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Die Fed hat am Mittwoch die Zinsen unverändert belassen. Der Schritt war erwartet worden. Interessanter für die Anleger und Beobachter ist die Reaktion von Fed-Chef Powell auf die jüngsten Attacken.
Nach den Zinssenkungen im vergangenen Jahr wartet die Fed nun erst einmal ab. Die US-Notenbanker sahen angesichts der guten Konjunktur und der weiterhin erhöhten Inflation keinen Grund für einen Zinsschritt. Sie beließen den Leitzins damit in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent und halten diesen damit erstmals nach drei Senkungen stabil.
Wichtiger als das „Nichtstun der Fed“ war aber diesmal der US-Notenbankchef selbst – bei der Pressekonferenz geht es auch um ihn als Person.
Der Status im Fed-Komitee
Powells reguläre vierjährige Amtszeit als Fed-Vorsitzender endet im Mai 2026. Es wird erwartet, dass Präsident Trump bald einen Nachfolger nominiert.
Wichtig für Anleger: Selbst wenn Powell als Chef abtritt, könnte er theoretisch bis 2028 als einfaches Mitglied im Gouverneursrat bleiben. Ob er das unter dem aktuellen Druck tut, ist eine der spannendsten Fragen des Abends.
Die Anschuldigungen
Seit Mitte Januar 2026 steht Powell unter massivem Druck durch das US-Justizministerium. Es geht um strafrechtliche Ermittlungen im Zusammenhang mit der 2,5 Milliarden Dollar teuren Renovierung des Fed-Hauptquartiers.
Der Vorwurf: Er soll den Kongress bei einer Aussage im Juni 2025 über den Umfang und die Kosten belogen haben. Angeblich ging es um Luxus-Ausstattungen.
Powells Verteidigung
Powell hat die Vorwürfe bereits in einer Videobotschaft als „Vorwand“ bezeichnet. Er sieht darin einen direkten Angriff auf die Unabhängigkeit der Notenbank. Der Grund: Powell hatte sich geweigert, die Zinsen so drastisch zu senken, wie Donald Trump es gefordert hatte. Zugleich betonte er, sein Amt weiterhin integer bis zum Ende auszuführen. Auf der Pressekonferenz nach der Bekanntgabe der Zinsentscheidung der Fed lehnte Powell es ab, etwas zu seiner früheren Erklärung hinzuzufügen.
Worauf Anleger achten müssen
Die Märkte reagieren allergisch auf politische Einflussnahme bei der Fed. Sollte Powell Anzeichen von Resignation zeigen oder gar einen vorzeitigen Rückzug andeuten, könnte das für Turbulenzen am Anleihenmarkt und beim US-Dollar sorgen.
Der Grund: Anleger suchen nach Bestätigung, dass die Fed ihre Entscheidungen weiterhin auf Basis von Wirtschaftsdaten trifft. Nicht aufgrund politischer Drohungen. Aber Powell blieb bei der Pressekonferenz souverän und goss kein Öl ins Feuer.
Was bedeutet die Zinspause?
Aktien: Qualität schlägt Wachstum
Die Zinspause ist für den Aktienmarkt ein zweischneidiges Schwert.
Wachstumstitel, vor allem Tech-Aktien, profitierten von den ersten Senkungen 2025. Jetzt bleibt die weitere Entlastung aus. Anleger schauen deshalb wieder stärker auf die Fundamentaldaten. Die bloße Hoffnung auf billiges Geld reicht nicht mehr.
Dividendenwerte bleiben dagegen interessant. Weil die Zinsen auf dem aktuellen Niveau einfrieren, sind solide Dividendenaktien im Vergleich zu Anleihen weiterhin attraktiv.
Gold: Inflationssorgen bleiben Preistreiber
Eine Zinssenkung hätte dem Goldpreis einen weiteren Push gegeben können. In der Vergangenheit entwickelten sich Gold und Zinsen gegenläufig. Da Gold keine Erträge abwirft, senken niedrige Zinsen die Opportunitätskosten. Weil die Fed die Zinsen heute nicht weiter senkte, fällt dieser kurzfristige Preistreiber weg.
Das Nichtstun könnte aber die Angst der Investoren vor einer verschärften Rückkehr der Inflation erhöhen. Das wäre wiederum positiv für den Goldpreis, wenn sich die Meinung verfestigt, dass die Fed wegen des politischen Drucks nicht entschieden gegen die Teuerung vorgeht.
Anleihen: Sicherheit wird wieder teurer
US-Staatsanleihen bleiben bei einem Leitzins von über 3,5 Prozent eine ernstzunehmende Konkurrenz für das Aktiendepot. Solange die Fed nicht weiter senkt, bleiben die Renditen stabil. Das bietet Anlegern Planungssicherheit. Die Kursgewinne bei bestehenden Anleihen sind aber begrenzt.
