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Gold, Bitcoin und Tech-Aktien brechen ein. Die Zeit der Dividendenwerte ist da. Warum Anleger jetzt auf „Langweiler-Aktien“ setzen und warum sie Stabilität bieten.
Noch vor wenigen Wochen schien die Börsenwelt geordnet: KI, Cloud und Halbleiter trieben die Märkte auf Rekordstände, Gold und Silber glänzten, Öl und Kryptowährungen liefen mit. Dann kam der Bruch – abrupt und breit.
Silber verlor an einem Tag über 30 Prozent, Gold erlebte den heftigsten Rückschlag seit 1980. Auch Bitcoin wurde in den Abverkauf hineingezogen, ebenso Öl und Aktienmärkte. Gleichzeitig erleben Tech-Schwergewichten wie Amazon, Microsoft oder Alphabet teils massive Kursverluste. Disruptive KI-Neuigkeiten setzten vor allem Softwarewerte unter Druck, einzelne Titel brachen zweistellig ein.
Die Folge ist Verunsicherung auf breiter Front. Anleger suchen Halt – und finden ihn ausgerechnet bei jenen Aktien, die lange als unspektakulär galten. Dividendenwerte erleben ein Comeback: nicht als Renditewunder, sondern als Stabilitätsanker in einem Markt, der seine Gewissheiten verloren hat.
Tech-Aktien: Vom Wachstumsrausch zur Ernüchterung
Der Auslöser ist schnell beschrieben. Enttäuschende Quartalszahlen und vor allem die Ausblicke großer Tech-Konzerne haben die Bewertungsnerven der Investoren strapaziert. Als Amazon am Donnerstag ein Investitionsprogramm von rund 200 Milliarden Dollar ankündigte, reagierte der Markt reflexartig: Die Aktie verlor zweistellig. Ähnliche Muster zeigten sich zuvor bei SAP, Microsoft, Alphabet oder AMD.
Das gemeinsame Problem: Die Kosten steigen schneller als die Fantasie für kurzfristige Erträge. Investoren beginnen zu zweifeln, ob sich die enormen KI- und Cloud-Investitionen rasch genug monetarisieren lassen. In einem Umfeld steigender Unsicherheit gilt dann ein altes Börsenmotto wieder: Lieber berechenbare Cashflows als große Versprechen.
Warum Dividenden jetzt wieder zählen
Dividendenaktien bieten genau das, was vielen Portfolios derzeit fehlt: Planbarkeit und Konsistenz. Die Ausschüttungen schaffen laufende Erträge, unabhängig von kurzfristigen Kursschwankungen. Historisch haben sie zudem einen erheblichen Anteil an der Gesamtrendite geliefert – in Europa über Jahrzehnte hinweg teils mehr als ein Drittel.
Laut der „Allianz Global Investors Dividendenstudie 2026“ werden die im Stoxx Europe 600 enthaltenen Unternehmen im laufenden Jahr rund 454 Milliarden Euro an ihre Aktionäre ausschütten – rund vier Prozent mehr als im Vorjahr.
Besonders stark bleibt der Finanzsektor, während zyklische Konsumwerte schwächeln. Wichtig ist dabei nicht die absolute Höhe der Dividende, sondern ihre Nachhaltigkeit.
Die „Langweiler-Aktien“ schlagen zurück
Ein Blick auf die Märkte bestätigt den Trend. Während Tech-Aktien unter Druck geraten, erreichte der Dow Jones Industrial Average zuletzt neue Höchststände – getragen von Industrie-, Konsum- und Finanzwerten. Auch in Deutschland legten dividendenstarke Titel deutlich zu.
Nach Daten von Morningstar gehörten im Januar 2026 unter anderem RWE, E.ON, Siemens oder Daimler Truck zu den besten Performern unter den Dividendenwerten. Es sind Unternehmen mit etablierten Geschäftsmodellen, oft regulierten Erlösen und einer klaren Kapitalverwendung.
Diese Titel sind nicht immun gegen Kursverluste. Aber ihre Schwankungen fallen im Schnitt geringer aus – ein Effekt, den langfristige Studien bestätigen.
