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Startseite»News»Rohstoff-Diktat: Warum Chinas Macht den Westen jetzt lähmt
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Rohstoff-Diktat: Warum Chinas Macht den Westen jetzt lähmt

Finanzen100Von Finanzen100vor 2 Stunden6 Kommentare7.4k Aufrufe
Rohstoff-Diktat: Warum Chinas Macht den Westen jetzt lähmt
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China nutzt sein Quasi-Monopol, um dank Seltener Erden Macht auf den Westen auszuüben. Die EU sucht nach Lösungen. Dabei gibt es größere Probleme.

Die westlichen Industrieländer versuchen, sich mit allen Mitteln von der Abhängigkeit zu China zu lösen. Ende 2025 gab sich EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen noch optimistisch und verwies auf einer Kommissionssitzung auf ein estnisches Projekt zur Herstellung von Magneten. Aus der Industrie aber kommt eine andere Stimme.

„Stelle ich mir schwierig vor“: Falle bei Seltenen Erden

Europa steht bei dem Versuch, sich hinsichtlich der Seltenen Erden von China zu lösen, vor drei unterschiedlich großen Problemen. 

  • Westliche Industriestaaten müssen seltene Erden außerhalb Chinas beschaffen. Hier versucht die EU, zum Beispiel durch Handelsabkommen mit Kanada oder Australien Abhilfe zu schaffen.
  • Sie müssen die seltenen Erden außerhalb Chinas verarbeiten.
  • Die Unternehmen, die das leisten, müssen entweder wirtschaftlich bleiben oder um jeden Preis von den jeweiligen Staaten am Leben gehalten werden.

Matthias Rüth, Geschäftsführer des Rohstoffhändlers Tradium, sieht dabei wenig Chancen. „Selbst, wenn irgendwo auf der Welt eine Alternativproduktion zu den chinesischen Herstellern aufgebaut würde, könnte ich mir vorstellen, dass Peking im Hinblick auf den Wettbewerbskampf die Restriktionen für bestimmte Produkte einfach wieder lockert.“

Das kann bedeuten, dass die westlichen Unternehmen nicht mehr mit den chinesischen Preisen mithalten können und gleich wieder vom Markt verdrängt werden. Wenn Europa hier Erfolg haben will, müsste sich vor allem hinsichtlich der bürokratischen Hürden einiges tun. 

Rüth kritisiert: „In Europa dauert es schon eine Weile, bis man die Genehmigung für den Bau einer Garage erhält. Im Vergleich dazu stelle ich es mir besonders schwierig vor, die Erlaubnis für eine Seltenerdanlage oder notwendiger chemischer Werke zu bekommen.“

Warum Seltene Erden so wichtig sind

Seltene Erden stehen bei der ganzen Debatte seit einigen Monaten im Mittelpunkt, auch wenn sie nur ein Teil der kritischen Rohstoffe sind. Sie umfassen eine Gruppe von 17 metallischen Elementen, die in vielen Zukunftstechnologien vorkommen, darunter Elektroautos, Smartphones, Computer oder Windkraftanlagen. In der Halbleiterproduktion und der Rüstungsindustrie werden sie ebenfalls benötigt.

In Japan waren sie schon vor mehr als 15 Jahren als „Vitamine der Industrie“ bekannt. Sie heißen zwar Seltene Erden, kommen aber vergleichsweise häufig in der Erdkruste vor. Dafür findet man sie nur selten in ausreichenden Konzentrationen, dass ein Abbau wirtschaftlich sinnvoll ist.

Neben dem Abbau stellt auch die Weiterverarbeitung westliche Industrieländer vor eine Herausforderung, denn Seltene Erden müssen in einem komplexen Verfahren von anderen Elementen getrennt werden, ehe sie verarbeitet werden können.

Bei kritischen Rohstoffen hat China die EU in der Hand

Das alles ist durch die chinesische Marktmacht bei kritischen Rohstoffen und Seltenen Erden überhaupt möglich. Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) kontrolliert China rund 60 Prozent des weltweiten Bergbau-Outputs bei den seltenen Erden, die für die Magnetproduktion notwendig sind. Rund 20 Prozent der weltweit abgebauten Seltenen Erden werden in Magneten verbaut.

