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Erst Drohung, dann Rückzug: Anleger kennen das Trump-Muster. Im Iran-Konflikt zeigt sich erneut, warum TACO-Trades noch funktionieren.
Am Anfang steht oft ein Post, eine Drohung, ein Ultimatum. Es sind oft nur wenige Sätze. Und doch bewegen sie Milliarden. Am Montag reicht eine politische Kehrtwende von Donald Trump, um die Richtung der Märkte komplett zu drehen. Ein klassischer „TACO“-Moment.
Den Begriff hat Robert Armstrong, Kolumnist der „Financial Times“, geprägt. TACO steht für „Trump Always Chickens Out“, zu Deutsch etwa „Trump zieht immer den Schwanz ein“. Dahinter steckt die Beobachtung, dass der Präsident bei kontroversen Vorhaben zurückrudert, wenn der ökonomische Druck zu groß wird.
Jüngster TACO-Trade: Das Iran-Ultimatum
Die jüngste Episode passt perfekt in dieses Muster. Zunächst eskaliert die Lage: Ultimatum an den Iran, Drohungen gegen Energieanlagen, Angst vor einer Blockade der Straße von Hormus. Der Dax fällt zeitweise unter 22.000 Punkte, auch die Futures auf den S&P 500 geraten unter Druck. Öl steigt, Risikoaversion dominiert.
Dann die plötzliche Wende Trumps. Er verschiebt sein Ultimatum um fünf Tage, spricht von diplomatischen Fortschritten. Innerhalb kürzester Zeit springt der Dax um mehr als 1000 Punkte nach oben. Auch die US-Futures drehen ins Plus. Öl fällt, Aktien steigen.
Trump bestätigt dieses Muster immer wieder: Fallen die Aktienmärkte deutlich, geraten die Altersvorsorgedepots vieler Amerikaner unter Druck – ein politisch sensibles Signal für den US-Präsidenten. Steigen umgekehrt die Ölpreise kräftig, wächst der Unmut über teuren Kraftstoff und höhere Inflation.
In beiden Fällen, so die TACO-Logik, wird aus politischer Härte schnell wirtschaftlicher Gegenwind und aus Eskalation am Ende doch wieder Deeskalation.
Wie stark dieser Mechanismus inzwischen wirkt, zeigt auch ein Indikator der Deutschen Bank. Demnach hat der ökonomische und politische Druck auf die US-Regierung zuletzt den höchsten Stand seit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit erreicht.
Deutsche Bank
Auffällig: Immer dann, wenn dieser Druck spürbar zunimmt, folgen politische Signale der Entspannung.
Ein Muster, das Anleger kennen sollten
Neu ist das Muster nicht. Schon im Frühjahr 2025, als Trump mit harten Zolldrohungen die Märkte erschreckte und später verbal abrüstete, bekam die Strategie ihren Namen. Seine Dramaturgie ist mittlerweile bekannt:
- Phase: maximale Eskalation
- Phase: Marktstress (Aktien runter, Öl rauf, Zinsen hoch)
- Phase: verbale oder reale Entspannung
- Phase: kräftige Gegenbewegung
Was als Beobachtung begann, ist heute für viele Investoren ein erprobter Handelsansatz. Seit seinem Amtsantritt drehen einzelne Aussagen Trumps regelmäßig die Märkte: erst Verunsicherung, dann Beruhigung, dann Rally.
Im Iran-Konflikt ließ sich dieses Muster mehrfach beobachten:
- 27. Februar 2026
Zuspitzung im Iran-Konflikt, Evakuierungsempfehlungen mehrerer Länder. Märkte preisen steigendes Kriegsrisiko ein, Öl zieht an.
- 2. März 2026
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth signalisiert, der Krieg werde „nicht endlos“ dauern. Erste Beruhigung, Aktien stabilisieren sich.
- 3. März 2026
Ernüchterung über mögliche Dauer des Konflikts. Aktien rutschen zum Handelsstart deutlich ab.
- 9. März 2026
Trump relativiert hohe Ölpreise („ein sehr kleiner Preis“) und signalisiert später, der Krieg sei „fast“ beendet. Öl fällt, S&P 500 dreht deutlich ins Plus.
- 23. März 2026
Trump verschiebt sein Iran-Ultimatum überraschend um fünf Tage. Dax springt zeitweise um mehr als 1000 Punkte, Ölpreise geben nach.
Warum TACO-Trades (noch) funktionieren
Professionelle Investoren schauen längst nicht mehr nur auf Notenbanken, Konjunkturdaten oder Unternehmenszahlen. Sie schauen auf Truth Social.
Wer diese Kette schnell genug mitdenkt, kann profitieren: etwa indem er nach einer Eskalationsdrohung in fallende Aktien hinein kauft oder auf sinkendes Öl setzt, sobald die Sprache aus dem Weißen Haus weicher wird.
Entscheidend ist dabei weniger die einzelne Nachricht als das Vertrauen in das Muster aus Übertreibung und anschließender Gegenbewegung. Der TACO-Trade ist damit weniger eine klassische Fundamentalanalyse als eine Wette auf politische Reiz-Reaktions-Muster.
Der Dax-Sprung am Montag zeigte, wie extrem diese Bewegungen sein können. Über 1000 Punkte innerhalb kurzer Zeit sind selbst für volatile Phasen ungewöhnlich.
Wendepunkt für den TACO-Trade
Doch genau hier beginnt das Problem. Je mehr Anleger das Muster gleichzeitig spielen, desto schneller und enger werden die Bewegungen – und desto teurer werden Fehlinterpretationen.
Gleichzeitig steigt der ökonomische Druck: Höhere Zinsen, steigende Inflationserwartungen und volatile Märkte erhöhen die Kosten politischer Eskalation. Für einen hoch verschuldeten Staat wie die USA wird das schnell zur Belastung – und genau daraus speist sich der TACO-Mechanismus.
Ob er weiter greift, ist jedoch offen. Nicht jede Eskalation lässt sich politisch zurückdrehen, gerade geopolitische Konflikte entziehen sich der direkten Kontrolle.
Entscheidend ist daher eine klare Frage: Reicht der ökonomische Druck – etwa über Zinsen und Energiepreise – aus, um Trump zum Einlenken zu bewegen? Davon hängt ab, ob Rücksetzer weiter Kaufgelegenheiten bleiben oder der TACO-Trade an seine Grenzen stößt.
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6 Kommentare
I’ve been following this closely. Good to see the latest updates.
Good point. Watching closely.
Solid analysis. Will be watching this space.
Interesting update on Trumps TACO-Muster sollten Anleger unbedingt kennen. Looking forward to seeing how this develops.
Great insights on News. Thanks for sharing!
This is very helpful information. Appreciate the detailed analysis.