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In den 1980er-Jahren, als die USA mit Japan im Halbleiterbereich konkurrierten, spielte die Politik auf dem Markt eine wichtige Rolle. Heute ist dieser Instinkt wiedererwacht, doch diesmal sind kritische Mineralien eines der offensichtlichsten Schlachtfelder. Regierungen betrachten seltene Erden, Lithium, Kupfer und andere strategische Ressourcen nicht mehr als gewöhnliche Rohstoffe. Sie sehen sie zunehmend als Faktoren, die Verteidigung, industrielle Widerstandsfähigkeit und fortschrittliche Fertigung untermauern.
Regierungen entwickeln sich von Aufsichtsbehörden zu Akteuren bei kritischen Mineralien. Sie legen nicht nur die Politik fest, sondern stellen auch Kapital bereit, beeinflussen die Preise und tragen zum Aufbau von Lieferketten bei. Das Ergebnis ist ein günstigeres Umfeld für den breiteren Sektor der kritischen Mineralien. Seltene Erden sind das deutlichste Beispiel, doch die Entwicklung geht weit über einen einzigen Nischenmarkt hinaus.
USA: Von der Projektfinanzierung zur Marktgestaltung
Die Haltung der USA gegenüber kritischen Mineralien zeichnet sich heute durch mehr Direktheit und Interventionismus aus. Washington greift verstärkt auf Instrumente zurück, die Einfluss auf die Finanzierung von Projekten, die Preisbildung und die Sicherstellung der Versorgung nehmen. Diese allgemeine Ausrichtung lässt sich auch in anderen strategischen Sektoren beobachten: von der Förderung der Halbleiterfertigung bis hin zu einem größeren staatlichen Einfluss in der Stahlindustrie. Bei kritischen Mineralien ist der Wandel allerdings besonders auffällig, da das Instrumentarium mittlerweile weit über die Finanzierung hinausgeht und auch die Marktgestaltung betrifft.
Erstens übernimmt die Regierung Anteile und stellt nicht nur Finanzmittel bereit. MP Materials ist das beste Beispiel. Das US-Verteidigungsministerium erklärte sich bereit, rund 400 Millionen US-Dollar in Vorzugsaktien zu investieren und zusätzlich ein Darlehen über 150 Millionen US-Dollar zu gewähren – ein Deal, durch den das Pentagon zum größten Anteilseigner des Unternehmens werden könnte.1 Lithium Americas veranschaulicht den Wandel ebenfalls. Als das US-Energieministerium seine Unterstützung für das Lithiumprojekt Thacker Pass umstrukturierte, stellte es nicht einfach einen Kredit. Es erhielt zudem Bezugsrechte sowohl auf Unternehmens- als auch auf Joint-Venture-Ebene. USA Rare Earth geht in die gleiche Richtung: Es wird ein Paket vorgeschlagen, das Direktfinanzierung, Aktien und Optionsscheine kombiniert.
Zweitens gehen die USA über die Projektfinanzierung hinaus zur Preisstützung über. Auch hier ist MP Materials das eindeutigste Beispiel. Die Vereinbarung sieht einen Mindestpreis von 110 US-Dollar2 pro Kilogramm für Neodym-Praseodym (NdPr) über einen Zeitraum von zehn Jahren vor. Das verringert nicht nur das Finanzierungsrisiko, sondern verändert auch das Wirtschaftlichkeitsprofil des Projekts. Ein Mindestpreis bietet Schutz vor dem Preisdruck, der häufig den Wettbewerb mit chinesischen Herstellern erschwert.
Drittens werden politische Maßnahmen zur Stützung sowohl der Nachfrage als auch des Angebots eingesetzt. Das Paket von MP umfasst zudem eine auf zehn Jahre angelegte Abnahmeregelung, die sicherstellen soll, dass die Produktion seiner künftigen Magnetfabrik an Kunden aus Militär und Wirtschaft geliefert wird. Das ist wichtig, weil viele Projekte im Bereich kritischer Mineralien nicht an geologischen oder technologischen Problemen scheitern. Sie scheitern, weil sie für Banken nicht rentabel genug sind, die nachgelagerte Nachfrage ungewiss ist oder die Kunden sich nicht festlegen wollen. Eine staatlich geförderte Abnahme trägt zur Lösung dieses Problems bei.
Und schließlich geht es den USA nicht mehr nur um Minen. Es geht ihnen um Lieferketten. Das strategische Ziel verlagert sich vom Bergbau zum Produkt oder, allgemeiner gesagt, von der Gewinnung über die Verarbeitung bis hin zu Vorprodukten für die moderne Fertigung. Das Augenmerk richtet sich daher mittlerweile nicht mehr nur auf den Bergbau, sondern auch auf die Raffination, die Umwandlung, die Magnetproduktion und das Recycling. Mit anderen Worten: Die USA verlagern ihren Schwerpunkt von der Unterstützung einzelner Projekte hin zur Gestaltung von Märkten.
