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Nach fast 130 Jahre ist Schluss. Ein Hamburger Blumenbetrieb meldet Insolvenz an. Die Familie hinter dem Traditionsbetrieb reagiert geknickt.
Sie zieren Fensterbänke, Tische und Regale. Überall, wo Blumen stehen, wird die Welt ein kleines bisschen bunter. Vor 129 Jahren gründete Wilhelm Peters den gleichnamigen Blumengroßhandel und sorgte für Farbe in Hamburg und Umgebung. Doch jetzt ist damit Schluss. Der Betrieb hat Insolvenz angemeldet. Das Abendblatt berichtete zuerst.
Hamburger Blumenbetrieb gibt nach 130 Jahren auf
Insolvenzverwalter Marc Heinrich (48) hat mit der MOPO gesprochen und Einblicke in die Situation des Familienbetriebs gegeben. „Der gesamten Branche geht es schlecht, weil die Menschen am Sparen sind. Und leider sind Blumen Luxusgüter, an denen man sparen kann“, sagt er. In den letzten 20 Jahren gaben rund 10.000 Floristen in Deutschland ihr Geschäft auf.
Handelsketten machten Traditionsbetrieb das Geschäft streitig
Große Handelsketten wie Rewe, Edeka und Co. würden den kleinen Blumenläden das Geschäft streitig machen. „Die Leute, die dort Blumen kaufen, werden nicht auch noch zum Floristen gehen“, so Heinrich. Auf der Website verabschiedet sich die Wilhelm Peters GmbH von den Kunden. „Wir stellen zum 31. Dezember 2025 unseren Geschäftsbetrieb ein.“ Weiter heißt es: „Eingehende Bestellungen werden nicht mehr von uns bearbeitet. Vielen Dank für Ihr Verständnis und die bisherige Zusammenarbeit.“
Neben den Problemen der Branche, erklärt Heinrich, habe die Firma nicht genug Umsatz erzielt und sich vor knapp einem Jahr vom Hamburger Großmarkt abgewandt. „Man hat sich dort nicht mehr aufgehoben gefühlt.“ Ein Onlinehandel, den der Betrieb daraufhin aufbaute, sei sehr arbeitsaufwendig gewesen, weil alles von Hand verpackt werden musste. „Das hat nie so richtig kostendeckend funktioniert“, so Heinrich.
Familie von Insolvenz geknickt: „Herzensangelegenheit“
Mitarbeitende abzubauen, wäre ein logischer Schritt gewesen, doch dann hätte man das Geschäft nicht mehr betreiben können. Die Wilhelm Peters GmbH hat inklusive der Geschäftsführung und des Gesellschafters 20 Mitarbeitende. So kam es zur Insolvenzanmeldung.
Seit Ende des Jahres wurde keine neue Ware mehr bestellt und was verblühte, wurde entsorgt oder abverkauft, so erzählt es Heinrich. Eine Weiterführung hält der Insolvenzverwalter für unwahrscheinlich. „Die Löhne der Mitarbeitenden sind über das Insolvenzgeld abgesichert.“ Die Familie hinter dem Traditionsbetrieb sei geknickt. „Für den geschäftsführenden Gesellschafter ist es eine Herzensangelegenheit, schließlich ist das Geschäft Familiensache“, sagt Heinrich.
Von Emilia Skibbe
Das Original zu diesem Beitrag „Wirtschaftskrise: Hamburger Firma gibt nach 130 Jahren auf“ stammt von Hamburger Morgenpost.
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20 Kommentare
Ich frage mich, ob die Wilhelm Peters GmbH Möglichkeiten zur Diversifizierung ihres Angebots in Betracht gezogen hat, um nicht ausschließlich auf den Verkauf von Blumen angewiesen zu sein. Vielleicht hätten sie auch Pflanzen anbieten können.
Ich kaufe meine Blumen oft im Supermarkt, weil es bequemer und günstiger ist. Vielleicht trage auch ich indirekt zu solchen Insolvenzen bei, auch wenn es mir leid tut.
