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Der KI-Boom sorgt derzeit für Mega-Gewinne. Immer häufiger werden Sorgen vor einer Blase laut. Der IWF schließt sich dem an.
Seit einigen Monaten warnen Entscheider in der Wirtschaft vor der Existenz einer Blase am Markt für künstliche Intelligenz. Unter ihnen befinden sich Amazon-Gründer Jeff Bezos und OpenAI-CEO Sam Altman. Jetzt mischt sich der Internationale Währungsfonds (IWF) in die Debatte ein. Und spricht ebenfalls eine Warnung aus.
KI-Boom sorgt für Wachstum – aber birgt Risiken
Grundlegend soll es für die Weltwirtschaft gut aussehen, bestätigte der IWF in einer aktuellen Analyse, und hat die Wachstumsprognose leicht angehoben. Momentan erwartet der IWF ein globales Wachstum von 3,3 Prozent für 2026. Vorher war er noch von einem Wachstum von 3,1 Prozent ausgegangen – soweit die Oktober-Prognose.
Allerdings sieht der Währungsfonds gerade bei den Faktoren, die die Wirtschaft derzeit antreiben, verstärkte Risiken. Als Beispiel nannten die Experten den KI-Boom. Dieser sorgt für einen Hochlauf an den Aktienmärkten und für eine relative Erleichterung bei den Spannungen im Handel. Problematisch wird es dann, wenn dieser Trend abflaut.
„Abrupter“ Einbruch an den Märkten möglich – KI als Auslöser
„Wir bleiben besorgt, dass die Wirtschaft potenziell von großen Schocks getroffen werden kann, die noch keinen unmittelbaren Effekt haben“, zitierte Bloomberg den IWF-Chefökoomen Pierre-Olivier Gourinchas. Er sprach von Schocks, die sich langsam aufbauen, und fügte hinzu, dass die globale Wirtschaft sich zwar in der Vergangenheit hatte anpassen können, aber es herrsche Unsicherheit.
Wie das im Detail aussieht, erklärte der Experte anhand des Beispiels KI. Aktuell sei es so, dass die massiven Ausgaben vor allem in Nordamerika und Asien für Wachstum sorgen. Der ganze Sektor KI verspreche derzeit einen massiven Schub in Sachen Produktivität durch neue Technologie, aber wenn dieser ausbleibt, könne das für einen „abrupten“ Einbruch bei den Märkten sorgen, der sich dann in andere Sektoren ausbreiten könnte.
Studie deckt KI-Nutzung in Unternehmen auf
Dabei stellt sich die Frage: Bis wann ist mit diesem Produktivitätsschub zu rechnen? Eine Studie der Beratungsfirma McKinsey & Company von 2025 zeigt, dass viele Unternehmen noch immer in der Experimentierphase mit künstlicher Intelligenz stecken. Fast zwei Drittel der für die Studie befragten Unternehmen gab an, sie hätten noch nicht damit angefangen, KI unternehmensweit zu etablieren.
Zwar zeigten 62 Prozent der Verantwortlichen ein Interesse an KI-Anwendungen, aber etwa nur etwa 40 Prozent konnten sagen, dass KI auf Unternehmensebene Auswirkungen auf das EBIT habe. Einige Branchen hätten schlichtweg nicht ausreichend Anwendungsmöglichkeiten für künstliche Intelligenz. Die Studie gibt an, dass es zum Beispiel beim Software-Engineering einen 77-prozentigen Anteil an Unternehmen gibt, die KI nicht unternehmensweit eingeführt haben. Bei Unternehmen, die im Management für die Wertschöpfungsketten tätig sind, sollen es 88 Prozent sein.
Eine Mehrheit der Unternehmen habe mitgeteilt, dass die Nutzung von KI-Modellen sich positiv auf Innovation ausgewirkt hätte. Dagegen aber gaben nur 38 Prozent positive Kosteneffekte an. Dieselbe Anzahl von Unternehmen spürte entweder keine Veränderungen oder gar Verschlechterungen auf Kostenseite. Bei der Profitabilität überwogen die Stimmen, die keine Veränderung oder Verschlimmerung berichteten. Die größten Einsparungen und Gewinne haben die Unternehmen im Marketing, in der Produktentwicklung und in der Unternehmensfinanzierung erzielt.
Eine großartige Veränderung des Status Quo steht laut der Studie nicht bevor. Die Zahl der Unternehmen, die KI innerhalb des nächsten Jahres großflächig anwenden wollen, liegt im niedrigen einstelligen Bereich.
Bessere Bedingungen im IWF-Report
Über das Problem KI hinaus hat die Prognose des IWF eine entscheidende Schwäche: Sie lässt mehrere aktuellere Entwicklungen außer Acht. Sie geht von Konditionen aus, die im Dezember gegolten hatten, und verließ sich unter anderem auf eine Vereinbarung zwischen China und den Vereinigten Staaten, die eine Zollsenkung und eine Aussetzung der Exportkontrollen bei kritischen Rohstoffen umfasst hatte.
