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Dubai galt lange als sicherer Hafen für Kapital und Firmen. Doch der Krieg im Golf macht den Standort plötzlich teurer, unsicherer – und weniger planbar.
Dubai war für viele deutsche Unternehmer, Family Offices, Mittelständler und Auswanderer lange der Sehnsuchtsort am Golf: steuerfreundlich, international, logistisch überragend, politisch kalkulierbar.
Doch genau dieses Geschäftsmodell gerät durch den Krieg mit dem Iran ins Wanken. Der Standort ist nicht kollabiert – aber er verliert seinen wichtigsten Wettbewerbsvorteil: das Image absoluter Stabilität.
Shams Ul Haq ist Terrorismus-Experte und Autor, bekannt für seine investigativen Recherchen. Nach dem Fall Kabuls 2021 interviewte er als erster deutscher Journalist Taliban-Sprecher Zabihullah Mujahid. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.
Die Lage ist inzwischen konkret eskaliert. Das Auswärtige Amt warnt seit dem 11. März ausdrücklich auch vor Reisen in die Vereinigten Arabischen Emirate. Hintergrund sind die seit dem 28. Februar laufenden Luftschläge der USA und Israels gegen Ziele im Iran sowie iranische Gegenangriffe in der Region. Laut Auswärtigem Amt können davon auch Luftverkehr und internationale Drehkreuze der Emirate betroffen sein.
Für Dubai ist das ein strategischer Schock. Die Stadt lebt davon, als sicherer Finanzplatz, globales Luftfahrtdrehkreuz und verlässlicher Handels- und Reexportknoten zu gelten. Genau diese drei Säulen geraten nun unter Druck.
Was in Dubai passiert, ist für Unternehmen problematischer als kompletter Stillstand
Die Straße von Hormus ist gestört, Kriegsrisikoprämien für Schiffe sind stark gestiegen, und der Zufluss von Waren in den Hafen Jebel Ali ist bereits spürbar zurückgegangen – auch wenn der Hafen laut Betreiber DP World weiterhin betriebsfähig ist.
Besonders kritisch ist, dass Dubai operativ offenbleibt, wirtschaftlich aber teurer und unsicherer wird. Für Unternehmen ist das oft problematischer als ein kompletter Stillstand. Wer Maschinen, Konsumgüter, Medizintechnik oder industrielle Vorprodukte über Dubai in den Golf, nach Ostafrika oder weiter nach Asien liefert, muss nun mit höheren Versicherungs-, Transport- und Finanzierungskosten rechnen.
Reuters berichtet bereits von stark steigenden Versicherungsprämien, während Germany Trade & Invest (GTAI) die Eskalation als Belastung für Energiepreise, Lieferketten und Investitionen beschreibt.
Dubai war dabei, neue Tourismus-Rekorde zu knacken
Dabei war Dubai wirtschaftlich zuletzt in einer außergewöhnlich starken Position. Der Finanzplatz DIFC meldete für 2025 ein Rekordjahr mit 8844 aktiven Unternehmen, ein Plus von 28 Prozent. Gleichzeitig verzeichnete Dubai mit 19,59 Millionen internationalen Übernachtungsgästen das dritte Tourismus-Rekordjahr in Folge. Der Jebel-Ali-Komplex blieb einer der wichtigsten See- und Logistikknoten der Region.
Auch volkswirtschaftlich standen die VAE vor dem Krieg robust da. Der Internationale Währungsfonds erwartete für 2025 ein Wirtschaftswachstum von 4,8 Prozent, getragen vor allem vom starken Nicht-Öl-Sektor. Weltbank und GTAI verwiesen ebenfalls auf ein breit diversifiziertes Wirtschaftsmodell mit Wachstumstreibern wie Tourismus, Bau, Transport und Dienstleistungen.
Deutschland exportiert enorme Warenmengen in die Emirate
Für deutsche Unternehmen war das hochrelevant. Die Emirate sind Deutschlands wichtigster Wirtschaftspartner in der Region. Laut Statistischem Bundesamt exportierte Deutschland 2025 Waren im Wert von rund 13,26 Milliarden Euro in die VAE, während Importe etwa 6,33 Milliarden Euro erreichten. Insgesamt sind laut GTAI rund 1.800 deutsche Unternehmen in den Golfstaaten aktiv.
Der Krieg verändert nun mehrere zentrale Faktoren. Erstens psychologisch: Dubai wird nicht mehr automatisch als sicherer Neutralraum wahrgenommen. GTAI formuliert es nüchtern: Das Bild der Golfstaaten als Stabilitätsinseln in Krisenzeiten sei „angekratzt“. Für einen Standort, der stark von internationalen Kapitalströmen lebt, reicht schon ein neu eingepreistes Risiko.
Zweitens logistisch: Die Straße von Hormus bleibt ein globales Nadelöhr, durch das mehr als ein Viertel des weltweiten Ölhandels und rund ein Fünftel des LNG-Handels läuft. Jede Störung erhöht Frachten, Lieferzeiten und Planungskosten – nicht nur für Energie, sondern für große Teile des Warenverkehrs.
Die Wahrnehmung globaler Investoren verändert sich
Auch finanziell sendet die Lage Signale. Dubai profitierte bislang davon, dass Vermögen, Fondsstrukturen und Regionalzentralen hier Stabilität suchten. Wenn jedoch selbst internationale Banken temporär Filialen schließen oder Mitarbeiter vorsorglich ins Remote-Modell wechseln, verändert das die Wahrnehmung globaler Investoren.
Besonders betroffen sind Firmen, die Dubai als regionalen Hub nutzen – etwa Logistikunternehmen, Maschinenbauer, Industriezulieferer, Medizintechnikfirmen oder Handelshäuser. Viele deutsche Mittelständler betreiben den Standort nicht primär als Endmarkt, sondern als steuerlich und operativ effiziente Drehscheibe für die Golfregion. Wird dieser Hub teurer, unsicherer und schwerer erreichbar, verliert das Modell an Attraktivität.
Wird Dubai wieder als Stabilitätsinsel wahrgenommen?
Langfristig bleibt jedoch vieles intakt: der Finanzplatz, der Hafen, große Infrastrukturprojekte. Branchen wie Digitalisierung, Smart City, Dekarbonisierung oder Hightech-Dienstleistungen dürften relativ robust bleiben.
Die entscheidende Frage lautet daher: Wird Dubai wieder als Stabilitätsinsel wahrgenommen – oder nur noch als gut organisierter Standort in einer unsicheren Region? D
avon hängt ab, ob internationale Unternehmen den Standort weiter ausbauen, vorsichtiger verwalten oder ihre Präsenz langsam diversifizieren.
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6 Kommentare
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