Es ist schade, dass der Betrieb nicht mehr ‚aufgehoben‘ gefühlt hat am Großmarkt. Was genau hat zu diesem Gefühl geführt? Gab es Konflikte oder fehlende Unterstützung?
Dass in den letzten 20 Jahren 10.000 Floristen in Deutschland aufgegeben haben, ist eine erschreckende Zahl. Das zeigt doch deutlich, wie stark der Wettbewerb durch die Supermärkte ist und wie schwierig es für kleine Betriebe geworden ist.
Die Einstellung des Geschäftsbetriebs zum 31. Dezember 2025 ist ein klarer Schnitt. Es scheint keine Hoffnung mehr auf eine Rettung zu geben, trotz der langen Tradition.
Die Tatsache, dass eingehende Bestellungen nicht mehr bearbeitet werden, zeigt, wie akut die Situation ist. Es gibt wohl keine Möglichkeit mehr, den Betrieb zu retten.
Das stimmt leider. Die schnelle Reaktion deutet darauf hin, dass die finanzielle Lage sehr ernst war und keine Zeit für weitere Bestellungen blieb.
Ich erinnere mich noch gut an den Blumengroßhandel Peters, als Kind bin ich dort oft mit meiner Oma eingekauft. Eine echte Hamburger Institution verschwindet.
Ich finde es gut, dass der Insolvenzverwalter die Situation so offen anspricht und die Gründe für die Insolvenz klar benennt. Das ist wichtig für das Verständnis.
Es ist traurig zu hören, dass ein Familienbetrieb nach 129 Jahren Geschichte aufgeben muss. Die Aussage des Insolvenzverwalters, dass Blumen als Luxusgut betrachtet werden, wenn Leute sparen, trifft wohl den Nagel auf den Kopf.
20 Mitarbeiter sind betroffen, das ist eine große Zahl für einen einzelnen Betrieb. Es ist gut, dass die Löhne durch Insolvenzgeld abgesichert sind, aber was wird aus ihrer beruflichen Zukunft?
Die Aussage des Insolvenzverwalters, dass eine Weiterführung unwahrscheinlich ist, klingt realistisch. Die Konkurrenz durch die Handelsketten ist einfach zu groß.
Es ist bemerkenswert, dass der Betrieb so lange durchgehalten hat, trotz der schwierigen Bedingungen in der Branche. 129 Jahre sind eine lange Zeit.
Ein Onlinehandel, der alles von Hand verpackt? Das klingt nach einem Geschäftsmodell, das von vornherein zum Scheitern verurteilt war. Die Arbeitskosten müssen enorm gewesen sein.
Die Kombination aus steigendem Sparverhalten der Kunden und dem Druck durch die Supermärkte scheint für viele Floristen fatal zu sein. Das ist ein trauriger Trend.
Es ist verständlich, dass die Familie geknickt ist, wenn das Geschäft eine ‚Herzensangelegenheit‘ ist. 129 Jahre Tradition einfach so zu verlieren, muss schmerzhaft sein.
Es ist bedauerlich, dass ein so traditionsreicher Betrieb wie Wilhelm Peters aufgrund von wirtschaftlichen Faktoren aufgeben muss. Die Geschichte des Unternehmens ist ein Verlust für Hamburg.
Absolut. Solche Betriebe prägen das Stadtbild und tragen zur Vielfalt bei. Es ist schade, wenn sie verschwinden.
Die Entscheidung, sich vom Hamburger Großmarkt abzuwenden, scheint ein kritischer Fehler gewesen zu sein. War das wirklich die beste Lösung, oder hätte man dort vielleicht doch Wege finden können, um zu überleben?
Die Tatsache, dass seit Ende des Jahres keine neue Ware mehr bestellt wurde, deutet darauf hin, dass die finanzielle Situation schon länger angespannt war. Warum hat man nicht früher gehandelt?