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- NVIDIA Corp. – WKN: 918422 – ISIN: US67066G1040 – Kurs: 183,140 $ (Nasdaq)
Der Hunger nach Rechenleistung im Silicon Valley ist unstillbar, und OpenAI setzt nun auf einen weiteren Akteur, um den eigenen Bedarf zu decken. Wie am Mittwoch bekannt wurde, hat das KI-Unternehmen eine umfassende Vereinbarung mit dem Chip-Designer Cerebras Systems unterzeichnet. Der Deal umfasst die Abnahme von bis zu 750 Megawatt an Rechenkapazität über einen Zeitraum von drei Jahren und hat laut Insiderkreisen ein Volumen von mehr als 10 Mrd. USD, berichtet das WSJ.
OpenAI-Chef Sam Altman treibt die Diversifizierung seiner Hardware-Lieferkette voran. Die Abhängigkeit von Nvidia kann damit ein wenig verringert werden. Aktuell verzeichnet OpenAI wöchentlich über 900 Millionen Nutzer – eine gigantische Last für die bestehenden Systeme, was man häufig auch bei der Nutzung merkt. Führungskräfte des Unternehmens betonten wiederholt, dass der Mangel an Rechenressourcen („Compute“) der limitierende Faktor für das Wachstum sei.
Die Entscheidung für Cerebras fiel laut OpenAI aufgrund der spezifischen Stärken der Chips bei der sogenannten Inferenz – also der Anwendung bereits trainierter KI-Modelle.
Das ist Cerebras Systems
Cerebras Systems, mit Sitz im kalifornischen Sunnyvale, gilt als einer der technologisch ambitioniertesten Herausforderer in der Halbleiterbranche. Das Unternehmen hat sich auf die Entwicklung von Prozessoren spezialisiert, die KI-Anwendungen deutlich schneller ausführen sollen als vergleichbare Produkte der Konkurrenz. Im Gegensatz zu herkömmlichen Chip-Herstellern, die Chips aus Wafern herausschneiden, fertigt Cerebras riesige Prozessoren, die so groß sind wie der Wafer selbst. Dieser Ansatz soll den Datentransfer beschleunigen und die Latenzzeiten minimieren, was insbesondere für Echtzeit-Antworten von Chatbots entscheidend ist.
Die Historie des Unternehmens ist nicht frei von Turbulenzen. Ein geplanter Börsengang im Jahr 2024 wurde abgesagt, nachdem bekannt wurde, dass ein Großteil des Umsatzes von einem einzigen Kunden, der G42-Gruppe aus Abu Dhabi, abhing. Stattdessen finanzierte sich das Unternehmen privat und wurde zuletzt mit 8,1 Mrd. USD bewertet. Der neue Deal mit OpenAI katapultiert Cerebras nun in eine neue Liga: Berichten zufolge befindet sich das Startup in Gesprächen, um 1 Mrd. USD zu einer Bewertung von rund 22 Mrd. USD aufzunehmen. Zu den Investoren zählen namhafte Adressen wie Benchmark und Fidelity.
Diversifizierung der Infrastruktur
Die Partnerschaft ist Teil einer breiteren Strategie von OpenAI, die darauf abzielt, die Kosten für Rechenleistung massiv zu senken und die Effizienz zu steigern. Neben Cerebras setzt das Unternehmen bereits auf Eigenentwicklungen in Kooperation mit Broadcom und nutzt Chips von AMD. Andrew Feldman, CEO von Cerebras, sieht in der Geschwindigkeit seiner Chips den entscheidenden Vorteil. „Was den Markt derzeit antreibt“, so Feldman, „ist diese außergewöhnliche Nachfrage nach schnellem Compute.“
Sehr erwähnenswert ist dabei auch die persönliche Verflechtung: Sam Altman ist privat als Investor an Cerebras beteiligt.
