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WASHINGTON (dpa-AFX) – Die USA wollen nach Angaben von US-Außenminister Marco Rubio die venezolanische Ölindustrie nicht aus wirtschaftlichem Interesse kontrollieren. Die Vereinigten Staaten verfügten selbst ausreichend über eigenes Öl, sagte Rubio in einem Interview des US-Senders NBC News nach der Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro. Es gehe vielmehr darum, dass die riesigen Ölreserven Venezuelas nicht weiter unter Kontrolle von Gegnern der USA stünden.
Washington werde nicht zulassen, dass Venezuela zu einem Stütz- und Operationspunkt für Länder wie China, Russland oder dem Iran sowie für die proiranische Miliz Hisbollah werde, so Rubio. Die Ausbeutung von Ressourcen durch externe Akteure, wie sie in anderen Weltregionen zu beobachten sei, werde Washington in Lateinamerika nicht akzeptieren. „Hier leben wir, und wir werden nicht zulassen, dass die westliche Hemisphäre als Operationsbasis für Gegner, Konkurrenten und Rivalen der Vereinigten Staaten dient“, sagte Rubio.
In der Nacht zum Samstag hatte das US-Militär Venezuela angegriffen. Im Rahmen der Operation „Absolute Entschlossenheit“ hatten Eliteeinheiten Maduro und seine Ehefrau Cilia Flores gefasst und außer Landes gebracht. Inzwischen ist Maduro in einer Haftanstalt in New York – in der Stadt muss er sich dann auch unter anderem wegen „Verschwörung zum Drogenterrorismus“ sowie „Verschwörung zum Kokainimport“ vor Gericht verantworten.
Das südamerikanische Land verfügt mit schätzungsweise 303 Milliarden Barrel (je 159 Liter) über die größten Ölreserven der Welt. Wegen Sanktionen, Missmanagement und fehlender Investitionen bleibt die Förderung allerdings weit hinter den Möglichkeiten zurück./hae/DP/he
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14 Kommentare
Wenn die USA wirklich kein Interesse an venezolanischem Öl hätten, warum dann die so deutliche Abgrenzung gegen andere Länder wie China und Russland? Es scheint um Kontrolle, nicht um Bedarf zu gehen.
Die Operation ‚Absolute Entschlossenheit‘ klingt nach einem sehr drastischen Schritt, der sicherlich zu weiterer Instabilität in der Region führen wird. Wie wird die US-Regierung mit den Konsequenzen umgehen?
Das ist ein wichtiger Punkt. Eine schnelle Lösung ohne langfristige Strategie könnte die Situation verschlimmern und zu einem Machtvakuum führen.
Die Festnahme Maduros allein wird die Ölförderung nicht automatisch steigern. Die Infrastruktur ist marode und benötigt massive Investitionen, die nicht einfach so freigesetzt werden können.
Mich wundert, dass ‚Verschwörung zum Drogenterrorismus‘ Teil der Anklage gegen Maduro ist; zeigt dies, dass die USA auch andere Gründe für die Operation ‚Absolute Entschlossenheit‘ hatten als nur Öl und geopolitische Interessen?
Ich finde es interessant, dass Rubio betonte, dass ‚wir hier leben‘. Das erzeugt den Eindruck, das die USA ein besonderes ‚Recht‘, oder gar eine Pflicht, haben, die westliche Hemisphäre zu kontrollieren.
Die Parallele, die Rubio zu externen Akteuren zieht, die Ressourcen in anderen Weltregionen ausbeuten, ist beunruhigend. Bedeutet das, dass die USA eine ähnliche Ausbeutung in Venezuela anstreben, nur unter eigener Kontrolle?
Es ist merkwürdig, dass die Festnahme Maduros in New York stattfindet, wo er sich auch für ‚Verschwörung zum Drogenterrorismus‘ verantworten muss – das deutet auf eine lange und kostspielige juristische Auseinandersetzung hin.
Genau, und die Beweislast wird enorm sein, besonders im Hinblick auf die ‚Verschwörung zum Drogenterrorismus‘-Anklage.
Die Ankündigung, Maduro wegen Kokainimports anzuklagen, wirft die Frage auf, inwieweit diese Anschuldigungen politisch motiviert sind und nicht auf unabhängigen Ermittlungen basieren.
Die Behauptung, die USA brauchten venezolanisches Öl nicht, angesichts der eigenen Reserven, wirkt plausibel, obwohl Venezuela mit 303 Milliarden Barrel die größten der Welt hat – es stellt sich die Frage, ob diese ‚Unabhängigkeit‘ langfristig tragfähig ist.
Rubios Aussage, dass Washington nicht zulassen wolle, dass Venezuela eine Basis für China, Russland oder Hisbollah wird, klingt nach einem geopolitischen Machtspiel, bei dem es weniger um Öl geht als um Einfluss in der Region.
Angesichts des Missmanagements und der fehlenden Investitionen, die dazu führen, dass die venezolanische Ölförderung hinter den Möglichkeiten zurückbleibt, scheint ein sofortiger wirtschaftlicher Vorteil für die USA unwahrscheinlich. Wird sich das ändern, wenn die Kontrolle übernommen wird?
Es ist bedenklich, dass die USA Maduro und seine Frau gefasst und außer Landes gebracht haben – greift Washington damit aktiv in die inneren Angelegenheiten Venezuelas ein und setzt dabei möglicherweise internationale Gesetze außer Kraft?