Wechselkurs: Fed schaut Dollar-Verfall zu
Massiv hat der Dollar in den vergangenen Wochen gegenüber dem Euro und anderen Währungen verloren. Ein schwacher Dollar kann eigentlich nicht im Interesse der Fed sein, weil er über die Importe die Inflation anheizen kann.
Noch stellt sie sich nicht mit einer Zinserhöhung gegen die Abwertung. Das heißt: Anleger müssen mit einem weiteren Dollarverfall rechnen. Für ausländische Investoren ein Problem: Währungsverluste fressen die Kursgewinne auf. US-Aktien werden unattraktiver.
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18 Kommentare
Die Unterscheidung zwischen Wachstumstiteln und Dividendenwerten in Bezug auf die Zinspause ist ein wichtiger Punkt. Scheint so, als ob die Zeiten des reinen ‚Growth‘-Investings vorbei sind.
Die Zinspause könnte für einige Unternehmen eine Atempause bedeuten, während sie sich an das neue Zinsumfeld anpassen. Aber langfristig wird die Wirtschaftliche Entwicklung entscheidend sein.
Ich bin gespannt, ob das Justizministerium tatsächlich Beweise für die angeblichen Luxus-Ausstattungen bei der Renovierung vorlegen kann. Die Summe von 2,5 Milliarden Dollar ist enorm und rechtfertigt eine genaue Prüfung.
Absolut, diese Summe ist wirklich beachtlich und die Vorwürfe sind schwerwiegend. Eine transparente Aufklärung ist hier dringend erforderlich.
Die Beibehaltung des Leitzinses zwischen 3,5 und 3,75 Prozent ist zwar erwartet worden, aber die Stabilität nach drei Senkungen deutet auf eine veränderte Herangehensweise der Fed hin. Bleibt die Inflation wirklich auf einem erhöhten Niveau, wie angeführt?
Ich frage mich, ob die Anschuldigungen gegen Powell beabsichtigt sind, ihn zu schwächen und so indirekt die Fed zu beeinflussen. Das Timing ist verdächtig, kurz vor wichtigen Zinsentscheidungen.
Mich beunruhigt die Tatsache, dass Powells Amtszeit im Mai 2026 endet und Trump bereits einen Nachfolger nominieren könnte. Wie realistisch ist es, dass diese Nominiierung die Unabhängigkeit der Fed gefährdet, wie im Artikel angedeutet?
Ich verstehe, dass Powell auf der Pressekonferenz keine zusätzlichen Kommentare zu seiner Videobotschaft abgegeben hat. War das eine kluge taktische Entscheidung, um die Situation nicht zu eskalieren?
Der Artikel betont, dass die Märkte allergisch auf politische Einflussnahme reagieren. Könnte ein Rücktritt Powells tatsächlich zu Turbulenzen am Anleihenmarkt führen, oder ist das eine übertriebene Reaktion?
Es ist gut möglich, dass ein Rücktritt Unsicherheit schaffen würde, gerade weil Anleger Wert darauf legen, dass Zinsentscheidungen datenbasiert sind und nicht politisch motiviert.
Ich finde es stark, dass Powell die Anschuldigungen als „Vorwand“ abtut und sich auf die Unabhängigkeit der Notenbank beruft. Das zeigt Rückgrat angesichts des politischen Drucks durch Trump.
Die Tatsache, dass Powell die Zinsen trotz des Drucks von Trump nicht drastischer gesenkt hat, spricht für seine Unabhängigkeit. Aber wie lange kann er dem standhalten?
Die 2,5 Milliarden Dollar teure Renovierung des Fed-Hauptquartiers scheint wirklich ein Dorn im Auge des Justizministeriums zu sein. Wenn die Anschuldigungen der Lüge gegenüber dem Kongress bezüglich der Luxusausstattung stimmen, wäre das ein ernstzunehmender Fall.
Es ist interessant zu sehen, wie die Fed nach den Zinssenkungen 2025 nun erstmal abwartet. Wie lange glaubt ihr, wird diese Pause andauern, bevor weitere Schritte unternommen werden?
Die Erwähnung der möglichen Rolle Powells bis 2028 als einfaches Mitglied im Gouverneursrat ist eine spannende Überlegung. Wäre das ein Weg, um die Kontrolle über die Fed zu behalten, auch wenn er nicht mehr Vorsitzender ist?
Die Aussage, dass der Markt ‚Bestätigung‘ benötigt, dass die Fed datenbasiert arbeitet, ist zutreffend. Welche Wirtschaftsdaten werden Anleger jetzt besonders genau beobachten, um die zukünftige Entwicklung einzuschätzen?
Wenn Powell zurücktritt, würde das nicht automatisch bedeuten, dass die Fed-Politik sich ändert? Die Erwartungshaltung der Märkte wäre dann ja völlig offen.
Die Betonung auf die Fundamentaldaten bei Aktien ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die Spekulationen nachlassen. Das könnte zu einer gesünderen Marktbewertung führen, wenn sich die Unternehmen beweisen müssen.