Außerdem konnten die Studienautoren damals noch nichts von den neuen Zollschranken wissen, mit denen US-Präsident Donald Trump erst Mitte Januar der Europäischen Union gedroht hat. Die USA scheinen sich darauf eingeschossen zu haben, sich mit Gewalt Grönland einzuverleiben, das eigentlich zum dänischen Königreich gehört.
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23 Kommentare
Ich finde es gut, dass der IWF die Risiken des KI-Booms offen anspricht. Eine realistische Einschätzung ist wichtig, um Fehlentscheidungen zu vermeiden.
Es ist beruhigend zu sehen, dass der IWF die Weltwirtschaft für 2026 mit 3,3% Wachstumsprognose sieht, aber die Abhängigkeit von KI-Ausgaben als treibende Kraft macht die Situation fragil.
Die Warnung des IWF vor einem ‚abrupten‘ Einbruch ist verständlich, da die Erwartungen an KI enorm hoch sind und eine Enttäuschung schnell zu einem Kurssturz führen könnte.
Die Tatsache, dass Jeff Bezos und Sam Altman bereits vor einer Blase warnen, sollte ernst genommen werden. Ihre Expertise in diesem Bereich ist unbestritten.
Die Tatsache, dass selbst Branchen wie Software-Engineering noch nicht vollständig von KI profitieren, ist überraschend und deutet auf erhebliche Herausforderungen hin.
Das stimmt, die Komplexität der Integration in bestehende Systeme darf man nicht unterschätzen. Viele Unternehmen brauchen mehr Zeit und Ressourcen.
Die Erhöhung der Wachstumsprognose von 3,1% auf 3,3% für 2026 ist zwar positiv, aber scheint im Vergleich zu den potenziellen Risiken durch den KI-Boom eher geringfügig zu sein.
Die Studie von McKinsey zeigt, dass viele Unternehmen noch unentschlossen sind, wie sie KI am besten einsetzen können. Hier besteht Bedarf an mehr Beratung und Unterstützung.
Absolut, viele kleine und mittlere Unternehmen haben schlichtweg nicht die Ressourcen für eine umfassende KI-Strategie.
Die Aussage von Pierre-Olivier Gourinchas, dass sich die Wirtschaft in der Vergangenheit anpassen konnte, klingt optimistisch, aber die Geschwindigkeit und der Umfang des KI-Booms sind beispiellos.
Die Konzentration der KI-Ausgaben in Nordamerika und Asien könnte zu einer weiteren Vertiefung der wirtschaftlichen Ungleichheit zwischen den Regionen führen.
Die McKinsey-Studie von 2025 zeigt, dass nur 40% der Unternehmen einen EBIT-Effekt durch KI verzeichnen konnten. Das deutet darauf hin, dass die versprochene Produktivitätssteigerung noch nicht flächendeckend eintritt, was die Bedenken des IWF stützt.
Die Erwartungshaltung an KI ist enorm, aber die McKinsey-Daten legen nahe, dass die Realität noch hinter den Erwartungen zurückbleibt. Das könnte zu einer Korrektur führen.
Mich wundert, dass in Branchen wie Software-Engineering immer noch 77% der Unternehmen KI nicht unternehmensweit eingeführt haben. Ist das ein Zeichen für technische Hürden oder mangelnde Bereitschaft?
Es ist wichtig zu betonen, dass laut McKinsey fast zwei Drittel der Unternehmen noch in der Experimentierphase mit KI sind. Das bedeutet, dass die tatsächlichen Auswirkungen noch lange nicht absehbar sind.
Die Abhängigkeit von KI-Ausgaben als Wachstumstreiber birgt das Risiko, dass die Wirtschaft anfällig für externe Schocks wird, die diesen Trend unterbrechen könnten.
Die Aussage des IWF, dass ein ‚abrupter‘ Einbruch an den Märkten durch eine Abkühlung des KI-Booms möglich ist, klingt alarmierend. Wie konkret schätzt der IWF die Wahrscheinlichkeit und das Ausmaß eines solchen Einbruchs ein?
Es ist wichtig zu beobachten, wie sich die Situation entwickelt, insbesondere im Hinblick auf die Produktivitätssteigerung durch KI. Wenn diese ausbleibt, könnte die Warnung des IWF eintreffen.
Ich bin skeptisch, ob KI in allen Branchen tatsächlich einen so großen Produktivitätsschub bringen kann. Einige Bereiche scheinen einfach nicht dafür geeignet zu sein.
Ich frage mich, ob die ‚relative Erleichterung bei den Spannungen im Handel‘, die der Artikel erwähnt, tatsächlich auf den KI-Boom zurückzuführen ist oder ob andere Faktoren eine größere Rolle spielen.
Wenn der KI-Boom hauptsächlich in Nordamerika und Asien das Wachstum antreibt, wie wirkt sich das auf andere Regionen aus, die möglicherweise nicht so schnell auf KI umsteigen können?
Die McKinsey-Studie zeigt deutlich, dass die Implementierung von KI in Unternehmen komplexer ist als oft dargestellt. Es geht nicht nur um Technologie, sondern auch um organisatorische Veränderungen.
Wenn nur 40% der Unternehmen einen positiven EBIT-Effekt durch KI sehen, stellt sich die Frage, wie nachhaltig die aktuellen Investitionen in diesen Bereich sind.