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Das Aufwärtspotential 2026 beträgt gute zehn bis 15 Prozent. Nicht trotz, sondern wegen der Unsicherheiten, die uns auch im neuen Jahr begleiten.
Die Fed senkt 2026 die Zinsen
Der wichtigste Kurstreiber 2026 wird die Geldpolitik sein. In den USA zeichnet sich ab, dass die Federal Reserve die Zinsen deutlich senken wird, weil sie muss. Die Inflation dürfte zumindest in der ersten Jahreshälfte weiter sinken, was der Fed den nötigen Spielraum verschafft.
Über Lars Erichsen
Lars Erichsen ist Investor, Autor und Finanz-Influencer. Börse und Wirtschaft waren und sind seine Leidenschaft. 15 Jahre hat er ausschließlich vom aktiven Handel an der Börse gelebt. Heute gibt er sein Wissen über Investition und Vermögensaufbau an der Börse weiter und betreibt unter dem Namen „Erichsen – Geld und Gold“ einen YouTube Kanal mit über 150.000 Abonnenten und einen Podcast mit über 200.000 Hörern. Seinen kostenlosen Report lesen jede Woche über 60.000 Menschen. Er tritt regelmäßig auf Veranstaltungen als Keynote-Speaker auf.
Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Die eigentliche Zwangslage ist eine andere: Die USA stehen vor einem gigantischen Refinanzierungsbedarf. Billionen Dollar an Staatsanleihen müssen in den kommenden Monaten verlängert werden.
Das Refinanzierungsargument ist nicht neu, aber die Größenordnung ist es. Die USA haben während der Pandemie massiv auf kurzfristige Treasury Bills gesetzt, um sich Flexibilität zu bewahren. Ein Drittel aller Staatsanleihe, circa neun Billionen US-Dollar, werden fällig und müssen zu aktuellen Zinsen refinanziert werden. Ein Prozent weniger Zinsen entsprechen rund 90 Milliarden US-Dollar, das ist deutlich mehr auf Jahressicht, als das mittlerweile wieder aufgelöste DOGE-Ministerium jemals hätte einsparen können.
Die Konsequenz: Angesichts der Schuldenlast gibt es schlicht keine Alternative zu einer lockeren Geldpolitik. Und lockere Geldpolitik bedeutet historisch höhere Aktienkurse.
Der „Oracle-Moment“: KI wird erwachsen
Künstliche Intelligenz bleibt das dominierende Investmentthema, allerdings mit einer entscheidenden Verschiebung. Der „Oracle-Moment“ ist eingetreten: Es geht nicht mehr primär darum, wer am meisten und am schnellsten in KI investiert, sondern wer damit tatsächlich einen Return on Investment erzielt. Oracle selbst lieferte diese Erkenntnis Ende 2025, als die Aktie trotz massiver KI-Ankündigungen einbrach – Investoren zweifelten an der Profitabilität.
Dieser Moment markiert eine Wende. Der Fokus verschiebt sich von reinen Infrastruktur-Playern hin zu Unternehmen, die KI produktiv einsetzen:
- Wer wird durch KI effizienter?
- Wer steigert damit die Margen?
- Wer erschließt neue Geschäftsfelder?
Diese Verschiebung macht den Aufschwung breiter und bietet guten Stockpickern besondere Gelegenheiten, auch klassische Value-Sektoren dürfen von dieser Entwicklung profitieren.
Energie bleibt der KI-Flaschenhals
Der unterschätzte Engpass der KI-Revolution ist Energie. Rechenzentren verschlingen Strom in einem Maße, das die bestehende Infrastruktur an ihre Grenzen bringt, die aktuellen Wartezeiten für Netzanschlüsse neuer Datenzentren beträgt Jahre. Hier entstehen weiter Investitionschancen: Die Auftragsbücher von Stromerzeugern, Netzbetreibern, Kraftwerksbauern und Energieeffizienz-Spezialisten bleiben auch aus politischen Gründen prall gefüllt.
Der KI-Wettlauf ist in vollem Gange und auch, wenn die bekanntesten Unternehmen fast alle aus den USA kommen, China liegt vorne, wenn es um den Ausbau der Energie-Infrastruktur geht.
