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- Hamburger Hafen u. Logistik AG – WKN: A0S848 – ISIN: DE000A0S8488 – Kurs: 22,800 € (XETRA)
Mehr als 95 % der Aktien sind bereits in der Hand der Holding, die wiederum von der Freien und Hansestadt Hamburg und der MSC Group kontrolliert wird. Für die verbliebenen Minderheitsaktionäre bedeutet das den erzwungenen Abschied von einem Unternehmen, das einst als Vorzeige-Privatisierung gefeiert wurde.
Die Barabfindung soll auf Basis einer Unternehmensbewertung festgelegt und durch einen gerichtlich bestellten Prüfer überprüft werden. Mit dem zustimmenden Hauptversammlungsbeschluss und der Eintragung ins Handelsregister wäre der Rückzug der HHLA von der Börse besiegelt.
Vom Hoffnungsträger zum Sanierungsfall
Der Börsengang der Hamburger Hafen und Logistik AG im Jahr 2007 war ein politisches wie wirtschaftliches Signal. Die Stadt Hamburg wollte ihren Hafen fit machen für den globalen Wettbewerb und Investoren an der Wertentwicklung beteiligen. Der Ausgabepreis von 53 EUR (erster Kurs sogar 59 EUR) spiegelte die Erwartungen wider, dass der Containerumschlag in Hamburg dauerhaft wachsen würde. In den ersten Jahren schien das Kalkül aufzugehen.
Damals wurde der Börsengang noch gefeiert – Quelle: Spiegel
Doch die Realität erwies sich als widerspenstig. Die Finanzkrise, zunehmende Konkurrenz durch die Nordrange-Häfen, strukturelle Schwächen der Elbe und hohe Investitionen in die Automatisierung belasteten die Ertragskraft. Die Aktie verlor über die Jahre deutlich an Wert, Dividenden wurden gekürzt, die Kapitalmarkterzählung verblasste. Aus dem einstigen Wachstumstitel wurde ein zäher Infrastrukturwert mit starkem politischem Wirken im Hintergrund.
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Den entscheidenden Wendepunkt markierte der Einstieg der MSC Group. Was offiziell als strategische Partnerschaft verkauft wurde, lief faktisch auf eine Machtverschiebung hinaus. Der weltgrößte Reeder sicherte sich Einfluss auf einen der wichtigsten europäischen Häfen, die Stadt Hamburg behielt formal die Kontrolle. Für Minderheitsaktionäre blieb wenig Spielraum. Die Aktie entwickelte sich zunehmend entkoppelt vom operativen Wert, Übernahmefantasie wich Resignation.
Mit dem Überschreiten der 95-%-Schwelle war der Squeeze-out nur noch eine Frage der Zeit. Dass er nun kommt, überrascht den Markt kaum. Die Börse hatte die HHLA längst abgeschrieben, der Streubesitz war ausgedünnt, die Liquidität gering.
Ein leiser Abgang
Der geplante Squeeze-out markiert ein unrühmliches Ende für ein Unternehmen, das einst Transparenz und Teilhabe versprach. Als „neue Volksaktie“ wurde HHLA zu Beginn gefeiert. Nach dem Telekom-Desaster sollte es ein neuer Aufbruch für die deutsche Aktionärskultur werden. Für die Stadt Hamburg und MSC ist der Schritt konsequent: Die strategische Steuerung eines kritischen Infrastrukturunternehmens wird einfacher, langfristige Investitionen lassen sich ohne Rücksicht auf den Kapitalmarkt durchsetzen. Für Anleger bleibt die Erkenntnis, dass politische Ziele und Renditeerwartungen selten dauerhaft harmonieren.

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16 Kommentare
Die niedrige Liquidität der Aktie, die im Artikel erwähnt wird, deutet darauf hin, dass der Markt den Wert der HHLA bereits lange nicht mehr richtig einschätzen konnte. War der Squeeze-out also eher eine Gnade für die Aktionäre?
