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Die Gigafactory in Grünheide sollte Europas E-Auto-Revolution antreiben. Heute kämpft Tesla mit schwacher Nachfrage, Preisdruck und ungenutzten Kapazitäten – und die nächste große Tesla-Idee lässt auf sich warten.
Tesla-Gründer Elon Musk hatte sein „Deutschland-Projekt“ 2019 wie einen Leuchtturm der Elektromobilität inszeniert. Auf dem märkischen Sand bei Grünheide sollte Europas Auto-Revolution beginnen: die Gigafactory Berlin-Brandenburg, gebaut für Hunderttausende Elektrofahrzeuge pro Jahr. Vier Jahre später fällt die Bilanz nüchterner aus. Der Leuchtturm steht, aber davon, dass er besonders hell blinkt, kann keine Rede sein. Die Revolution jedenfalls ist vorerst versandet.
In Grünheide wird bislang eine Fahrzeugserie gebaut: das Model Y. Das kompakte SUV läuft seit 2022 vom Band. Nach Unternehmensangaben erreicht das Werk eine Produktionsrate von rund 5000 Fahrzeugen pro Woche, das sind etwa 250.000 Autos pro Jahr. Die Anlage ist aber für deutlich höhere Kapazitäten ausgelegt.
Branchenbeobachter gehen von einer technischen Kapazität von über 375.000 bis rund 500.000 Fahrzeugen jährlich aus, die Tesla theoretisch stemmen könnte, wenn Nachfrage und Auslastung stimmen. Diese Spannweite zeigt: Der Hochlauf ist geschafft, das Volllastpotenzial aber noch nicht erreicht.
Tesla-Werk in Brandenburg: 1700 Beschäftigte weniger
Die Personalzahlen spiegeln diese Entwicklung. Nach Unterlagen aus dem Betriebsrat arbeiten derzeit rund 10.703 Menschen im Werk, bei der Betriebsratswahl vor zwei Jahren waren es noch 12.415, was einem Rückgang von rund 1700 Beschäftigten entspricht.
„In unserem Betrieb sind 1683 Frauen, 9006 Männer und 14 nicht-binäre Personen beschäftigt“, schreibt dessen Vorsitzender in einer Einladung zur anstehenden Betriebsratswahl Anfang März.
Von offizieller Seite betont Tesla dagegen: „Im Vergleich zu 2024 hat es keinen nennenswerten Stellenabbau bei der Stammbelegschaft gegeben. Ein solcher ist auch nicht geplant“, teilte eine Unternehmenssprecherin mit. Schwankungen bei der Gesamtzahl inklusive Leiharbeitern seien „vollkommen normal“. „Das Produktionsvolumen der letzten Jahre war konstant und es gibt keine Pläne, das Volumen und damit einhergehend Personal zu reduzieren“, heißt es weiter.
Diese unterschiedlichen Darstellungen zeigen, wie heftig über das Thema debattiert wird: Für Tesla ist der Rückgang Folge von Optimierungen bei Prozessen, Automatisierung und dem Verzicht auf temporäre Arbeitsverhältnisse. Die Betriebsrat-Sicht legt dagegen einen Stellenabbau nahe, der deutlich über dem global von Musk angekündigten Niveau liegt.
Preise purzeln: Model Y für unter 40.000 Euro
Parallel dazu geraten die Preise unter Druck. Tesla hat in Europa neue, günstigere Einstiegsvarianten des Model Y für unter 40.000 Euro auf den Markt gebracht. Das zeigt, es sind offenbar niedrigere Preise notwendig, um Tesla-Autos auf dem Markt loszuwerden. Andererseits sind Zusatzausstattungen teurer geworden. Diese Preisstrategie soll offenbar die Nachfrage stabilisieren, lässt sich aber zugleich auch als ein Zugeständnis an die stärker werdende Konkurrenz bewerten.
Grünheide ist Teil des globalen Problems, das Musk derzeit mit Tesla hat. Weltweit sinken die Auslieferungen. Daten aus 2025 zeigen deutliche Rückgänge in vielen Kernmärkten, etwa einen Verkaufseinbruch von mehr als einem Drittel in Deutschland, während traditionelle Wettbewerber und chinesische Hersteller hier wieder Marktanteile gewinnen.
Abhängigkeit von wenigen Modellen
Der Einbruch ist die Folge der Abhängigkeit von wenigen Modellen. Seit Jahren kündigt Musk neue Fahrzeuge an, aber die Käufer warten noch immer auf konkrete Termine. Ein kleineres, günstigeres Einstiegsmodell, intern oft als „Model 2“ bezeichnet, gilt als Schlüssel zur Rückeroberung des Massenmarkts, wurde aber mehrfach verschoben, weil Tesla die Kosten nicht auf die Zielrendite drücken konnte.
Parallel entwickelt das Unternehmen Varianten bestehender Modelle, darunter ein größeres Model Y mit zusätzlicher Sitzreihe und den Cybertruck, der in den USA allerdings nur langsam in Fahrt kommt. Visionär, aber noch fern, ist ein Robotaxi-Projekt, das Musk als langfristige Zukunft des Konzerns beschreibt.
Ausbau mit Batteriezellfertigung am Standort bleibt fraglich
Für Grünheide bedeutet all das: Kurzfristig ist kein zweites Volumenmodell in Sicht. Der geplante Ausbau mit einer Batteriezellfertigung am Standort, der ab 2027 starten soll und bis zu 8 Gigawattstunden Kapazität pro Jahr erreichen könnte, bleibt ein Hoffnungsträger, aber kein sofortiger Produktionsmotor.
Angesichts sinkender Absätze, schrumpfender Margen und eines globalen Kostendrucks gelten Expansionen nicht als Priorität, sondern als Option für bessere Zeiten.
Und Elon Musk selbst? Der Unternehmer erwähnt das deutsche Werk seltener als früher. Grünheide ist Teil des Tesla-Netzwerks, aber nicht mehr dessen Schaufenster. Brandenburg bleibt wichtig, aber nicht unantastbar. Und die große nächste Idee, die dem Standort neuen Schwung geben könnte, ist noch nicht serienreif.
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6 Kommentare
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