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Vor einem Jahr wurde Donald Trump zum zweiten Mal Präsident der USA. Sein Kurs und seine Drohungen sind deutlich schärfer geworden. Deutsche Unternehmen reagieren verunsichert und machen bislang noch ‚business as usual“.
Die zweite Amtszeit von Donald Trump hat sich in ihrem ersten Jahr als äußerst turbulent herausgestellt: Das Tempo seiner präsidialen Verfügungen und Drohungen hat deutlich zugenommen. Fast im Wochentakt geht er auf neue „Gegner“ im In- und Ausland los.
Die Bilder, auf denen er Tafeln mit Ländern, die er mit „reziproken Zöllen“ bestrafen will, in die Kameras hält, gingen um die Welt. Betraft werden können aber auch Unternehmen. So könnte in den USA tätigen Firmen etwa das Festhalten an innerbetrieblichen Gleichstellungsprogrammen vorgeworfen werden.
Nicht alle Trump-Drohungen werden umgesetzt
Diese von Trump vehement abgelehnten Regeln (auf Englisch Diversity, Inclusion and Equality (DIE), sollen unter anderem Diskriminierungen wegen Religion, Hautfarbe und vor allem Geschlechtsidentität verhindern.
2025 hat aber auch gezeigt: Nicht alle Drohungen werden umgesetzt. Doch einmal erhoben, erfüllen sie bereits ihren Zweck. Sie verunsichern die Konkurrenz und stärken so amerikanische Positionen. Auch deutsche Unternehmen sind betroffen. Was bedeuten die Drohungen für ihr Geschäft? Wie gehen sie damit um?
„Deutschland ist inzwischen der drittgrößte ausländische Direktinvestor”
Diese Frage stellt sich auch die Auslandsvertretung der deutschen Unternehmen. Die Auslandshandelskammern (AHK) unterstützen dabei insbesondere die Marktinteressen deutscher Firmen im Gastland. Ihr „AHK World Business Outlook Herbst 2025“ zeigt dabei eindeutig: „Die Stimmung deutscher Unternehmen in den USA bleibt angespannt.“ Zu den größten Belastungsfaktoren zählten dabei die Zölle.
Christoph Schemionek von der AHK in Washington stellt im DW-Gespräch klar, dass die USA für deutsche Unternehmen weiterhin sehr wichtig sind: „Wir sind hier stark investiert, Deutschland ist inzwischen der drittgrößte ausländische Direktinvestor – hinter Japan und Kanada.“
„Fast eine Millionen amerikanische Jobs geschaffen“
Aber wichtiger seien die Arbeitsplätze, die so in den Vereinigten Staaten geschaffen würden, fast „eine Millionen amerikanische Jobs“, so Schemionek. Das Thema sei „interessant, weil es genau das ist, was der Präsident möchte, wofür er angetreten ist.“
Allerdings sei die Trumpsche Zollpolitik in Teilen kontraproduktiv. Aktuell sei es schwierig, mit hohen Zöllen belegte Maschinen in die USA zu bringen: „Das verlangsamt dann natürlich die Re-Industrialisierung des Landes.“
„Stimmung unter deutschen Unternehmen hat sich deutlich eingetrübt“
Die Germany Trade and Invest (GTAI), die bundeseigene Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing, ist so etwas wie die Wirtschaftsförderungsagentur Deutschlands. Roland Rohde, US-Experte von GTAI, betont gegenüber der DW, die USA seien „die größte Exportdestination“ für Deutschland geblieben.
Aber: „Die Geschäftsbedingungen haben sich insgesamt signifikant verschlechtert.“ Die deutschen Exporte in die USA seien in den ersten zehn Monaten laut Statistischem Bundesamt „um 7,5 Prozent zum Vorjahreszeitraum zurückgegangen“, so Rohde. „Die Stimmung unter deutschen Unternehmen hat sich auf das Gesamtjahr betrachtet deutlich eingetrübt.“
„Autobauer haben Zölle bislang nicht an die Konsumenten weitergeben können“
Das größte Problem für deutsche Unternehmen, die in oder mit den USA Handel treiben, ist die US-Zollpolitik. Laut Roland Rohde sind sie „der dominierende Faktor.“
Er sieht aber große Unterschiede, abhängig von der Branche: „Die Kfz-Branche ist von den 50-Prozent-Zöllen auf Stahl und Aluminium sowie deren Derivate ausgenommen. Hier fallen ’nur‘ die 15-Prozent-Zölle auf Importe aus der EU an. Jedoch haben die Autobauer die Zölle bislang nicht an die Konsumenten weitergeben können.“
„Im Maschinenbau“, so Rohde weiter, sei die Lage genau umgekehrt. Denn etwa die Hälfte der Maschinenlieferungen in die USA seien „von den Zöllen auf Stahl und Aluminium betroffen.“ Dazu käme ein hoher bürokratischer Aufwand, müsse „doch für jede Schraube Metallgehalt und Herkunft ermittelt werden. Dafür liefern deutsche Maschinenbauer oft Produkte, für die es auf dem US-Markt wenig Konkurrenz gibt. Dadurch können sie einen Großteil der Zollkosten auf ihre Kunden abwälzen.“
„Nicht möglich, alles in den USA einzukaufen”
Sollten fremde Unternehmen ihre Vorprodukte lieber in den USA produzieren, wie es der US-Präsident fordert? Christoph Schemionek von der AKH Washington sieht das differenziert: „Zum Teil macht das ja Sinn, wenn man die Lieferketten enger bei sich hat.“
Aber das sei nur bis zu einem gewissen Grad praktikabel. Es sei schlicht „nicht möglich, alles in den USA einzukaufen, weil es unter anderem die hoch spezialisierten Maschinen, die in Deutschland, Japan, Südkorea und Italien hergestellt werden, in den USA nicht gibt.“
Und die könnten in den Vereinigten Staaten auch nicht gebaut werden, weil dafür „die Lieferketten und das Wissen fehlen. Das sind ja Jahrzehnte oder Jahrhunderte lange Erfahrung, die uns dahin gebracht haben, dass wir eben diese hoch spezialisierten Maschinen in Deutschland bauen können.“
Roland Rohde von GTAI sieht das genauso: Der Maschinenbau werde seine Kapazitäten nicht erhöhen, „da in den USA die Fachkräfte fehlen“.
