Listen to the article
Blond, schlank und makellos – dieser Prototyp der Barbie-Puppe hat bei Mattel ausgedient. Stattdessen bringt der Spielzeughersteller immer mehr inklusive Puppen auf den Markt. Die neueste Ergänzung: Eine autistische Barbie.
Eine autistische Barbie: Am Montag brachte Mattel erstmals eine Puppe mit Autismus auf den Markt. Ihre Augen schauen leicht zur Seite: Die Autismus-Barbie vermeidet direkten Blickkontakt. Nach den jüngsten Erfolgen von Barbies mit Down Syndrom und Typ-1-Diabetes ist die neue Puppe die aktuellste Ergänzung der sogenannten Fashionista-Reihe.
Im Gegensatz zu herkömmlichen blonden, schlanken Barbies spiegeln die Puppen dieser Kollektion eine Vielfalt unterschiedlicher Körpertypen wider. Sie zählen mittlerweile zu Mattels meistverkauften Barbies. Es gibt kleine, große und kurvige Puppen mit verschiedenen Hauttönen, aber auch blinde Modelle und Barbies mit Prothesen, Hörgerät oder ohne Haare – als Symbol einer Krebsbehandlung. So will man eine breite Palette von Kindern ansprechen und ihnen helfen, sich selbst zu sehen.
Die inklusive Gestaltung kommt bei Kunden gut an
Die Resonanz dieser “inklusiven Puppen” ist laut Mattel “überwältigend positiv” und viele große Einzelhändler führen sie im Sortiment. Geschäftsberichten zufolge handelte es sich 2019 bei 55 Prozent aller weltweit verkauften Barbies um Inclusivity-Puppen. Seitdem hat das UA-Unternehmen zwar keine konkreten Verkaufszahlen der Inclusivity-Barbies mehr veröffentlicht. Doch ihr Prozentsatz dürfte weiter gestiegen sein, denn Marktanalysen zeigen: Im globalen Barbie-Markt zählen die Fashionista-Puppen zu den meistverkauften Puppen, wobei Nordamerika den größten Absatzmarkt darstellt.
Obwohl die endgültigen Zahlen für 2025 noch nicht vorliegen, meldete Mattel rückläufige Barbie-Umsätze im zweiten und dritten Quartal – teils bedingt durch Einfuhrzölle, aber auch aufgrund weniger Neueinführungen. Nun hofft man, die neue Autismus-Barbie könne helfen, Umsätze anzukurbeln. 2024 wurde der Barbie-Markt laut dem Datenanalyseunternehmen Wise Guy Reports auf über 1,5 Milliarden US-Dollar geschätzt. Bis 2035 prognostizieren die Datenanalytiker ein Wachstum auf 2,5 Milliarden Dollar – vor allem angetrieben durch steigende Nachfragen nach Inclusivity-Puppen.
Puppen mit Diabetes-Typ-1 und Down Syndrom besonders beliebt
Derart beliebt war die Diabetiker-Barbie, dass sie schon kurz nach ihrer Einführung im Sommer 2025 ausverkauft war. Zudem berichtete der Spielzeughersteller: Die Barbie mit Down Syndrom zählte 2024 zu seinen weltweit populärsten Fashionista-Puppen. Dazu trug auch ein riesiger Medienerfolg bei: Die Einführung der Down-Syndrom-Puppe 2023 ergab innerhalb weniger als 24 Stunden über eine Milliarde Medienkontakte – ein Rekord für Mattel.
Von der neuen Autismus-Barbie erhofft man sich ähnliche Erfolge. So wie viele autistische Menschen vermeidet auch die Puppe direkten Blickkontakt: Ihre Augen schauen leicht zur Seite. Ihre Handgelenke und Ellbogen sind voll beweglich. Dadurch ermöglichen sie Handflattern und andere repetitive Bewegungen, mit denen manche Autisten sensorische Überreizungen verarbeiten. Als Barbies Outfit wählte das Entwicklungsteam ein bequemes, lila-weiß-gestreiftes A-Linien-Kleid mit kurzen Ärmeln und flachen Schuhen. Viele Autisten reagieren auf Stoffnähte empfindlich und bevorzugen lockere Kleidung.
