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Obwohl die Gruppen schon lange aktiv sind und große Schäden anrichten, wissen die Verfassungsschutzbehörden und die Polizei wenig über sie. Der Berliner Verfassungsschutz ordnet sie dem gewaltorientierten, anarchistischen Spektrum der linksextremistischen Szene zu.
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Die Texte der Bekennerschreiben würden sich in Aufbau, Stil und inhaltlichen Aussagen so ähneln, dass man von einem (teil-)identischen Autorenkreis ausgehe. Auch ein Strategiepapier aus dem Jahr 2015 deute auf eine feste Struktur hin. Zugleich gesteht der Verfassungsschutz ein: „Personenpotenzial in Berlin: nicht bekannt“.
Wechselnde Namen mit Vulkanbezug
In Bekennerschreiben würden meist wechselnde Namen, die sich auf isländische Vulkane wie Grimsvötn, Katla oder Ok beziehen, verwendet. Hintergrund sei vermutlich der Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull 2010, der den Flugverkehr in Europa wochenlang störte.
Als Ziel wählten die „Vulkangruppen“ meist Kabelschächte an Bahnlinien, Funkmasten, Datenleitungen und Firmenfahrzeuge. Die Sabotageakte sollten die Verwundbarkeit der Mobilitäts- und Kommunikationsinfrastruktur zeigen, die öffentliche Ordnung stören und großen Sachschaden anrichten.
Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU) sagte 2024 über eine Tätergruppe: „Sie sitzt offensichtlich in Berlin und agiert von dort aus bundesweit, möglicherweise international.“ Linksextreme Aktivitäten in Brandenburg würden „nahezu immer aus Berlin gesteuert“.
Wie viele Anschläge verübten die Gruppen?
Die genaue Zahl der Anschläge der „Vulkangruppen“ ist nicht bekannt. 2024 hieß es, den Sicherheitsbehörden seien bislang elf strafbare Tatkomplexe bekannt, zu denen sich die Gruppe seit 2011 bekannt hätten. Später kamen weitere hinzu.
Am 23. Mai 2011 brannte eine Kabelbrücke am Berliner Bahnhof Ostkreuz. Es kommt zu großen Störungen im Bahnverkehr. In einem Bekennerschreiben benennen sich die Täter nach dem isländischen Vulkan: „Das Grollen des Eyjafjallajökull“.
Im März 2018 verübte laut Bekennerschreiben eine „Vulkangruppe“ in Berlin-Charlottenburg einen Brandanschlag auf Starkstromleitungen. Etwa 6.500 Wohnungen und 400 Firmen waren stundenlang ohne Strom. Der Sachschaden ging in die Millionen.
Verdacht auf Anschlag auf Tesla
2021 stehen die „Vulkangruppen“ im Verdacht, einen Brandanschlag auf die Stromversorgung der Tesla-Baustelle verübt zu haben. Stromkabel brannten in einem Wald etwa 500 Meter von dem Werk des Autokonzerns entfernt. Zudem gab es in dem Jahr Anschläge auf Kabelschächte.
Am 5. März 2024 legte eine entsprechende Gruppe Feuer an einen großen Strommast, der auch für die Versorgung der Tesla-Fabrik nötig war. Die Produktion wurde durch die Sabotage tagelang gestoppt. Die Bundesanwaltschaft übernahm die Ermittlungen wegen Terrorismus-Verdacht. Das Bundeskriminalamt ermittelte auch wegen verfassungsfeindlicher Sabotage.
Am 1. Mai 2025 bekannte sich die Gruppe zu einem Brandanschlag an einem Trafohäuschen und einer Funkmastanlage in Berlin-Dahlem. Die Polizei hielt den Bekennertext für echt. In dem Schreiben hieß es: „Villenviertel lahmlegen. (…) Wir können uns diese Reichen nicht mehr leisten.“
Ob weitere Brandanschläge etwa im Februar 2025 auf einen Kabelschacht der Bahn mit Bezug zu Tesla und im September 2025 auf die Stromversorgung des Berliner Technologieparks Adlershof und Zehntausende Haushalte auch im Zusammenhang mit den „Vulkangruppen“ stehen, ist unklar. Politische Ähnlichkeiten gibt es aber: Das linksextremistische Bekennerschreiben im September war unterschrieben mit: „Einige Anarchist:innen“./rab/DP/zb
Quelle: dpa-AFX
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16 Kommentare
Die wiederholte Verwendung von Vulkanbezogenen Namen in den Bekennerschreiben lässt auf eine gezielte Symbolik schließen. Ist diese Symbolik innerhalb der linksextremen Szene allgemein verständlich?