Trotz des rasanten Umsatzwachstums – im letzten Jahr generierte OpenAI rund 13 Mrd. USD – werfen die finanziellen Verpflichtungen Fragen auf. Das Unternehmen hat Cloud-Verträge im Gesamtwert von fast 600 Mrd. USD mit Partnern wie Microsoft, Oracle und Amazon unterzeichnet. Diese Summen stehen in einem extremen Missverhältnis zu den aktuellen Einnahmen. Altman argumentiert, dass diese Investitionen durch zukünftiges Wachstum gedeckt werden.
Der Markt für KI-Chips bleibt extrem dynamisch. Auch Nvidia schläft nicht und sicherte sich im Dezember eine Lizenzvereinbarung über 20 Mrd. USD mit dem Startup Groq, das ähnliche Inferenz-Technologien entwickelt. Nvidias GPUs sind sehr gut geeignet für das Training, aber für die Inferenz eigentlich nicht ideal.
Zudem besteht weiterhin eine vorläufige Vereinbarung zwischen Nvidia und OpenAI über Chips im Wert von bis zu 10 Gigawatt, die jedoch noch nicht finalisiert wurde.
Fazit
Der Milliarden-Deal mit Cerebras ist ein logischer Schritt für OpenAI, um sich aus der starken Abhängigkeit von Nvidia ein wenig zu lösen und gleichzeitig die explodierende Nutzernachfrage zu bedienen. Für Cerebras ist es der lang ersehnte Ritterschlag, der das Unternehmen als ernstzunehmende Größe im Halbleitermarkt etabliert. Ob diese Wette aufgeht, wird davon abhängen, ob die technologischen Versprechen der „Wafer-Scale“-Chips im Massenbetrieb tatsächlich eingelöst werden können und ob OpenAI sein exponentielles Umsatzwachstum aufrechterhalten kann, um die gigantischen Infrastrukturkosten zu decken. Auf eines kann man wetten: Der nächste Deal steht wahrscheinlich schon vor der Tür.
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26 Kommentare
Die Vereinbarung über 750 Megawatt Rechenleistung mit Cerebras ist enorm – wie wird OpenAI sicherstellen, dass diese Kapazität effizient genutzt und nicht durch Software-Engpässe limitiert wird?
Ich bin gespannt, wie sich die Konzentration auf ‚Inferenz‘ auswirken wird. Bedeutet das, dass OpenAI weniger Wert auf das Training neuer Modelle legt und sich stattdessen auf die Anwendung bestehender konzentriert?
Die Investition in Cerebras zeigt, dass OpenAI bereit ist, Risiken einzugehen, um seine Hardware-Infrastruktur zu verbessern. Ein mutiger Schritt.
Ein Börsengang, der abgesagt wurde, und ein Großteil des Umsatzes von einem einzigen Kunden – die Historie von Cerebras ist riskant. Wie hat OpenAI dieses Risiko bewertet, bevor es den Deal einging?
Die Tatsache, dass OpenAI offen über seine ‚Compute‘-Probleme spricht, ist erfrischend ehrlich. Viele andere Unternehmen würden solche Schwächen lieber verschweigen.
Es ist klug von Sam Altman, die Abhängigkeit von Nvidia zu reduzieren, besonders angesichts der 900 Millionen wöchentlichen Nutzer. Aber ist Cerebras wirklich in der Lage, diesen Bedarf langfristig zu decken?
Die 900 Millionen wöchentlichen Nutzer sind eine beeindruckende Zahl. Wie wird OpenAI sicherstellen, dass die Nutzererfahrung trotz der hohen Last stabil bleibt?
Ein Deal über 10 Mrd. USD ist ein klares Signal an Nvidia, dass OpenAI ernsthafte Alternativen in Betracht zieht. Der Wettbewerb wird zunehmen.
Mehr als 10 Mrd. USD für einen Deal mit Cerebras – das ist eine enorme Investition. Wie wird sich diese Ausgabe auf die Preisgestaltung von OpenAI-Diensten auswirken?