Die strukturellen Schwächen der Elbe werden als belastend Faktor genannt. Welche konkreten Maßnahmen wurden ergriffen, um diese Schwächen zu beheben, und warum waren diese nicht erfolgreich genug, um die Wertentwicklung zu stabilisieren?
Gute Frage! Ich habe gelesen, dass es immer wieder Verzögerungen bei den Vertiefungsarbeiten gab, was die Effizienz des Hafens beeinträchtigte.
Die Automatisierungsinvestitionen werden als Belastung für die Ertragskraft genannt. Könnte man genauer quantifizieren, welchen Einfluss diese Investitionen tatsächlich auf den Aktienkurs hatten?
Der Artikel erwähnt die zunehmende Konkurrenz durch die Nordrange-Häfen. Wie stark hat diese Konkurrenz konkret die Umschlagszahlen und somit die Wertentwicklung der HHLA beeinflusst?
Die strategische Partnerschaft mit MSC, die faktisch eine Machtverschiebung darstellte, scheint der Wendepunkt gewesen zu sein. War es unvermeidlich, dass dies zu einem Squeeze-out führen würde, sobald MSC einen signifikanten Einfluss erlangt hatte?
Es ist enttäuschend zu sehen, dass die HHLA, die einst als ’neue Volksaktie‘ gefeiert wurde, nun still und leise von der Börse verschwindet. Das wirft Fragen nach dem Wert von Transparenz und Teilhabe auf.
Es ist schade, dass die HHLA nicht in der Lage war, ihre ursprünglichen Ziele zu erreichen und zu einem nachhaltigen Wachstumstitel zu werden. Der Squeeze-out ist ein trauriges Ende einer gescheiterten Privatisierung.
Ich stimme zu. Es zeigt, dass ein Börsengang allein noch keinen Erfolg garantiert, insbesondere wenn strukturelle Probleme und politische Einflussnahme im Spiel sind.
Ich finde es bemerkenswert, dass politische Ziele und Renditeerwartungen selten harmonieren, wie der Artikel feststellt. Das ist eine wichtige Lektion für alle Investoren, insbesondere bei Unternehmen mit starkem staatlichen Einfluss.
Die Überprüfung der Barabfindung durch einen gerichtlich bestellten Prüfer ist ein wichtiger Schritt, um sicherzustellen, dass die Minderheitsaktionäre fair behandelt werden. Hoffentlich wird dieser Prüfer unabhängig und unparteiisch arbeiten.
Die Tatsache, dass die Börse die HHLA ‚längst abgeschrieben‘ hatte, zeigt, wie wenig Vertrauen in das Unternehmen bestand. War es ein Fehler, die Aktie überhaupt an die Börse zu bringen, wenn die langfristigen Aussichten so düster waren?
Der Vergleich mit dem Telekom-Desaster ist treffend. Beide Börsengänge wurden als Neuanfang für die deutsche Aktionärskultur präsentiert, aber beide endeten letztendlich enttäuschend für die Kleinanleger.
Die Tatsache, dass die HHLA bereits zu über 95% im Besitz der Holding von Hamburg und MSC ist, macht den Squeeze-out fast unvermeidlich, oder? Es scheint, als ob die ursprüngliche Vision einer breiten Aktionärsbasis gescheitert ist.
Ich erinnere mich an den Börsengang 2007 mit einem Ausgabepreis von 53 EUR, sogar 59 EUR beim ersten Kurs. Es ist wirklich bemerkenswert, wie weit die Aktie von diesen Höchstständen gefallen ist, angesichts der anfänglichen Erwartungen an das Wachstum des Containerumschlags.
Es ist verständlich, dass Hamburg und MSC die strategische Steuerung vereinfachen wollen, aber der Umgang mit den Minderheitsaktionären wirkt wenig fair. Eine Barabfindung allein gleicht den Verlust der Teilhabe kaum aus.