Was Dividendenwerte „sicherer“ macht
Sicherheit an der Börse ist relativ. Die Gold- und Silberkurse haben das jüngst erst eindrücklich bewiesen. Dividendenaktien sind auch keine Garantie gegen Verluste, wohl aber gegen Orientierungslosigkeit. Drei Faktoren machen sie in der aktuellen Phase attraktiv:
- Planbare Erträge: Regelmäßige Ausschüttungen reduzieren die Abhängigkeit von Kursgewinnen.
- Geringere Volatilität: Unternehmen mit stabilen Dividenden weisen historisch niedrigere Kursschwankungen auf.
- Disziplin im Management: Wer Dividenden zahlt, muss Kapital effizient einsetzen.
Gleichzeitig gilt: Hohe Dividendenrenditen allein sind kein Qualitätsmerkmal. Im Gegenteil: Hier ist Vorsicht geboten. Entscheidend sind Bilanzstärke, Cashflow und die Fähigkeit, auch in schwächeren Konjunkturphasen auszuschütten.
Auch Profis setzen wieder auf Balance
Dass der Trend mehr ist als eine Momentaufnahme, zeigt der Blick auf institutionelle Portfolios. Laut einer Auswertung von Universal Investment haben professionelle Anleger ihre Abhängigkeit von wenigen Tech-Schwergewichten zuletzt reduziert. Die Konzentration der zehn größten Aktienpositionen sank 2025 weiter, Diversifikation gewinnt an Bedeutung.
Zwar dominieren US-Konzerne weiterhin die Top-Positionen, doch mit Allianz findet sich wieder ein klassischer Dividendenzahler unter den größten Beteiligungen. Das ist weniger ein Strategiewechsel als eine Rückbesinnung auf Risikostreuung.
Zu den klassischen Profiteuren dieser Rückbesinnung auf Ertrag und Stabilität zählen vor allem Versicherer, Versorger und Infrastrukturwerte. Neben Allianz gelten auch Münchener Rück und Zurich Insurance Group als verlässliche Dividendentitel: stabile Prämieneinnahmen, hohe Solvenzquoten und eine langfristig berechenbare Ausschüttungspolitik machen sie für institutionelle Investoren attraktiv. Ähnliches gilt für Versorger wie E.ON oder National Grid, deren regulierte Geschäftsmodelle auch in volatilen Marktphasen kontinuierliche Cashflows liefern.
Keine Flucht, sondern eine Atempause
Auch Industrie- und Infrastrukturtitel spielen eine wachsende Rolle. Siemens verbindet moderates Wachstum mit stetig steigenden Dividenden, während Deutsche Telekom dank stabiler Erlöse aus dem Netzgeschäft und der US-Tochter T-Mobile als defensiver Anker gilt. Ergänzt werden solche Werte häufig durch Konsumtitel wie Beiersdorf, die mit starken Marken, Preissetzungsmacht und kontinuierlichen Ausschüttungen überzeugen.
Gemeinsam ist diesen Aktien weniger spektakuläres Wachstum, dafür eine hohe Wahrscheinlichkeit, auch in unruhigen Zeiten zuverlässig Erträge zu liefern. Gemeinsam ist diesen Aktien weniger spektakuläres Wachstum, dafür eine hohe Wahrscheinlichkeit, auch in unruhigen Zeiten zuverlässig Erträge zu liefern. Sie fungieren dabei als Puffer, nicht als Allheilmittel.
Wer heute sein Portfolio neu ausrichtet, setzt nicht auf Entweder-oder, sondern auf Ausgleich: weniger Klumpenrisiken, mehr berechenbare Erträge, etwas Liquidität. Die gefallenen Tech-Engel könnten zurückkehren. Bis dahin liefern die „Langweiler“ etwas, das an der Börse selten geworden ist: Ruhe.
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5 Kommentare
This is very helpful information. Appreciate the detailed analysis.
Solid analysis. Will be watching this space.
Great insights on News. Thanks for sharing!
Good point. Watching closely.
Interesting update on Mittel gegen Börsenschocks
Diese "Langweiler-Aktien" bringen jetzt Ruhe ins Depot
Finanzen100
15:21. Looking forward to seeing how this develops.