„Wir halten uns an die Gesetze“
Die DW hat bei einigen der größten Unternehmen Deutschlands, die auch in den USA vertreten sind, nachgefragt, wie sich das Geschäft aus ihrer Sicht entwickelt. Die Lufthansa antwortete: „Das Kapazitätswachstum auf dem Nordatlantik liegt mit einem Plus von sechs Prozent über dem Durchschnitt. Menschen wollen nach wie vor fliegen, auch nach Amerika.“
Zu ihren Diversitätsprogrammen teilte die Airline lediglich mit: „Die Lufthansa Group hält sich grundsätzlich an gesetzliche Vorgaben.“
Volkswagen und die Deutsche Telekom hatten im vergangenen Jahr angekündigt, ihre Diversitätsprogramme zu reduzieren oder zu beenden. Andere Unternehmen wie BMW, Henkel und Siemens sahen zu dem Zeitpunkt keinen Anlass, sofort zu reagieren, und wollten die Entwicklung beobachten.
Bei Diversitätsprogrammen wird es besonders heikel
Der DW teilten nun alle befragten Firmen mit, sich bei den Diversitätsprogrammen an geltende Gesetzte zu halten. Mercedes schrieb: „Wir vertreten die Auffassung, dass unsere Programme und Initiativen in den USA im Einklang mit den geltenden gesetzlichen Anforderungen stehen.“
Ähnliche antworteten der Chemiekonzern BASF und T-mobile, die US-Mobilfunktochter der Deutschen Telekom.
Zwischen „pro-Trump” und „anti-Trump”
Der Hinweis, sich an Gesetze zu halten, verdeutlicht, wie vorsichtig deutsche Firmen in diesem Punkt sind: Sie wollen ihren Diversitätsprogrammen nicht völlig abschwören, was als „pro-Trump” gedeutet würde. Andererseits wollen sie sich aber auch nicht offensiv zu ihren Diversitätsprogrammen bekennen, was als „anti-Trump” gedeutet werden könnte.
Zu den Geschäftsaussichten heißt es bei Mercedes: „Die Märkte haben sich verändert, und wir gehen künftig noch stärker auf regionale Bedarfe und Wachstumschancen ein.“
BASF antwortete: „Die USA sind und bleiben ein wichtiger Markt für BASF. Unser Fokus liegt aktuell auf dem Ausbau unserer Produktionskapazitäten in Louisiana. Die Inbetriebnahme soll 2026 erfolgen.“
Unangebrachte Schwarzmalerei
GTAI-Experte Roland Rohde sieht für die nahe Zukunft jedenfalls nicht schwarz: „Deutsche Autobauer wollen ihre Fertigungskapazitäten in den USA erhöhen“, teilte er mit. Jedoch nur „im überschaubaren Rahmen. Jeder Dollar, der in Zölle fließt, fehlt bei den Investitionen.“
Grundsätzlich jedoch blieben „die USA ein großer und attraktiver Absatzmarkt. Vor diesem Hintergrund dürften die deutschen Unternehmen ihr US-Engagement auf absehbare Sicht verstärken“, so Rohde.
Von Dirk Kaufmann
Das Original zu diesem Beitrag „Deutsche Firmen und die richtige „Trump-Taktik““ stammt von Deutsche Welle.
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29 Kommentare
Die AHK World Business Outlook Herbst 2025 ist ein wichtiges Instrument, um die Lage deutscher Unternehmen in den USA zu bewerten.
Es ist besorgniserregend, dass die zweite Amtszeit Trumps turbulenter geworden ist. Das macht die Planung für deutsche Unternehmen extrem schwierig.
