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Steigende Preise, sinkende Kaufkraft: Finanzexperte Daniel Walther erklärt, wen Inflation besonders trifft und wie man sich schützen kann.
Wen trifft die Inflation besonders?
Inflation wird als umso schlimmer wahrgenommen, je höher der Anteil des Einkommens ist, der für Waren und Dienstleistungen ausgegeben wird, besonders die Waren, auf die nicht verzichtet werden kann, beispielsweise Essen, Strom, Gas oder Benzin.
Außerdem werden ältere Menschen härter getroffen als jüngere. Mit der Inflation steigen meistens, wenn auch verzögert, die Einkommen. In der Rente steigen aber nur noch die Ausgaben, das Vermögen zur Aufbesserung der Rente wird durch die Inflation entwertet.
Im Alter von 30 Jahren sind es noch 37 Jahre bis zur Rente, in denen das Einkommen mit den Ausgaben steigt, anschließend folgen rund 15 Jahre mit nur noch steigenden Rentenzahlungen.
Im Alter von 52 Jahren dagegen sind es nur noch 12 Jahre mit steigendem Einkommen, aber immer noch 15 Jahre in der Rente. Rentner werden deshalb am härtesten von der Inflation getroffen.
Welche Rolle spielen Edelmetalle wie Gold und Silber als Inflationsschutz?
Edelmetalle sind die wahren Inflationsmesser, weil sie über längere Zeiträume ihren Wert behalten. Dementsprechend steigen sie nicht im Wert, sondern die Währung verliert an Wert, eben die Inflation.
Dabei ist die Wirkung aber nicht unmittelbar, sondern kann schwanken. Deshalb ist der Inflationsschutz nicht kurzfristig vorhanden, sondern nur mittel- und langfristig. Edelmetalle sind deshalb eine Art Versicherung.
Ein Haus kostete 1915 rund 170 Unzen Gold, heute auch. Nur damals konnte man mit rund 20 USD eine Unze Gold kaufen, während man aktuell ungefähr 4500 US-Dollar benötigt
Sind Aktien, Anleihen oder Immobilien in Zeiten hoher Inflation eine gute Wahl für Anleger?
Aktien sind Sachwerte und bieten deshalb grundsätzlich einen Schutz vor Inflation. In den letzten 100 Jahren war die Rendite sogar deutlich über der Inflation. Aber es gab auch Zeiträume, wie rund um die 1970er Jahre, in denen das nicht der Fall war. Gerade wenn die Inflation stark ansteigt, ist daher Vorsicht angebracht.
Anleihen sind die großen Verlierer bei Inflation, weil die Zinsen und der Wert der Rückzahlung durch die Inflation entwertet werden.
Deshalb gibt es inflationsgeschützte Anleihen, bei denen dieser Wertverlust ausgeglichen wird. Immobilien zuletzt sind ebenfalls Sachwerte, aber die Erträge aus Mieten können im Durchschnitt nicht vollständig mit der Inflation mithalten (abgesehen von Index-Mietverträgen). Ein gewisser Schutz vor Inflation ist jedoch vorhanden, vermutlich ungefähr in der Mitte zwischen Aktien und normalen Anleihen.
Dr. Daniel Walther ist Finanzexperte mit 30 Jahren Erfahrung in Vermögensanlage, -verwaltung und Vertriebssteuerung. Er schreibt Kolumnen für FAZ und das Deutsche Institut für Altersvorsorge und ist Gründer der Finanz-App Vermögensheld. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.
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15 Kommentare
Es ist beruhigend zu hören, dass Aktien historisch gesehen eine Rendite erzielt haben, die über der Inflation lag. Trotzdem bleibt die Frage, ob diese Entwicklung in der aktuellen wirtschaftlichen Lage anhalten wird.
Es ist klar, dass die Inflation Menschen mit einem hohen Anteil an fixen Ausgaben stärker belastet. Aber wie wirkt sich die Inflation auf Menschen aus, die variable Einkommen haben, beispielsweise Selbstständige?
Die Aussage, dass ein Haus 1915 und heute ungefähr den gleichen Wert in Gold hat, ist wirklich bemerkenswert. Das zeigt die langfristige Werterhaltung von Gold, aber ist das ein fairer Vergleich, wenn man die Lebensstandards und die wirtschaftliche Entwicklung berücksichtigt?
Die Statistik, dass im Alter von 30 Jahren noch 37 Jahre bis zur Rente liegen, im Gegensatz zu nur 12 Jahren bei 52, verdeutlicht die unterschiedliche zeitliche Perspektive und die Auswirkungen der Inflation. Das ist ein wichtiger Punkt für die persönliche Finanzplanung.
Ich finde es interessant, dass Edelmetalle als ‚Inflationsmesser‘ bezeichnet werden, weil sie ihren Wert im Verhältnis zur Währung behalten. Das bedeutet also, dass der Wertanstieg von Gold nicht unbedingt ein Gewinn ist, sondern ein Zeichen für Währungsverfall?
Die Unterscheidung zwischen kurz-, mittel- und langfristigem Inflationsschutz durch Edelmetalle ist wichtig. Wenn ich jetzt Angst vor der Inflation habe, ist Gold also nicht unbedingt die erste Wahl, sondern eher eine langfristige Strategie?
Der Artikel erwähnt, dass Rentner besonders hart von der Inflation getroffen werden, da ihre Ausgaben steigen, während das Vermögen zur Rentenaufbesserung entwertet wird. Das erscheint logisch, aber wie sieht es mit Menschen aus, die kurz vor der Rente stehen und noch Schulden abzahlen?
Der Artikel erklärt, warum Anleihen bei Inflation Verlierer sind, da Zinsen und Rückzahlung entwertet werden. Aber wie sieht es mit kurzlaufenden Anleihen aus? Sind diese weniger anfällig für Inflationsrisiken?
Der Experte, Dr. Daniel Walther, bringt mit 30 Jahren Erfahrung viel Wissen ein. Wäre es möglich, mehr Details zu seiner Finanz-App ‚Vermögensheld‘ zu erfahren, um zu sehen, wie sie bei der Inflationsbekämpfung helfen kann?
Die Aussage, dass die Inflation umso schlimmer wahrgenommen wird, je höher der Anteil des Einkommens ist, der für notwendige Ausgaben verwendet wird, trifft den Nagel auf den Kopf. Gerade für Menschen mit geringem Einkommen ist die aktuelle Situation sehr belastend.
Mich wundert, dass Aktien als grundsätzlich inflationsschützend dargestellt werden, obwohl es in den 1970er Jahren Phasen gab, in denen das nicht der Fall war. Könnte man diese Periode genauer analysieren, um zu verstehen, welche Faktoren dazu führten?
Immobilien bieten einen gewissen Schutz, aber die Mieterträge halten oft nicht mit der Inflation Schritt. Wäre es sinnvoll, in Immobilien mit Index-Mietverträgen zu investieren, um dieses Risiko zu minimieren?
Ich finde es gut, dass auf inflationsgeschützte Anleihen hingewiesen wird. Sind diese aber auch für Kleinanleger zugänglich oder nur für institutionelle Investoren?
Die Erfahrung von Dr. Walther, die in den Artikeln der FAZ und des Deutschen Instituts für Altersvorsorge einfließt, verleiht dem Thema Glaubwürdigkeit. Ich würde gerne mehr über seine spezifischen Empfehlungen für die Altersvorsorge in Zeiten hoher Inflation lesen.
Das ist ein guter Punkt. Die Altersvorsorge ist ein besonders sensibles Thema, wenn die Kaufkraft des Geldes sinkt.