Der Brandanschlag auf Starkstromleitungen im März 2018, der 6.500 Haushalte und 400 Firmen ohne Strom ließ, ist ein beachtlicher Sachschaden. Wie hoch war der Schaden genau?
Die Aussage, dass die Täter ‚offensichtlich in Berlin‘ sitzen, wirft doch die Frage auf, warum die Berliner Behörden bisher so wenig Erfolg bei der Identifizierung hatten. Gibt es möglicherweise interne Schwierigkeiten?
Die Tatsache, dass die ‚Vulkangruppen‘ seit 2011 aktiv sind und die Behörden so wenig über ihr ‚Personenpotenzial‘ wissen, ist beunruhigend. Wie konnten sie so lange unentdeckt bleiben und agieren?
Es ist doch paradox, dass die Gruppe sich nach isländischen Vulkanen benennt, obwohl der Ausbruch des Eyjafjallajökull 2010 den Flugverkehr lahmlegte – eine Form der Mobilität, die sie scheinbar kritisieren. Was ist die genaue Botschaft dahinter?
Wenn die Gruppen versuchen, öffentliche Ordnung zu stören und Sachschaden anzurichten, ist das nicht nur kriminell, sondern auch eine Gefahr für die Bürger. Wie wird die Bevölkerung vor solchen Aktionen geschützt?
Die Polizei hat die Präsenz in kritischen Infrastrukturbereichen erhöht. Präventive Maßnahmen sind entscheidend, um die Sicherheit zu gewährleisten.
Elf strafbare Tatkomplexe seit 2011 sind bekannt, aber die genaue Anzahl der Anschläge ist ’nicht bekannt‘. Warum ist diese Zahl so schwer zu ermitteln, und welche Anstrengungen werden unternommen, um das herauszufinden?
Es ist besorgniserregend, dass die Sabotageakte die Verwundbarkeit der Infrastruktur zeigen sollen. Welche konkreten Maßnahmen werden ergriffen, um diese Schwachstellen zu beheben und zukünftige Angriffe zu verhindern?
Die Tatsache, dass die Bekennerschreiben sich in Aufbau, Stil und Inhalt ähneln, deutet stark auf einen kleinen, fokussierten Autorenkreis hin. Könnte die Analyse dieser Texte Hinweise auf die Identität der Täter liefern?
Das ist ein sehr guter Punkt. Linguistische Analysen könnten tatsächlich wertvolle Erkenntnisse liefern, da die Autoren wahrscheinlich bestimmte sprachliche Muster verwenden.
Der Vorfall am Bahnhof Ostkreuz im Mai 2011, bei dem eine Kabelbrücke brannte, zeigt die konkreten Auswirkungen ihrer Aktionen auf den öffentlichen Nahverkehr. Solche Störungen treffen doch unzählige Pendler.
Das Strategiepapier aus dem Jahr 2015 deutet auf eine langfristige Planung hin, was die ‚Vulkangruppen‘ umso gefährlicher macht. Was enthielt dieses Papier konkret?
Laut Innenminister Stübgen werden linksextreme Aktivitäten in Brandenburg ’nahezu immer aus Berlin gesteuert‘. Das deutet auf eine zentrale Koordinierung hin, aber warum gerade Berlin als Operationsbasis?
Mich wundert, dass der Verfassungsschutz die Gruppe dem ‚gewaltorientierten, anarchistischen Spektrum‘ zuordnet, aber gleichzeitig von einer ‚festen Struktur‘ spricht. Das klingt nach einer gewissen Organisation – passen anarchistische Ideale wirklich dazu?
Der Verdacht eines Anschlags auf die Tesla-Baustelle im Jahr 2021 deutet darauf hin, dass die ‚Vulkangruppen‘ auch moderne Industrien ins Visier nehmen. Welche Motive könnten dahinterstehen?