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Der Kupfermarkt ist wie leergekauft. Ein Auslöser dafür heißt Donald Trump. Für Anleger gibt es Chancen.
Die Preise für Kupfer steigen derzeit rasant. Am Montag (5. Januar) durchbrach der Kupferpreis im Handel an der Londoner Metallbörse zum ersten Mal die 13.000-Dollar-Marke. Dafür gibt es mehrere Gründe. Für Anleger könnten sich neue Chancen ergeben.
Kupfer-Rush in den USA: Wegen Trump-Zöllen?
Zunächst werfen wir einen Blick zurück: Wie kommt es zu der aktuellen Preisrallye? Angefangen hatte diese Entwicklung mit der Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, Strafzölle zwischen 25 und 50 Prozent auf verarbeitete Kupferimporte legen zu wollen. Daraufhin begannen die Händler innerhalb der USA, massenhaft Kupfer einzukaufen. Die Idee dahinter: Wenn der Ankauf unter einer möglichen Zollpolitik teurer ist, lohnt es sich, schon jetzt Reserven anzulegen.
Im Sommer gingen die enormen Zukäufe zurück, weil Trump auf einen Teil seiner Zölle verzichtete (anstatt raffiniertes Metall zu bezollen, verhängte er den Zoll auf halbfertige Kupferprodukte). Trotzdem gab es im vierten Quartal erneut Spekulationen über neue Zölle und die Käufe zogen zum Jahresende wieder an. Die Preisberichtsagentur Argus Media berichtete von einem Anstieg der Kupferpreise um 13,9 Prozent zwischen dem 28. November und dem 2. Januar. Unter Berufung auf Daten von Kpler (ein Dienstleister, der Schiffsbewegungen verfolgt) hieß es, dass die Importe in etwa auf das Niveau vom Mai 2025 angestiegen sein und damit etwa die Marke 220.000 Tonnen erreicht haben sollen.
Naturkatastrophen verknappen Kupferversorgung
Ein zweiter Grund für die Knappheit am Kupfermarkt ist der Druck, der auf großen Kupferminen liegt. Mehrere der größeren Minen mussten im vergangenen Jahr wegen verschiedenen Naturkatastrophen ihre Förderkapazität verringern. Dazu gehören etwa der Kamoa-Kakula-Komplex in der Demokratischen Republik Kongo und die Mine El Teniente in Chile. Darüber hinaus erlitt die zweitgrößte Mine der Welt (gelegen in Indonesien) einen Erdrutsch; eine Schließung war die Folge.
Tatsächlich befinden sich die größten Kapazitäten für die Kupferproduktion in nur wenigen Ländern. 50 Prozent des Kupferabbaus entfallen auf Chile, die Demokratische Republik Kongo und Peru. Diese drei Länder produzieren zwar viel, müssen aber einen großen Teil der abgebauten Menge zur Weiterverarbeitung in andere Länder schicken.
Hier kommt China ins Spiel. Daten des Forschungsinstituts US Geological Survey zufolge verfügt China über die achtgrößten Kupferreserven der Welt und kontrolliert mehr als 40 Prozent der globalen Produktion für verarbeitetes Kupfer. Das Land hatte bereits im Sommer 2025 gewarnt, dass es etwas gegen die Überkapazitäten unternehmen werde. Dieser Schritt wiederum verknappt das Angebot auf dem Markt.
Kein Kupfer mehr? Wie ernst die Lage wirklich ist
All das hat dazu geführt, dass Experten deutliche Warnungen über die Kupferversorgung aussprechen. Das Handelsblatt zitiert dazu einen Strategen der Bank of America mit den Worten „Außerhalb der USA ist fast kein Kupfer mehr da.“
Ulrich Stephan, Chefanlagestrategie Privatkunden Deutschland bei der Deutschen Bank, hält das für „etwas überspitzt“, stimmt aber im Grunde zu. Gegenüber FOCUS online gab er an, dass zwar immer mehr Kupfer recycelt werde, das aber nicht ausreiche, um die Nachfrage zu decken. „Die einzige Alternative, um die Mangellage zu entlasten ist daher, mehr Kupfer zu fördern.“
Das erinnert an eine ähnliche Problematik bei den sogenannten Seltenerdmetallen. Auch dort steht der Markt unter Druck, allerdings ist es China, das ihn leerkauft. Genau wie mit Kupfer versucht sich Europa daran, mit Recycling für Entlastungen zu sorgen, aber die Menge von recyclingfähigem Material ist bei Weitem nicht groß genug.
Chancen für Anleger: Mittelfristig steigt Kupfer-Nachfrage
Was heißt das für die Börse und für Investoren? Stephan verweist hier auf die stark gestiegenen Kupferpreise nach der Stilllegung der zweitgrößten Mine und nach den Sorgen um die Trump-Zölle auf Kupfer. „An der amerikanischen Comex stieg der 1st HG Future im vergangenen Jahr unter teils extremen Schwankungen um 42 Prozent. Der Future-Preis stieg zunächst kräftig an, um Anfang August um fast 30 Prozent auf das Niveau der Londoner Preise zuzufallen.“ Danach hatten sich die Preise in Chicago und London fast parallel entwickelt.