Zusammenarbeit mit Autismus-Netzwerk
Autismus ist eine Form von Neurodiversität. Die Merkmale der Störung können je nach Person stark variieren. Die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass eines von 100 Kindern autistisch ist. Mattel entwickelte die autistische Barbie zusammen mit dem gemeinnützigen US-Verband Autistic Self Advocacy Network. Die Puppe soll zeigen, wie Kinder mit Autismus ihre Welt erleben und mit ihr kommunizieren.
So trägt die autistische Barbie zum Stressabbau einen pinken Fidget Spinner. Viele Autisten, aber auch Menschen mit ADHS, schätzen die Handkreisel zur Konzentrationsförderung, oder um sich in nervösen Zuständen zu beruhigen. Außerdem hat die Puppe ein Tablet mit Kommunikationshilfen für den Alltag auf dem Bildschirm, sowie Kopfhörer, um laute Geräusche zu reduzieren. Menschen mit Autismus können extrem lärmempfindlich sein und empfinden normale Geräusche oft als schmerzhaft und überwältigend. Sie tun sich schwer, Hintergrundgeräusche herauszufiltern und erleiden oft Angstzustände, wenn es ihnen zu laut wird.
Menschen mit Autismus loben die neue Puppe
Die Kooperation mit der Autismus-Vereinigung scheint bereits zahlreiche Autisten zu beeindrucken: “Diese Puppe ist wunderschön”, schrieb eine autistische Nutzerin auf der Plattform Reddit. “Man hat sich offenbar viele Gedanken gemacht. Es hängt weniger vom Aussehen ab als von unseren Bedürfnissen und diese Puppe zeigt unsere möglichen Hilfsmittel.” Ein gängiges Stereotyp seien schreiende, gewalttätige autistische Kinder oder auch Erwachsene, die nicht in der Lage seien, zu kommunizieren, berichtet die Userin. “Aber hier ist eine wunderschöne Frau, die Mittel zur Selbstregulation hat und Kommunikationsmittel nutzt. Das beweist das Gegenteil. Wir haben Gefühle und wir empfinden Schmerzen aufgrund unserer Umwelt. Wir WOLLEN ja mit anderen kommunizieren, es sieht nur vielleicht anders aus.” Ihr Fazit: “Visuell erzählt diese Puppe eine wunderschöne Geschichte.”
Den vollständigen Artikel hier lesen


26 Kommentare
Die schnelle Verkaufsentwicklung der Barbie mit Typ-1-Diabetes ist beeindruckend. Das zeigt, dass es einen echten Bedarf an solchen Puppen gibt, die Krankheiten entstigmatisieren.
Es ist wichtig, dass Kinder schon früh lernen, Vielfalt zu akzeptieren und zu schätzen. Die inklusiven Barbies können dabei einen wertvollen Beitrag leisten.
Die rückläufigen Barbie-Umsätze im zweiten und dritten Quartal sind besorgniserregend, aber vielleicht kann diese neue inklusive Linie den Trend umkehren, wie Mattel hofft.
Ich finde es gut, dass Mattel nicht nur auf äußerliche Merkmale setzt, sondern auch versucht, die inneren Werte und Bedürfnisse von Kindern mit unterschiedlichen Hintergründen zu berücksichtigen.
Die beweglichen Handgelenke und Ellbogen der Autismus-Barbie sind eine durchdachte Ergänzung, die das Spiel realistischer und inklusiver macht.
Das stimmt, die Detailtreue ist wichtig, um eine authentische Darstellung zu gewährleisten.
Die Tatsache, dass 55% der weltweit verkauften Barbies bereits 2019 Inclusivity-Puppen waren, zeigt doch, dass Mattel hier einen klaren Trend erkannt hat und erfolgreich darauf setzt.