Bei der Weiterverarbeitung ist der chinesische Einfluss noch größer: Hier kontrolliert das Reich der Mitte rund 91 Prozent. Auf dem zweiten Platz liegt Malaysia, aber mit einigem Abstand. Verwundern kann das nicht; Peking hatte Seltene Erden schon vor 40 Jahren als Priorität eingestuft. In einer rundherum freien Wirtschaft wäre das kein Problem: China baut die Rohstoffe ab und verarbeitet sie, der Westen kauft sie ein und allen wäre geholfen.

„Kaum eine Wahl“ bei Seltenen Erden

So war es eine ganze Weile lang. China konnte dermaßen billig produzieren, dass das Land viele westliche Minen und Hersteller vom Markt gedrängt hat, aber für die westlichen Industrienationen gab es kaum einen Grund zur Beschwerde. Sie hätten spätestens aktiv werden müssen, als China Anfang der Zehnerjahre die Ausfuhr Seltener Erden nach Japan einstellte. Der Auslöser war damals ein Fischereidisput zwischen den beiden Ländern gewesen.

Dasselbe tut die chinesische Regierung heute. Seit einigen Jahren schließt Peking die Faust immer enger um bestimmte kritische Rohstoffe. Beispiele für die neu eingesetzten Handelsrestriktionen sind ein Schritt aus dem Jahr 2023, bei dem China wichtige Technologien für den Abbau und die Weiterverarbeitung Seltener Erden unter Restriktionen stellte, oder eine Maßnahme vom April 2025, bei dem die Regierung die Ausfuhr von sieben kritischen Rohstoffen verboten hat.

„Die Unternehmen haben kaum eine Wahl: Die Abhängigkeit besteht und die einzige Alternative zum Kauf wäre eine stillstehende Produktion“, sagt Rüth. Der viele Jahre lang billige Einkauf wird Europa zum Verhängnis, denn jetzt ist der Kontinent bei vielen wichtigen Zukunftstechnologien auf China angewiesen. Rund 95 Prozent der Seltenen Erden, die der Kontinent benötigt, stammen aus dem Import. Die kritischen Rohstoffe können oftmals nicht so leicht durch andere Materialien ersetzt werden. „Es gibt demnach kaum Substituierungsmöglichkeiten, und wenn, dann nur auf Kosten der Performance eines Produkts.“

EU war spät dran, aber „es ist ein Anfang“

Europa hat die kritischen Rohstoffe erst spät als Priorität eingestuft. Der Critical Raw Materials Act gilt als Rahmenwerk und soll dafür sorgen, dass Europa bestimmte Anteile dieser Ressourcen beim Recycling, bei der Produktion und bei der Verarbeitung aus eigenen Kapazitäten stemmt.

Auf der Liste der kritischen Rohstoffe stehen erst einmal sämtliche Seltenen Erden. Daneben sind Kupfer und Nickel aufgelistet, Helium, Phosphatgestein, Antimon, Scandium und weitere. In verschiedenen europäischen Ländern gibt es bereits Hoffnungsträger: zum Beispiel Raffinerien in Estland und Frankreich, Lithiumfunde in Deutschland oder Unternehmen wie Norge Mining, das in Norwegen Phosphatgestein abbaut.

„Viele der Ideen, die kommuniziert werden, sind gut, aber sehr schwer umsetzbar. Beispielsweise die Recycling-Quoten oder die Produktion im eigenen Land“, sagt Rüth zum Critical Raw Materials Act. Aber: „Es ist ein Anfang.“

Lars-Eric Nievelstein

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6 Kommentare ansehen

6 Kommentare

  1. Laura T. Schäfer am Februar 17, 2026 7:34 p.m.

    Solid analysis. Will be watching this space.

    Antworten
  2. Hans Schmidt am Februar 17, 2026 7:38 p.m.

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  3. Hans Wagner am Februar 17, 2026 7:42 p.m.

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  4. Peter Weber am Februar 17, 2026 7:43 p.m.

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    Antworten
  5. Laura Weber am Februar 17, 2026 7:43 p.m.

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    • Karl Schmidt am Februar 17, 2026 8:08 p.m.

      Good point. Watching closely.

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