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BERLIN (dpa-AFX) – Die Linke warnt vor einem drastischen Anstieg der Altersarmut in Deutschland. Ihr Abgeordneter Dietmar Bartsch hatte die Bundesregierung unter anderem gefragt, welcher Bruttostundenlohn nötig ist, um nach 45 Jahren Vollzeitarbeit eine Rente oberhalb der Schwelle für das Armutsrisiko zu erhalten – derzeit 1.381 Euro.
Dazu wären bei konstantem Lohn über 45 Jahre Vollzeit 19,99 Euro pro Stunde nötig, so das Bundesarbeitsministerium in einer der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Antwort. Die Zeitungen der Funke Mediengruppe hatten zuerst darüber berichtet.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verdienten im April 2025 rund 18,9 Millionen abhängig Beschäftigte weniger als 20 Euro brutto pro Stunde, also etwa bis zu der errechneten Schwelle. Bartsch sprach daher von „Systemversagen“, weil somit viele Menschen in die Altersarmut rutschen würden. „Deutschland hat kein individuelles, sondern ein strukturelles Renten- und Lohnproblem.“
Das Arbeitsministerium weist in seiner Antwort allerdings darauf hin, dass aus den Modellrechnungen keine Rückschlüsse auf das Altersarmutsrisiko gezogen werden könnten. Die Armutsrisikoschwelle sei ein statistisches Konstrukt, das alle Einkommen eines Haushalts berücksichtige und keine Auskunft über die individuelle Bedürftigkeit gebe. Zudem sei die Annahme eines gleichbleibenden Stundenlohns über 45 Jahre als Grundlage der Berechnung unrealistisch./bw/DP/he
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24 Kommentare
Das Bundesarbeitsministerium argumentiert, die Modellrechnung sei kein direkter Hinweis auf Altersarmut, da sie Haushaltsinkommen betrachtet. Aber wenn fast 19 Millionen Leute unter die 20-Euro-Grenze fallen, ist das doch ein starkes Indiz.
Ich finde es gut, dass die Linke das Thema Altersarmut anspricht, aber die Berechnung mit konstantem Lohn über 45 Jahre erscheint mir wirklich unrealistisch. Wie sieht es mit Lohnerhöhungen oder Karrierewegen aus?
Das Arbeitsministerium betont, dass die Armutsrisikoschwelle ein statistisches Konstrukt ist. Trotzdem ändert das nichts daran, dass viele Rentner ein sehr geringes Einkommen haben und sich schwertun, ihre Grundbedürfnisse zu decken.
Die Diskussion um die 19,99 Euro pro Stunde zeigt deutlich, wie wichtig die Tarifverhandlungen sind. Starke Gewerkschaften können dazu beitragen, dass die Löhne steigen und Altersarmut verhindert wird.
Es ist doch paradox: Wir leben in einem Land, das so produktiv ist, aber trotzdem droht Altersarmut für Millionen Menschen. Das ist ein Versagen der Politik und der Wirtschaft.
Ich habe selbst einen Job, bei dem ich weniger als 20 Euro brutto verdiene. Die Vorstellung, dass ich im Alter möglicherweise von der Unterstützung anderer abhängig sein werde, ist beängstigend.
Die Berechnung, dass man 19,99 Euro pro Stunde braucht, um die 1.381 Euro Rente zu erreichen, ist sehr vereinfacht. Krankheitstage, Arbeitslosigkeit und andere Faktoren werden hier nicht berücksichtigt.
Das stimmt, die Realität ist komplexer. Solche Durchschnittswerte können die individuelle Situation stark verzerren.
Die Tatsache, dass die Berechnungen auf 45 Jahren Vollzeitarbeit basieren, schließt viele Menschen aus, die beispielsweise Teilzeit arbeiten oder Kinder großziehen. Das muss berücksichtigt werden.
Ich frage mich, welche Berufe besonders stark von der drohenden Altersarmut betroffen sind. Sind es vor allem gering qualifizierte Tätigkeiten oder betrifft es auch Fachkräfte?
Mich wundert, dass die Regierung so detailliert auf die Anfrage der Linken antwortet, aber gleichzeitig die Schlussfolgerungen relativiert. Das wirkt wenig transparent.
Ich glaube, es braucht eine Kombination aus höheren Löhnen, besseren Renten und einer stärkeren sozialen Absicherung, um Altersarmut effektiv zu bekämpfen. Ohne einen politischen Konsens wird sich daran aber nichts ändern.
Es ist frustrierend zu hören, dass man fast 20 Euro pro Stunde verdienen muss, um eine halbwegs sichere Rente zu haben. Das zeigt, wie wichtig eine gute Ausbildung und ein gut bezahlter Job sind, aber was ist mit denjenigen, die keine Wahl haben?
19,99 Euro pro Stunde für 45 Jahre Vollzeit, um das Armutsrisiko zu vermeiden – das ist eine erschreckend hohe Summe, wenn man bedenkt, was viele Leute tatsächlich verdienen. Ist das überhaupt realistisch für Durchschnittsverdiener?
Die Aussage, dass Deutschland ein ’strukturelles Renten- und Lohnproblem‘ hat, ist treffend. Wir müssen dringend über eine gerechtere Verteilung des Wohlstands nachdenken. Was sind die Auswirkungen von Mini-Jobs auf die Rentenhöhe?
Die Tatsache, dass fast 19 Millionen Beschäftigte weniger als 20 Euro brutto pro Stunde verdienen, ist alarmierend, besonders im Hinblick auf die Rente von 1.381 Euro. Das deutet auf ein massives Problem hin, das weit über Einzelfälle hinausgeht.
Es ist wichtig, die Zahlen vom Statistischen Bundesamt im Kontext der steigenden Lebenshaltungskosten zu betrachten. 1.381 Euro im Monat reichen heute kaum aus, um über die Runden zu kommen.
Für viele ist es schon schwierig, mit dem aktuellen Stundenlohn über die Runden zu kommen, geschweige denn, Rücklagen für die Rente zu bilden. Wie kann man da von 19,99 Euro pro Stunde sprechen?
Das ist ein berechtigter Einwand. Die Realität vieler Menschen sieht leider anders aus.
Dietmar Bartsch spricht von einem ‚Systemversagen‘, und ich stimme ihm zu. Ein Rentensystem, das so viele Menschen in die Armut treibt, ist nicht tragfähig. Welche konkreten Reformen schlagen die Linken vor?
Die Linke hat mit dieser Anfrage einen wichtigen Nerv getroffen. Hoffentlich führt das zu einer breiteren Debatte über die Zukunft unseres Rentensystems und faire Löhne.
Die Funke Mediengruppe hat zuerst über diese Zahlen berichtet, was die Relevanz des Themas unterstreicht. Es ist wichtig, dass diese Informationen öffentlich diskutiert werden.
Wenn man bedenkt, dass das Statistische Bundesamt diese Zahlen erfasst hat, dann muss man die Dringlichkeit der Situation ernst nehmen. Wir können es uns nicht leisten, Altersarmut zu ignorieren.
Es ist beunruhigend, dass die Armutsrisikoschwelle bei 1.381 Euro liegt. Man könnte meinen, in einem reichen Land wie Deutschland sollte das ein ausreichendes Einkommen sein, um im Alter nicht in Not zu geraten.