Die Preissteigerungen seien für ein Industriemetall ungewöhnlich kräftig, erklärt der Experte. Der Markt erscheine „aktuell etwas heiß gelaufen und möglicherweise überkauft“. Anlegern rät er, einen kühlen Kopf zu bewahren und mögliche Korrekturphasen zum Einstieg zu nutzen. Bei verschiedenen Anlageoptionen seien jedoch unterschiedliche Risiken zu beachten.
Mittelfristig sieht er einen weiteren Anstieg bei der Kupfer-Nachfrage. Die kurzfristigen Aussichten seien vor allem wegen einer schwächeren Nachfrage aus China getrübt. Langfristig wiederum stehe ein robustes Wachstum der globalen Kupfernachfrage bevor. Angetrieben werde dieser Trend von der Energiewende. Gerade Elektroautos benötigen jede Menge Kupfer; teilweise dreimal mehr Kupfer als Benziner oder Dieselfahrzeuge.
So geht es mit Trump weiter
Mitte 2026 will Trump prüfen, ob er die Zölle am Ende doch noch ausweiten und raffiniertes Kupfer einschließen wird. Sollte dies jedoch nicht passieren, könnte es laut Stephan zu einem möglichen kräftigen Abbau der Lagerbestände innerhalb der USA kommen. Das wiederum könnte die Preise einbrechen lassen. In der zweiten Jahreshälfte könnten außerdem die aktuell eingeschränkt arbeitenden Minen wieder mehr produzieren, was ebenfalls den Preis drücken würde.
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16 Kommentare
Der Erdrutsch in der zweitgrößten Kupfermine der Welt in Indonesien und die daraus resultierende Schließung sind ein deutliches Zeichen dafür, dass Naturkatastrophen die Kupferproduktion erheblich beeinträchtigen können. Wie werden diese Ausfälle kompensiert?
China kontrolliert über 40 Prozent der globalen Produktion für verarbeitetes Kupfer und hat vor Überkapazitäten gewarnt. Das klingt nach einer strategischen Positionierung, um den Markt zu beeinflussen.
Ich frage mich, ob die Anlegerchancen, die im Artikel erwähnt werden, für Privatanleger überhaupt zugänglich sind oder hauptsächlich institutionellen Investoren vorbehalten sind.
Die Aussage, dass die Kupferimporte in etwa das Niveau vom Mai 2025 erreicht haben sollen, ist alarmierend, wenn man bedenkt, dass das noch in der Zukunft liegt und auf eine massive aktuelle Nachfrage hindeutet. Wie nachhaltig ist dieser Trend?
Das ist eine gute Frage. Die Daten von Kpler scheinen aber darauf zu schließen, dass die Sorge vor zukünftigen Zöllen die Importe stark beeinflusst.
Ich bin gespannt, wie sich die Situation weiterentwickelt, insbesondere im Hinblick auf Chinas Reaktion auf die Überkapazitäten und mögliche weitere Zölle von Trump.
Es ist interessant, dass der Artikel die US Geological Survey als Quelle für die chinesischen Kupferreserven nennt. Das unterstreicht die Bedeutung verlässlicher Daten in solchen Analysen.
Wenn die Importe tatsächlich auf das Niveau von Mai 2025 steigen, wie im Artikel beschrieben, deutet das auf eine massive Vorratshaltung hin, die die Preise weiter nach oben treiben könnte.
Die Kombination aus Trumps Zollpolitik, Naturkatastrophen und Chinas Marktposition scheint tatsächlich ein ‚perfekter Sturm‘ für den Kupfermarkt zu sein, wie der Titel andeutet. Eine wirklich prekäre Situation.
Die Ankündigung von Trump, Zölle von 25 bis 50 Prozent auf verarbeitete Kupferimporte zu erheben, scheint der initiale Auslöser für den aktuellen Anstieg der Kupferpreise gewesen zu sein – ein bemerkenswertes Beispiel für geopolitischen Einfluss auf Rohstoffmärkte.
Genau, und die Tatsache, dass er dann teilweise davon abrückte, führte ja nur zu weiterer Unsicherheit und Spekulation, was die Volatilität noch verstärkte.
Es ist beunruhigend zu sehen, wie stark die Kupferversorgung von nur drei Ländern – Chile, Demokratische Republik Kongo und Peru – abhängt, die zusammen 50 Prozent des Abbaus decken. Das macht den Markt anfällig für Störungen.
Die Strategen der Bank of America warnen vor Problemen in der Kupferversorgung. Das ist ein starkes Signal, dass die Situation ernst zu nehmen ist und nicht nur eine kurzfristige Marktbewegung ist.
Die Tatsache, dass die Minen Kamoa-Kakula und El Teniente ihre Förderkapazität reduzieren mussten, verstärkt die ohnehin schon angespannte Lage am Kupfermarkt deutlich.
Die Abhängigkeit von wenigen Ländern für die Kupferproduktion birgt ein erhebliches Risiko. Diversifizierung der Lieferketten sollte dringend in Betracht gezogen werden.
Ein Preisanstieg von 13,9 Prozent zwischen dem 28. November und dem 2. Januar ist enorm. Das deutet auf eine sehr starke und schnelle Reaktion des Marktes auf die genannten Faktoren hin.