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3416 Euro brutto pro Monat. So hoch war das durchschnittliche Ruhegehalt von Pensionären 2025. Innerhalb eines Jahres stiegen die Bezüge damit um 5,4 Prozent – und die Versorgungslast für den Staat wächst weiter.
Die öffentlichen Haushalte werden zunehmend von einer wachsenden Versorgungslast geprägt: Die Zahl der Pensionäre steigt weiter – und mit ihr die Gesamtausgaben für die Altersversorgung von Beamten und Hinterbliebenen.
Wie aus aktuellen Angaben hervorgeht, beliefen sich die Ausgaben für Pensionen und Hinterbliebenenversorgung im Jahr 2024 auf insgesamt rund 65,9 Milliarden Euro. Gleichzeitig lebten zum 1. Januar 2025 rund 1,42 Millionen Pensionäre von staatlichen Versorgungsleistungen – ein Plus von 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Hinzu kommen etwa 382.000 Hinterbliebene (+0,5 Prozent), berichtet die „Bild“.
Pension in Deutschland: Deutlich höhere Bezüge als bei Rentnern
Neben der steigenden Zahl wirkt sich vor allem ein weiterer Faktor aus: die Höhe der Bezüge. Laut Statistischem Bundesamt erhielten Pensionäre im Januar 2025 ein durchschnittliches Ruhegehalt von 3416 Euro brutto im Monat. Das waren 5,4 Prozent mehr als noch im Januar 2024.
Zum Vergleich: Die durchschnittliche Altersrente in Deutschland lag 2024 bei 1405 Euro, bei Frauen bei 1271 Euro, so die „Bild“. Damit beträgt die Rente im Mittel nicht einmal die Hälfte dessen, was ein pensionierter Beamter bezieht.
Genau dieses Missverhältnis sorgt seit Jahren für Debatten, insbesondere, weil die Versorgung nicht über Beiträge der Beamten finanziert wird, sondern direkt aus den Haushalten von Bund, Ländern und Kommunen.
Warum Pensionen so hoch sind: Systemunterschied statt Zufall
Der Grund für die hohen Pensionssummen liegt nicht in einzelnen Sonderfällen, sondern im System: Pensionen leiten sich nicht aus lebenslangen Beiträgen ab, sondern orientieren sich am letzten Gehalt.
Beamte erhalten für jedes Dienstjahr einen festen Prozentsatz. Nach 40 Jahren ist der Höchstsatz laut Beamtenversorgungsgesetz gedeckelt auf 71,75 Prozent der ruhegehaltfähigen Dienstbezüge.
Während Renten also nach dem Umlageprinzip aus Beiträgen finanziert werden, übernimmt beim Beamtenrecht eine Versorgungspflicht. Pensionen sind damit faktisch eine Fortsetzung des Einkommens im Ruhestand.
Nach einem Rechenbeispiel der „Bild“ bringt ein Polizeimeister des Bundes in der höchsten Erfahrungsstufe – bezogen auf das Grundgehalt – pro Dienstjahr rechnerisch einen monatlichen Pensionszuwachs von rund 65 Euro. Hochgerechnet auf 40 Dienstjahre entspräche das einer Versorgung von etwa 2617 Euro. Ein Arbeitnehmer mit vergleichbarem Einkommen käme laut dem Beispiel je Beitragsjahr auf rund 35 Euro monatlichen Rentenanspruch – nach 45 Jahren wären das etwa 1562 Euro.
Am oberen Ende fällt der Abstand noch stärker aus: Für Spitzenbesoldungen zeigt die Rechnung ebenfalls, wie stark sich das System auswirken kann. Bei einem Staatssekretär mit einem Grundgehalt von rund 16.084 Euro würde sich pro Dienstjahr ein rechnerischer Pensionsanspruch von etwa 286 Euro pro Monat ergeben.