Abbildung 1: USA planen weitere Beteiligungen an Mineralienunternehmen
Quelle: MP Materials, AP News, TechMet, US-Energieministerium, Congressional Research Service, WisdomTree, Stand: 31. Dezember 2025. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
Japan und Europa: Unterschiedliche Instrumente, aber dieselbe strategische Logik
Die USA mögen derzeit das offensivste Beispiel sein, aber sie stehen nicht alleine da.
Auch Japans Rolle gewinnt an Bedeutung, sowohl eigenständig als auch in Zusammenarbeit mit Verbündeten. Erstens setzt es auf politische Koordinierung mit Verbündeten, um die Pipeline an realisierbaren Projekten zu erweitern. Im Oktober 2025 unterzeichneten die USA und Japan ein Rahmenabkommen zur Sicherung der Versorgung mit kritischen Mineralien und seltenen Erden durch Bergbau und Verarbeitung mit Schwerpunkt auf koordinierten Investitionen, finanzieller Unterstützung und einer möglichen Bevorratung. Zweitens nutzt es langfristige Verträge mit wichtigen Produzenten, um politische Vorgaben in die wirtschaftliche Praxis umzusetzen. Die im März 2026 geschlossene Vereinbarung zwischen Lynas und Japan verlängert das Lieferverhältnis bis 2038, legt einen Mindestpreis für NdPr fest und sichert die Versorgung der japanischen Industrie mit schweren seltenen Erden.3
Europa greift wiederum auf andere Mittel zurück. Anstatt sich offensichtlich an Unternehmen zu beteiligen, baut die Europäische Union ein System aus Projektspezifikation, Finanzierungshilfen und industrieller Koordinierung auf. Auf Grundlage des Gesetzes über kritische Rohstoffe wies die EU 47 strategische Projekte innerhalb der Union und 13 außerhalb der Union aus,4 während die Europäische Investitionsbank 2025 eine Initiative für kritische Rohstoffe mit einem voraussichtlichen Finanzierungsvolumen von 2 Milliarden Euro verabschiedete.5 Europa geht weniger direkt vor als die USA, doch die Botschaft ist ähnlich: Regierungen übernehmen eine aktivere Rolle bei der Gestaltung der Lieferketten für kritische Mineralien.
Die Bedeutung für Sektoren und Anleger
Staatliche Fördermaßnahmen verbessern die Wirtschaftlichkeit von Projekten für kritische Mineralien. Finanzierungshilfen und Preisschutz verringern das Risiko, verbessern die Möglichkeiten für Bankkredite und erleichtern die Kapitalbeschaffung für strategische Anlagen. Das ist von Bedeutung, da viele Projekte in der Vergangenheit nicht an der Qualität der Ressourcen, sondern an der Finanzierung und der Marktpräsenz gescheitert sind.
Der Nutzen erstreckt sich darüber hinaus auf die gesamte Wertschöpfungskette, nicht nur auf den Bergbau. Regierungen bemühen sich um eine Diversifikation der Lieferketten und wollen nicht einfach nur die Rohstoffproduktion steigern. Raffination, Umwandlung und andere nachgelagerte Engpässe dürften somit ebenfalls profitieren, da es sich hierbei oft um die Teile der Lieferkette handelt, die außerhalb Chinas am schwierigsten aufzubauen sind und für die Versorgungssicherheit am wichtigsten sind.
Zudem geht der Rückenwind über seltene Erden hinaus. Seltene Erden sind nach wie vor das deutlichste Beispiel, doch dieselbe Logik gilt immer mehr auch für Lithium, Nickel, Kupfer, Gallium und andere kritische Mineralien, die für Verteidigung, Halbleiterindustrie und Elektrifizierung von Bedeutung sind. Die Möglichkeiten gehen also über einen einzelnen Nischenmarkt hinaus.
Abbildung 2: US-Kritikalitätsmatrix (mittelfristig, 2025–2035)

Quelle: US-Energieministerium. Prognosen sind kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und alle Anlagen sind mit Risiken und Ungewissheiten verbunden.
Fazit
Regierungen engagieren sich aktiver bei kritischen Mineralien, was dem Sektor strukturellen Rückenwind verleiht. Seltene Erden sind derzeit das offensichtlichste Beispiel, doch auch der breitere Komplex kritischer Mineralien dürfte profitieren. Für Anleger liegt die Chance nicht nur in den Mineralien selbst, sondern auch in den Teilen der Wertschöpfungskette, denen diese neue Ära der strategischen Industriepolitik am meisten zugutekommen dürfte.
Staatliche Unterstützung mag zwar die Wirtschaftlichkeit von Projekten verbessern, doch die Märkte für kritische Mineralien unterliegen weiterhin Schwankungen, politischer Unsicherheit und Umsetzungsrisiken. Veränderungen der geopolitischen Lage, der Rohstoffpreise oder der politischen Prioritäten könnten sich auf die Rentabilität und die Marktergebnisse von Projekten auswirken.
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1. MP Materials, Unternehmenspresse.
2. MP Materials, Unternehmenspresse.
3. Australia’s Lynas revamps deal to supply rare earths to Japan
4. Commission selects 47 Strategic Projects to secure and diversify access to raw materials in the EU
5. EIB steps up financing for European security and defence and critical raw materials
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6 Kommentare
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