Entkoppelung von China – mehr als nur seltene Erden
Sowohl die USA als auch Europa verfolgen intensiv die Strategie der Entkoppelung von China. Das betrifft längst nicht mehr nur kritische Rohstoffe wie seltene Erden, sondern reicht von Halbleitern über Pharma-Wirkstoffe bis zu Batterietechnologie. Diese Deglobalisierung schafft Gewinner: Unternehmen, die Lieferketten diversifizieren, heimische Produktionskapazitäten aufbauen oder in „Friendly Shoring“-Länder investieren.
Gleichzeitig entstehen Risiken für Firmen mit hoher China-Abhängigkeit. 2026 wird sich zeigen, wer diese strategische Transformation erfolgreich meistert.
Der Euro-Faktor: Rendite-Fresser für US-Investments
Für deutsche und europäische Anleger ist die Währungsentwicklung entscheidend. Ich erwarte 2026 einen tendenziell stärkeren Euro gegenüber dem US-Dollar. Gründe: Die EZB wird bei Zinssenkungen vorsichtiger agieren als die Fed, die europäische Wirtschaft zeigt Stabilisierungstendenzen und die US-Schuldendynamik belastet langfristig das Vertrauen in den Dollar.
Ein stärkerer Euro bedeutet: US-Aktiengewinne werden beim Rücktausch geschmälert. Diversifikation bleibt daher wichtig.
Fazit: Das Jahr wird positiv!
57 Prozent der von der Deutschen Bank befragen institutionellen Anleger sehen das Platzen der KI-Blase als größten Risikofaktor für den Aktienmarkt. Die Bewertungen sind sportlich und die Unternehmen müssen mit guten Ergebnissen liefern, mehr aber auch nicht.
Niemand weiß, wie der nächste schwarze Schwan aussieht, aber die KI-Blase wird es nicht sein, denn dafür fehlen die Fahnenstangen in den Kursen und jegliche Euphorie. Herde von Unsicherheiten gibt es genug:
- Trumps Fed-Politik
- Schuldenberge
- China-Spannungen
- Bewertungsrisiken
Doch in der Tendenz überwiegen die positiven Faktoren. Die lockere Geldpolitik wird wirken, KI wird produktiver statt nur teurer und die Energiewende schafft neue Wachstumsfelder.
Meine Erwartung: Dax und Dow Jones legen 2026 in der Spitze um mindestens 10 bis 15 Prozent zu und markieren neue Höchststände. Stockpicking wird wichtiger als Indexinvestments, Währungsrisiken sollten im Blick bleiben, und Diversifikation ist kein Luxus, sondern Pflicht. Wer diese Punkte beherzigt, dürfte 2026 als gutes Börsenjahr in Erinnerung behalten.
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26 Kommentare
Die These, dass lockere Geldpolitik historisch höhere Aktienkurse bedeutet, ist zwar verbreitet, aber nicht immer zutreffend. Könnte die massive Staatsverschuldung der USA die positiven Effekte einer Zinssenkung konterkarieren?
Der ‚Oracle-Moment‘ ist eine treffende Bezeichnung für die aktuelle Phase der KI-Entwicklung. Investoren werden wählerischer und suchen nach Unternehmen mit nachhaltigen Geschäftsmodellen.
Die 60.000 Leser des kostenlosen Reports zeigen, dass Herr Erichsen eine große Anhängerschaft hat. Ich werde ihn mir auch mal ansehen.
Die Tatsache, dass Lars Erichsen 15 Jahre ausschließlich vom aktiven Handel gelebt hat, verleiht seinen Einschätzungen Gewicht. Ich bin gespannt auf seine weiteren Analysen.
Es ist einleuchtend, dass der Energiebedarf der KI-Rechenzentren ein Engpass sein könnte. Wird in dem vollständigen Report auf mögliche Lösungen oder Investitionen in erneuerbare Energien eingegangen, um diesen ‚Flaschenhals‘ zu beheben?
Gute Frage! Ich habe gelesen, dass einige Unternehmen bereits in eigene Energiequellen investieren, um unabhängiger zu werden.
Ich bin etwas skeptisch, ob die Energieversorgung mit dem Bedarf der KI-Rechenzentren Schritt halten kann. Das könnte die Entwicklung deutlich bremsen.
Da stimme ich zu. Die Infrastruktur muss dringend ausgebaut werden, sonst wird das ein Problem.