Nach 40 Dienstjahren läge die Versorgung damit bei rund 11.426 Euro monatlich. In der gesetzlichen Rentenversicherung wäre selbst bei sehr hohem Einkommen lediglich eine maximale Rente von ungefähr 3600 Euro erreichbar – und das nur bei jahrzehntelangem Verdienst oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze.
Ein demografischer Effekt, der früher einsetzt als bei den Renten
Dass der Kostenblock wächst, hat auch eine demografische Komponente. Der Anstieg bei den Pensionären setzt zeitlich teilweise vor dem starken Rentenanstieg ein: Da in den 1960er- und 1970er-Jahren wegen hoher Geburtenzahlen viele Lehrer und Beschäftigte im öffentlichen Dienst eingestellt wurden, erreichen diese Jahrgänge nun das Pensionsalter. Dadurch wuchs die Zahl der Versorgungsempfänger schneller als bei den Rentnern, wo die Babyboomer zeitverzögert in den Ruhestand gehen.
Eine weitere wichtige Besonderheit: Ein erheblicher Teil der Pensionäre stammt aus früheren Beamtenstrukturen von Bundespost und Bundesbahn, deren Betriebe zwar seit den 1990er-Jahren privatisiert wurden, deren Versorgungsansprüche jedoch fortbestehen. Diese Gruppe wird perspektivisch zwar schrumpfen, kurzfristig drückt sie die Haushalte aber weiter.
Warum die politische Diskussion oft anders läuft als bei Renten
Obwohl die Versorgungsausgaben seit Jahren wachsen, geraten Pensionen politisch oft weniger ins Zentrum als die Renten. Das liegt auch daran, dass die Debatte weniger sichtbar geführt wird: Während Renten direkt die breite Bevölkerung betreffen, erscheinen Versorgungslasten häufig als Spezialthema des öffentlichen Dienstes – trotz Milliardenvolumen.
Hinzu kommt die komplizierte Zuständigkeit. Die Versorgung wird nicht von einer Stelle getragen, sondern verteilt sich auf Bund, Länder und Kommunen. Gerade Länderhaushalte stehen damit dauerhaft unter Druck, weil dort viele große Beamtengruppen angesiedelt sind, etwa in Schule, Polizei und Justiz. Diese Zersplitterung erschwert schnelle Reformen, weil mehrere Ebenen gleichzeitig betroffen sind.
Zusätzlichen Schub bekommt das Thema durch die Besoldungsdebatte: Wenn Gehälter steigen müssen – etwa wegen gerichtlicher Vorgaben – erhöht das nicht nur die aktuellen Personalkosten, sondern vergrößert auch die Pensionslasten der Zukunft. Selbst wenn die Zahl der Pensionäre später nicht weiter stark wächst, kann der Ausgabenpfad dadurch weiter nach oben zeigen.
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21 Kommentare
Die 71,75 Prozent Höchstsatz der ruhegehaltfähigen Dienstbezüge nach 40 Jahren Dienstzeit erscheinen sehr hoch. Gibt es hier keinen Spielraum für Anpassungen?
Die Unterschiede bei den Spitzenbesoldungen sind besonders krass. Ein Staatssekretär mit 16.084 Euro Grundgehalt erhält eine entsprechend hohe Pension. Das muss man kritisch hinterfragen.
Das Beispiel mit dem Polizeimeister und dem Arbeitnehmer, wo der Beamte bei 40 Dienstjahren 2617 Euro Pension und der Arbeitnehmer 1562 Euro Rente erhält, verdeutlicht das Systemproblem sehr gut. Ist eine Reform wirklich so schwer umzusetzen?
Die Versorgungspflicht im Beamtenrecht ist ein wesentlicher Unterschied zum Rentensystem. Ist diese Pflicht wirklich noch zeitgemäß, oder sollte sie überdacht werden?
Die Tatsache, dass Pensionäre im Januar 2025 5,4 Prozent mehr erhielten als im Vorjahr, während die Renten deutlich niedriger liegen, wirft Fragen nach der Solidarität zwischen den Generationen auf.