Ich frage mich, ob die Größe der Cerebras-Prozessoren auch Nachteile mit sich bringt, beispielsweise in Bezug auf Kühlung oder Wartung. Das wird bei 750 Megawatt eine Herausforderung sein.
Die Aussage von Andrew Feldman, dass ’schnelles Compute‘ den Markt antreibt, unterstreicht die Dringlichkeit, mit der OpenAI nach Lösungen sucht. Aber ist Geschwindigkeit alles, oder spielen auch andere Faktoren wie Energieeffizienz eine Rolle?
Es wäre interessant zu wissen, welche spezifischen KI-Modelle OpenAI mit den Cerebras-Chips beschleunigen will. Gibt es hier bereits konkrete Anwendungsfälle?
Die Entwicklung von Cerebras, riesige Prozessoren zu fertigen, ist ein interessanter Ansatz. Könnte dies langfristig zu einer Reduzierung der Chipkosten führen?
Die Partnerschaft mit Cerebras könnte ein Wendepunkt für das Unternehmen sein, das bisher mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Eine Chance zur Rehabilitation.
Die angestrebte Bewertung von 22 Mrd. USD für Cerebras erscheint ambitioniert, aber mit OpenAI als neuem Großkunden durchaus realistisch. Wird das Unternehmen diese Erwartungen erfüllen können?
Die Tatsache, dass Cerebras Prozessoren auf dem gesamten Wafer gefertigt werden, klingt revolutionär. Könnte dieser Ansatz die gesamte Halbleiterindustrie verändern, oder ist er nur für spezielle KI-Anwendungen geeignet?
Die Tatsache, dass OpenAI auch auf Eigenentwicklungen mit Broadcom setzt, zeigt, dass das Unternehmen nicht nur auf externe Anbieter angewiesen sein will. Das ist eine gute Strategie.
Es ist bemerkenswert, dass OpenAI offen zugibt, dass der Mangel an Rechenressourcen das Wachstum limitiert. Das zeigt, wie wichtig Hardware für den Erfolg von KI-Unternehmen ist.
Die Entwicklung von Cerebras ist faszinierend, aber die Abhängigkeit von einem einzigen Großkunden bleibt ein Risiko. Wie plant das Unternehmen, seine Kundenbasis zu diversifizieren?
Ich bin skeptisch, ob Cerebras die Produktionskapazitäten hat, um die benötigten 750 Megawatt innerhalb der nächsten drei Jahre zu liefern. Das ist eine gewaltige Aufgabe.
Ich bin gespannt, ob die Partnerschaft mit Cerebras dazu beiträgt, die Kosten für die Nutzung von OpenAI-Diensten zu senken. Das wäre ein großer Vorteil für die Nutzer.
Die Abhängigkeit von G42 als Hauptkunde war ein Warnsignal. OpenAI scheint hier eine Chance gesehen zu haben, ein Unternehmen zu unterstützen, das sich neu erfinden muss.
Die Betonung auf Inferenz ist logisch, da die Anwendung trainierter Modelle den Großteil der Rechenlast ausmacht. Aber wie sieht es mit der Entwicklung neuer, noch komplexerer Modelle aus?
Die Aussage, dass der Datentransfer durch den Wafer-Ansatz beschleunigt wird, klingt vielversprechend. Könnte dies auch Auswirkungen auf andere Bereiche der Datenverarbeitung haben?
Die Investoren Benchmark und Fidelity sind namhafte Adressen. Das spricht für das Vertrauen in das Potenzial von Cerebras, auch wenn die Vergangenheit nicht immer einfach war.
Die Partnerschaft mit Cerebras, Broadcom und AMD zeigt, dass OpenAI eine umfassende Strategie zur Diversifizierung der Hardware verfolgt. Das ist ein vernünftiger Ansatz, um Engpässe zu vermeiden.