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Ralph Dommermuth, Gründer und Chef von United Internet, gibt sich dabei schonungslos. Im Handelsblatt-Interview zeichnet er das Bild eines Kontinents, der sich in einer trügerischen Souveränitätsdebatte eingerichtet hat.
Dommermuths zentrale Botschaft ist ernüchternd. „Es ist nahezu unmöglich, den US-Vorsprung aufzuholen“, sagt er. Europa habe den entscheidenden Moment verpasst, digitale Ökosysteme globaler Reichweite zu schaffen. Während amerikanische Konzerne früh skalierten und ihre Marktmacht ausbauten, sei der europäische Markt fragmentiert geblieben, Risikokapital knapp und der Wille zur großen Wette begrenzt. China habe nur deshalb aufholen können, weil es seinen Markt vor rund 20 Jahren abschottete. Für Europa sei dieser Weg heute versperrt.
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20 Kommentare
Die Konzentration auf den US-Vorsprung lenkt vielleicht von internen europäischen Problemen ab. Müssen wir nicht zuerst unsere eigene Hausordnung in Ordnung bringen?
Ich bin gespannt, welche konkreten Maßnahmen Dommermuth vorschlagen würde, um die Situation in Europa zu verbessern, wenn er schon sagt, dass Aufholen ’nahezu unmöglich‘ ist.
Wenn es wirklich ’nahezu unmöglich‘ ist, den US-Vorsprung aufzuholen, wie sieht Dommermuth dann die Zukunft von United Internet und anderen europäischen Technologieunternehmen?
Dommermuths Analyse ist hart, aber notwendig. Es ist besser, die Realität zu erkennen, als sich in Illusionen zu verlieren und falsche Strategien zu verfolgen.
Es ist bezeichnend, dass selbst ein Branchenführer wie Dommermuth die Chancen für eine europäische Gegenbewegung so gering einschätzt; das deutet auf tiefgreifende strukturelle Schwierigkeiten hin.
Ich finde es gut, dass Dommermuth so offen über die Probleme spricht. Das ist ein wichtiger Schritt, um überhaupt eine Lösung zu finden.
Ich frage mich, ob die ‚trügerische Souveränitätsdebatte‘, von der Dommermuth spricht, nicht auch eine Folge davon ist, dass Europa sich seiner digitalen Abhängigkeit bewusst wird.
Wenn China seinen Markt vor 20 Jahren abschotten konnte, warum hat Europa das nicht getan? Waren die politischen Rahmenbedingungen damals schon anders?
Die Knappheit an Risikokapital in Europa, die Dommermuth erwähnt, ist ein Teufelskreis: Ohne Kapital entstehen keine globalen Player, und ohne globale Player kommt kein Kapital.
Das stimmt leider. Vielleicht braucht es mehr staatliche Förderprogramme, die gezielt in vielversprechende Start-ups investieren.
Es ist frustrierend zu hören, dass Europa den ‚entscheidenden Moment‘ verpasst hat. Gibt es überhaupt noch Bereiche, in denen wir eine führende Rolle übernehmen können?
Die fehlende Skalierung europäischer Unternehmen ist ein Problem, das sich auch in anderen Branchen zeigt. Gibt es da vielleicht gemeinsame Ursachen?
Wie bewertet Dommermuth die Rolle der Regulierung in Europa? Scheint es, dass zu strenge Regeln die Entwicklung eigener Ökosysteme behindern?
Die Aussage, dass der ‚Wille zur großen Wette‘ in Europa begrenzt sei, trifft den Nagel auf den Kopf. Amerikanische Investoren sind oft risikobereiter.
Es ist bedenklich, dass Europa laut Dommermuth nicht in der Lage ist, eigene digitale Giganten zu schaffen. Das hat langfristige Auswirkungen auf unsere wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit.
Die Analyse von Dommermuth unterstreicht die Notwendigkeit einer stärkeren europäischen Zusammenarbeit im digitalen Bereich, um überhaupt konkurrenzfähig zu bleiben.
Absolut. Eine gemeinsame europäische Strategie ist unerlässlich, um nicht komplett von den USA und China abhängig zu werden.
Die Betonung auf die frühe Skalierung amerikanischer Konzerne ist wichtig. Europa scheint oft zu lange an einzelnen nationalen Märkten zu verharren, bevor es international durchstartet.
Die Aussage, dass China nur durch Abschottung aufholen konnte, wirft die Frage auf, ob Europa nicht zumindest selektive Schutzmaßnahmen für strategische Bereiche hätte ergreifen sollen, um eigene Champions zu fördern.
Dommermuths Einschätzung, dass Europa den Anschluss in Sachen digitaler Ökosysteme verpasst hat, ist alarmierend, aber leider nachvollziehbar – die Fragmentierung des europäischen Marktes ist ein echtes Problem.