Die Umlagefinanzierung der Renten wird oft kritisiert, aber im Vergleich zur direkten Finanzierung der Pensionen aus Steuermitteln scheint sie zumindest eine gewisse Solidarität zu gewährleisten.
Ich verstehe, dass Pensionen eine Fortsetzung des Einkommens im Ruhestand sind, aber die Differenz zu Renten ist so groß. Gibt es Überlegungen, die Pensionen an die Rentenentwicklung zu koppeln, um die Kluft zu verringern?
Die Tatsache, dass die Versorgungslast für den Staat wächst, ist alarmierend. Welche langfristigen Folgen hat das für andere wichtige Bereiche wie Bildung und Gesundheit?
Die Aussage, dass die Rente im Mittel nicht einmal die Hälfte dessen beträgt, was ein pensionierter Beamter bezieht, ist schockierend. Das verstärkt das Gefühl der Ungerechtigkeit.
Ich finde es gut, dass die ‚Bild‘ diese Zahlen veröffentlicht hat, um die Debatte anzustoßen. Die Unterschiede sind so deutlich, dass eine Diskussion unumgänglich ist.
Ich frage mich, ob die steigenden Pensionsausgaben auch zu einer höheren Steuerlast für die Bürger führen werden. Das wäre eine direkte Folge dieses Systems.
Das ist sehr wahrscheinlich. Eine nachhaltige Finanzierung der Pensionen wird ohne zusätzliche Einnahmen kaum möglich sein.
Die Hinterbliebenenversorgung macht ebenfalls einen erheblichen Teil der Ausgaben aus (rund 382.000 Hinterbliebene). Wird hier auch geprüft, ob es Möglichkeiten zur Anpassung gibt, um die finanzielle Belastung zu reduzieren?
Es ist wichtig zu betonen, dass Pensionen nicht durch Beiträge finanziert werden, sondern direkt aus den Steuereinnahmen. Das bedeutet, dass alle Steuerzahler, auch Rentner, die Pensionen mitfinanzieren.
Die Berechnung der Pensionszuwächse pro Dienstjahr ist interessant. 65 Euro pro Jahr für einen Polizeimeister in der höchsten Erfahrungsstufe – das summiert sich enorm über 40 Jahre. Wie transparent sind diese Berechnungen für die Öffentlichkeit?
Das ist ein guter Punkt. Die Komplexität der Berechnungen erschwert es vielen Menschen, die Auswirkungen des Systems zu verstehen.
Die Orientierung der Pensionen am letzten Gehalt, kombiniert mit dem festen Prozentsatz pro Dienstjahr (bis zu 71,75 Prozent), scheint der Hauptgrund für die höheren Bezüge zu sein. Ist das wirklich ein faires System im Vergleich zur Beitragsfinanzierung der Renten?
Die Diskrepanz zwischen den durchschnittlichen Pensionen von 3416 Euro und den Renten von 1405 Euro ist enorm. Wie kann ein solch großer Unterschied langfristig gerechtfertigt werden, wenn man bedenkt, dass die Pensionen direkt aus Steuermitteln finanziert werden?
Es ist beunruhigend, dass die Ausgaben für Pensionen und Hinterbliebenenversorgung bereits 65,9 Milliarden Euro betrugen und weiter steigen. Welche konkreten Maßnahmen plant der Staat, um diese wachsende Belastung für die öffentlichen Haushalte zu bewältigen?
Es wäre interessant zu wissen, wie sich die Pensionen im Vergleich zu den Renten in anderen europäischen Ländern entwickeln. Gibt es hier Best Practices, von denen wir lernen könnten?
Die Zahl der Pensionäre steigt kontinuierlich – 1,42 Millionen im Januar 2025, ein Plus von 0,9 Prozent. Wie wirkt sich dieser Anstieg auf die Altersstruktur der Bevölkerung und die verfügbaren Arbeitskräfte aus?