Die Erfahrung von Lars Erichsen im aktiven Handel ist sicherlich ein Vorteil bei der Analyse der Börsenentwicklung für 2026. Ich bin gespannt auf seine weiteren Einschätzungen.
Die Tatsache, dass die USA während der Pandemie auf kurzfristige Treasury Bills gesetzt haben, um Flexibilität zu erhalten, scheint sich jetzt auszuzahlen – oder auch nicht, wenn die Zinsen steigen.
Ich finde es bemerkenswert, dass der Artikel den ‚Oracle-Moment‘ hervorhebt – die Verschiebung von reinen KI-Investitionen hin zur tatsächlichen Profitabilität. Das erklärt vielleicht, warum einige KI-Aktien Ende 2025 eingebrochen sind, wie im Text erwähnt.
Die Analyse des ‚Oracle-Moments‘ ist sehr scharf. Es zeigt, dass Hype allein nicht ausreicht, um langfristig erfolgreich zu sein.
Ich bin gespannt, welche Unternehmen Erichsen als ‚Stockpicker-Gelegenheiten‘ identifiziert, die KI produktiv einsetzen und gleichzeitig in Value-Sektoren angesiedelt sind.
Als jemand, der seit einiger Zeit investiert, finde ich den Fokus auf ‚Return on Investment‘ bei KI sehr wichtig. Es ist nicht genug, nur in die Technologie zu investieren, man muss auch sehen, wer damit Geld verdient.
Die Vergleiche mit dem aufgelösten DOGE-Ministerium sind zwar humorvoll, verdeutlichen aber die enorme Größenordnung der 90 Milliarden US-Dollar, die durch einen Prozentpunkt weniger Zinsen eingespart werden könnten. Das ist wirklich beeindruckend.
Die Aussage, dass die Fed die Zinsen senken *muss* aufgrund des Refinanzierungsbedarfs von neun Billionen US-Dollar an Staatsanleihen klingt nach einer sehr starken These. Gibt es alternative Szenarien, die Herr Erichsen in Betracht zieht, falls die Inflation doch nicht wie erwartet sinkt?
Ich frage mich, ob die steigenden Energiepreise, die durch den KI-Boom entstehen könnten, nicht auch die Inflation wieder anheizen. Das wäre ein kontraproduktiver Effekt.
Ich finde es gut, dass der Artikel nicht nur die Chancen, sondern auch die Risiken der KI-Revolution aufzeigt, insbesondere den Energieengpass.
Die Aussage, dass die USA vor einem ‚gigantischen Refinanzierungsbedarf‘ stehen, ist besorgniserregend. Wie wird sich das auf die globale Wirtschaft auswirken?
Die Aussage, dass ein Drittel der US-Staatsanleihen, etwa neun Billionen Dollar, refinanziert werden muss, ist alarmierend. Wie realistisch ist es, dass die Fed das alleine durch Zinssenkungen stemmen kann?
Die Erwähnung der 90 Milliarden US-Dollar Ersparnis bei einem Prozentpunkt weniger Zinsen ist ein starkes Argument für die These einer lockeren Geldpolitik.
Die Betonung der Notwendigkeit, die Effizienzsteigerung und Margenverbesserung durch KI zu bewerten, ist ein wichtiger Punkt. Das ist der Schlüssel zur langfristigen Wertschöpfung.
Die Prognose eines Aufwärtspotenzials von 10 bis 15 Prozent für 2026 erscheint konservativ, wenn man bedenkt, dass die KI-Revolution und die Geldpolitik Rückenwind geben könnten. Aber es ist gut, dass der Artikel nicht übertreibt.
Ich bin gespannt, welche ‚Value-Sektoren‘ von der KI-Entwicklung profitieren könnten, wie im Artikel angedeutet. Gibt es konkrete Beispiele, die Herr Erichsen nennt?
Es ist interessant zu sehen, wie der Refinanzierungsbedarf der USA die Geldpolitik beeinflusst. Das ist ein Faktor, den viele Investoren unterschätzen.
Die Prognose von 10-15% Aufwärtspotenzial erscheint mir realistisch, besonders wenn man bedenkt, dass die Unsicherheiten bereits eingepreist sein könnten. Ein stabiler Gewinn wäre schon viel.