1,5 Milliarden US-Dollar Umsatz für Barbie im Jahr 2024 ist eine enorme Summe. Die Prognose von 2,5 Milliarden bis 2035, angetrieben durch Inclusivity-Puppen, klingt realistisch.
Ich finde es interessant, dass Mattel keine aktuellen Verkaufszahlen für die Inclusivity-Barbies mehr veröffentlicht. Vermutlich sind diese Zahlen so gut, dass sie nicht mehr hervorheben müssen.
Die Tatsache, dass Nordamerika der größte Absatzmarkt für Barbies ist, ist nicht überraschend. Hier gibt es eine große Kaufkraft und ein starkes Interesse an neuen Trends.
Die Tatsache, dass die Diabetiker-Barbie so schnell ausverkauft war, zeigt, dass es einen großen Bedarf an Spielzeug gibt, das Krankheiten normalisiert und Kindern hilft, mit ihrer Situation umzugehen.
Ich frage mich, ob Mattel auch mit Organisationen zusammenarbeitet, die sich für die Rechte von Menschen mit Autismus einsetzen, um sicherzustellen, dass die Puppe eine authentische Darstellung bietet.
Die Tatsache, dass die Umsätze trotz der inklusiven Puppen rückläufig sind, deutet darauf hin, dass Mattel noch mehr Innovationen benötigt, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Die Prognose eines Wachstums auf 2,5 Milliarden Dollar bis 2035 ist ambitioniert, aber mit dem Erfolg der Inclusivity-Puppen durchaus erreichbar.
Ich denke, der Trend geht klar in Richtung mehr Diversität und Repräsentation im Spielzeugbereich.
Ich bin gespannt, wie die Autismus-Barbie von der Community aufgenommen wird. Es ist wichtig, dass die Darstellung von Autismus von Betroffenen validiert wird.
Es wäre schön, wenn Mattel auch noch andere neurodivergente Eigenschaften in zukünftigen Barbies berücksichtigen würde, um die Vielfalt noch weiter zu erhöhen.
Ich frage mich, ob die fehlende direkte Blickkontakt-Einstellung der Autismus-Barbie wirklich authentisch genug dargestellt wird, oder ob es nur eine oberflächliche Wiedergabe ist. Autismus ist sehr vielfältig.
Ich hoffe, die Autismus-Barbie wird genauso erfolgreich wie die Barbie mit Down-Syndrom und trägt dazu bei, Vorurteile abzubauen und das Bewusstsein für Autismus zu erhöhen.
Die Idee, eine Barbie zu entwerfen, die direkten Blickkontakt vermeidet, ist ein mutiger Schritt. Es ist wichtig, dass Mattel sich hier nicht scheut, auch ungewöhnliche Merkmale zu zeigen.
Die Einführung der Down-Syndrom-Puppe hat Mattel einen enormen Medienerfolg beschert. Das zeigt, dass Inklusion auch aus Marketing-Sicht sinnvoll sein kann.
Ich bin skeptisch, ob eine Puppe wirklich das Verständnis für Autismus fördern kann. Es ist ein wichtiger Schritt, aber es braucht noch viel mehr Aufklärung und Akzeptanz.
Die Fashionista-Reihe scheint wirklich erfolgreich zu sein, wenn sie zu den meistverkauften Barbies gehört. Das ist ein gutes Zeichen für die Zukunft von inklusivem Spielzeug.
Es ist schön zu sehen, dass die Barbie mit Down-Syndrom so populär war und über eine Milliarde Medienkontakte generiert hat – das zeigt, wie wichtig Repräsentation ist und wie positiv die Gesellschaft darauf reagiert.
Es ist lobenswert, dass Mattel versucht, eine breitere Palette von Kindern anzusprechen und ihnen zu helfen, sich selbst in den Puppen zu sehen. Das ist ein wichtiger Beitrag zur Inklusion.
Ich finde es gut, dass die Gelenke der Autismus-Barbie voll beweglich sind. Das ermöglicht ein vielseitigeres Spiel und kann Kindern helfen, verschiedene Körperhaltungen zu verstehen.