Die ‚angespannte Stimmung‘ deutscher Unternehmen in den USA ist verständlich angesichts der unvorhersehbaren Politik Trumps.
Die Zahl der fast einer Million geschaffenen amerikanischen Arbeitsplätze durch deutsche Investitionen sollte stärker in der öffentlichen Diskussion hervorgehoben werden.
Die Ablehnung von ‚Diversity, Inclusion and Equality‘ (DIE) durch Trump ist beunruhigend. Welche Auswirkungen hat das auf deutsche Unternehmen, die diese Werte fördern?
Es ist bemerkenswert, dass Trump nicht alle seine Drohungen umsetzt, aber allein die Drohungen reichen aus, um Unsicherheit zu stiften. Das ist eine sehr effektive, wenn auch unkonventionelle Verhandlungstaktik.
Die Aussage, dass Deutschland der drittgrößte ausländische Direktinvestor in den USA ist, hinter Japan und Kanada, überrascht mich. Bedeutet das, dass deutsche Firmen trotz der Unsicherheiten weiterhin stark investieren, oder sind das eher ältere Investitionen?
Es scheint, als ob die Investitionen eher bestehen bleiben als neu initiiert werden, zumindest nach den Aussagen der AHK.
Die Tatsache, dass Trump fast im Wochentakt neue ‚Gegner‘ angreift, schafft ein Klima der Unsicherheit und Angst.
Es ist paradox, dass Trump die Re-Industrialisierung der USA fördern will, seine Zölle aber den Import von Maschinen erschweren. Wie lässt sich dieser Widerspruch erklären?
Es scheint, dass kurzfristige politische Ziele über langfristige wirtschaftliche Konsequenzen gestellt werden.
Die USA bleiben die größte Exportdestination für Deutschland, aber die Geschäftsbedingungen haben sich verschlechtert. Wie stark ist diese Verschlechterung quantifizierbar?
Die Bilder von Trump mit den Tafeln der Länder, die er mit Zöllen bestrafen will, sind ein starkes Symbol für seine protektionistische Politik.
Die ‚AHK World Business Outlook Herbst 2025‘ zeigt eine ‚angespannte Stimmung‘. Könnte diese Angst vor allem bei Unternehmen in bestimmten Branchen stärker ausgeprägt sein, beispielsweise bei denen, die stark von Exporten betroffen sind?
Ja, besonders die Maschinenbau- und Automobilindustrie scheinen unter den Zöllen zu leiden.
Die GTAI sollte noch stärker auf die Bedürfnisse der deutschen Unternehmen in den USA eingehen und ihnen bei der Bewältigung der aktuellen Herausforderungen helfen.
Die Fokussierung auf Arbeitsplätze in den USA ist ein kluger Schachzug von Christoph Schemionek, um die Bedeutung deutscher Investitionen zu betonen.
Die Fokussierung auf ‚reziproken Zölle‘ klingt nach Vergeltung. Welche konkreten deutschen Handelspraktiken kritisiert Trump hier?
Die AHK in Washington spielt eine wichtige Rolle bei der Unterstützung deutscher Firmen. Wie sieht die konkrete Unterstützung aus, wenn Unternehmen mit Trump-Drohungen konfrontiert werden?
Die Tatsache, dass deutsche Unternehmen fast eine Million amerikanische Arbeitsplätze geschaffen haben, ist ein starkes Argument. Wird diese Zahl von der US-Regierung überhaupt anerkannt oder gewürdigt?
Die GTAI betont, dass dies ein wichtiger Punkt ist, aber die öffentliche Wahrnehmung in den USA ist oft anders.
Die Geschwindigkeit der präsidialen Verfügungen unter Trump ist wirklich bemerkenswert und macht es schwer, sich anzupassen.
Ich frage mich, ob die deutschen Unternehmen ihre Geschäftsstrategien in den USA grundlegend überdenken müssen, um mit dieser neuen Realität unter Trump langfristig zurechtzukommen. Reicht ‚business as usual‘ noch aus?
Die Angst vor Strafen für innerbetriebliche Gleichstellungsprogramme ist für viele deutsche Unternehmen ein großes Problem.
Mich beunruhigt die Erwähnung, dass Trump Unternehmen für ihre Gleichstellungsprogramme bestrafen könnte. Wie konkret sind diese Vorwürfe und welche rechtlichen Möglichkeiten haben deutsche Firmen, sich dagegen zu wehren?
Die Gefahr besteht vor allem in der Auslegung von Vorschriften und der potenziellen Diskriminierung bei Auftragsvergaben.
Es ist wichtig, dass die GTAI die Marktinteressen deutscher Firmen in den USA unterstützt.
Ich bin skeptisch, ob die Re-Industrialisierung der USA mit hohen Zöllen wirklich gelingen kann. Das scheint kontraproduktiv zu sein.
Die Drohungen mit ‚reziproken Zöllen‘ sind ein klarer Versuch, deutsche Unternehmen unter Druck zu setzen.