geht aktuell davon aus, dass der Krieg kurz sein wird. US-Präsident Donald Trump sprach von vier bis fünf Wochen. Genau das ist bereits eingepreist.
Szenario 1: Der Krieg endet in unter 4 Wochen
Das ist das Basisszenario, auf das der Markt wettet. Wenn es dazu kommt, dürfte Bitcoin profitieren – nicht weil Krypto plötzlich ein sicherer Hafen wäre, sondern weil politische Unsicherheit wegfällt, der US-Dollar sich stabilisiert und Risikoassets generell Auftrieb bekommen.
In diesem Fall wäre ein Anstieg Richtung 80.000 bis 85.000 US-Dollar plausibel, sofern auch der breitere Makrokontext mitspielt. Ein Szenario, das Optimisten in der Community bereits durchrechnen.
Szenario 2: Der Konflikt dauert länger als 4 Wochen
Hier wird es komplizierter. Der Iran hat klargemacht, dass er sich einer bedingungslosen Kapitulation verweigert. Sollte die militärische Auseinandersetzung in einen zermürbenden Kampf übergehen, beginnt der Markt, ein pessimistischeres Ergebnis einzupreisen – und das trifft Krypto stärker als Gold.
Ökonom Peter Schiff, bekannt als langjähriger Bitcoin-Skeptiker, formulierte es so: Aktien, Anleihen, Kryptowährungen und der US-Dollar würden dann „deutlich niedriger“ notieren, während Öl und Gold steigen. Schiff kann man als ideologischen Bitcoin-Gegner abtun – doch seine makroökonomische Analyse verdient in diesem Szenario Beachtung.
Denn: Die Straße von Hormus, durch die ein Fünftel des weltweiten Ölangebots transportiert wird, steht unter Druck. Brent-Öl schoss in der ersten Kriegswoche um rund 34 Prozent nach oben – ein Wochenanstieg, der selbst den schlimmsten Schock nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine übertraf.
Auf dem Höhepunkt notierte Brent zeitweise bei fast 120 US-Dollar pro Barrel, dem höchsten Stand seit 2022. Erst Trumps vage Andeutungen über ein mögliches Kriegsende ließen den Kurs auf rund 94 US-Dollar zurückfallen – ein deutliches Zeichen, wie stark der Ölmarkt an jedem Gesprächsfetzen aus Washington hängt.
Jede weitere Eskalation treibt die Inflation – und das belastet Risikoanlagen wie Bitcoin. Die Kriegskosten könnten laut Schiff mehr als eine Billion US-Dollar erreichen. Das heizt die ohnehin schon erhöhte Inflation weiter an.
Bitcoin würde in diesem Szenario wahrscheinlich nicht crashen, aber unter Druck bleiben – Richtung 55.000 bis 65.000 US-Dollar. Altcoins würden stärker leiden.
Szenario 3: Der Krieg dauert länger als 4 Monate
Ein Langzeitkonflikt wäre eine echte Belastungsprobe für den gesamten Kryptomarkt. Nicht nur wegen der Inflation und des Ölpreises – sondern weil institutionelle Anleger in der Unsicherheit defensiver werden. ETF-Abflüsse wären möglich, die Risikobereitschaft sinkt.
Gleichzeitig gibt es ein strukturelles Gegenargument: Bitcoin ist dezentral, nicht von einer Zentralbank kontrolliert, und 21 Millionen Einheiten sind das harte Limit. In einer Welt, in der Regierungen Billiarden für Krieg ausgeben, könnte genau diese Knappheit langfristig attraktiv sein – nicht als Trading-Vehicle, sondern als Wertaufbewahrungsmittel. Robert Kiyosaki sieht das so; auch Arthur Hayes prognostiziert langfristig steigende Kurse.
Das ist das Bitcoin-Bull-Narrativ im Langzeitkonflikt: Vertrauen in Fiatwährungen schwindet, Bitcoin gewinnt als Alternative. Ob das zutrifft, hängt allerdings stark davon ab, ob institutionelle Anleger dieses Narrativ teilen – oder weiter Gold bevorzugen. Die Bitcoin ETF Inflows sehen in den letzten 14 Tagen positiv aus, daher teilen institutionelle Anleger aktuell das Narrativ.
Was ich für wahrscheinlicher halte
Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte. Bitcoin ist heute nicht mehr nur ein Spekulationsobjekt – ETFs, institutionelle Käufer und zunehmende regulatorische Klarheit haben den Markt verändert. Gleichzeitig ist Bitcoin kein Gold. In echter Panik verkaufen Menschen Risikoanlagen – und Bitcoin gehört für viele Anleger noch dazu.
Meine Einschätzung: Bei einem kurzen Krieg steigt Bitcoin moderat. Bei einem Langzeitkonflikt gerät der Kurs zunächst unter Druck, könnte aber mittelfristig profitieren – wenn das Narrativ „Bitcoin als Inflationsschutz“ durch die Realität bestätigt wird. Das wäre dann der Moment, in dem aus dem Spekulationsasset tatsächlich ein monetärer sicherer Hafen wird.
Bis dahin gilt: Wer investiert, sollte das Risiko kennen – und nicht auf Trumps Zeitplan vertrauen.
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6 Kommentare
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