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Finanzexperte Daniel Walther zeigt, welche Eigenschaften Geld stabil machen und warum viele Währungen heute versagen.
Jeder glaubt, eine Vorstellung davon zu haben, was Geld ist. Doch es lohnt sich, tiefer in die Materie einzutauchen und sich mit den verschiedenen Eigenschaften von Geld auseinanderzusetzen.
Denn es gibt gutes Geld, schlechtes Geld und vieles dazwischen. Die Frage ist nur, wer das beurteilt und darüber hinaus, wer es beurteilen sollte.
Dr. Daniel Walther ist Finanzexperte mit 30 Jahren Erfahrung in Vermögensanlage, -verwaltung und Vertriebssteuerung. Er schreibt Kolumnen für FAZ und das Deutsche Institut für Altersvorsorge und ist Gründer der Finanz-App Vermögensheld. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.
Zunächst einmal kann alles Geld sein, was ein anerkanntes Tauschmittel ist. Ob Steine, Muscheln, Goldstücke, Diamanten oder Papier, alles kann dazu verwendet werden. Je besser das Geld zu teilen ist, desto einfacher kann es eingesetzt werden. Das ist bei allen genannten Tauschmitteln problematisch, bei elektronischem Geld hingegen besonders einfach.
Unabhängig davon ist die Voraussetzung zur Nutzung als Geld, dass es von möglichst vielen Menschen akzeptiert wird. Denn die eine Partei gibt Waren und erhält dafür Geld, während die andere Partei Waren für ihr Geld bekommt.
Daraus folgt, dass Vertrauen in Geld, also beispielsweise der Schutz vor Fälschung, wichtig ist. Gold ist schwer zu fälschen, Papier etwas leichter und elektronische Daten setzen eine Infrastruktur voraus, mit der die Echtheit überprüft werden kann.
Tauschmittel, Wertmaßstab und Fälschungssicherheit
Je einfacher, das heißt schneller und sicherer, die Echtheitsprüfung beim Tausch durchgeführt werden kann, desto besser. Beide Tauschpartner vertrauen außerdem darauf, dass das Geld seinen Wert behält. Je größer der Wertverlust zwischen Erhalt und erneuter Ausgabe ist, desto schlechter ist das Geld.
Geld kann außerdem als Wertmaßstab genutzt werden, für Gegenstände und zur Kommunikation zwischen Produzenten, die festsetzen, zu welchen Preisen sie ihre Produkte abgeben wollen, und Konsumenten, die kaufen, wenn die Produkte, ihrer Einschätzung nach, den nötigen Wert haben.
Generell muss jedes Geld auf seine Eignung untersucht werden, die einzelnen Eigenschaften zu erfüllen. Gold zum Beispiel hat über die letzten rund 5000 Jahre bewiesen, dass es seinen Wert behält und als Wertmaßstab geeignet ist. Aber als Tauschmittel nur bedingt, weil es zu wertvoll ist und selbst ein Gramm, bei einem heutigen Preis von weit über 100 Euro, teuer ist. Silber wäre mit einem Preis von rund zwei Euro pro Gramm schon besser geeignet, aber bei beiden ist die Echtheit in der Praxis nur schwer zu überprüfen.
Währungen sind nicht wertstabil
Die Währungen verschiedener Länder eignen sich dagegen hervorragend zum Bezahlen, zumal mit der Stückelung in Münzen und Scheine für jeden Betrag eine passende Aufteilung möglich ist. Auch als Kommunikationsmittel sind Währungen bestens geeignet.
Lediglich beim Vertrauen hapert es etwas. Zum einen ist der Wertmaßstab allenfalls über kurze Zeiträume gegeben, weil 100 Euro nach zehn oder gar 50 Jahren nicht mehr den gleichen Wert haben. Zum anderen ist auch die Möglichkeit der Staaten jederzeit neues Geld herstellen zu können problematisch. Der Preis zur Herstellung einer Münze oder eines Geldscheins liegt in der Regel (deutlich) unter dem Wert, so dass der Staat einfach Geld herstellen und damit Güter kaufen kann.
Die Kopplung einer Währung an Gold führt damit zu einer hervorragenden Symbiose. Die Nachteile von Gold als Tauschmittel werden durch den Ersatz durch eine Währung ausgeglichen, während der Nachteil des Wertverlustes der Währung durch die jederzeitige Eintauschbarkeit in das nur begrenzt verfügbare Gold eingeschränkt wird.
Digitale Währungen wie Bitcoin sind kein Geld
Eine weitere Möglichkeit wären rein digitale Währungen wie Bitcoin. Der ist zum Tauschen perfekt geeignet, weil beliebig kleine Teile gehandelt werden können. Aber schon der Wertmaßstab ist nicht gegeben, weil der Wert zu stark schwankt. Deshalb eignet sich Bitcoin auch nicht als Kommunikationsmittel.
Ähnlich schwer ist es auch Vertrauen aufzubauen. In der kurzen Zeit seit der ersten „Prägung“ vor weniger als 15 Jahren ist der Wert zwar von wenigen Cent zwischenzeitlich auf über 100.000 Dollar gestiegen, aber er kann in der Zukunft sowohl auf null fallen als auch auf 200.000 Dollar steigen.
Als Fazit bleibt festzuhalten, dass alle verfügbaren Währungen kein „gutes“ Geld sind, weil deren Wert nicht stabil ist. Größere Beträge sollten nicht auf Konten in einer Währung aufbewahrt werden, weil die mit der Zeit an Wert verliert. Hier bieten sich Investitionen zur Aufbewahrung an, oder zumindest für einen Teil des Vermögens Gold. Bleibt nur zu hoffen, dass eines Tages gutes Geld entsteht, das den Bürger schützt und ihm gleichzeitig maximale Freiheit gewährt.
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15 Kommentare
Ich finde es sehr schlüssig, dass Dr. Walther die Fälschungssicherheit als wichtigen Aspekt von Geld hervorhebt. Gold ist da natürlich im Vorteil, aber wie bewerten Sie die Sicherheit moderner digitaler Währungen im Vergleich zu traditionellen Banknoten?
Es ist einleuchtend, dass die Teilbarkeit von Geld wichtig ist, besonders bei elektronischem Geld. Aber birgt diese einfache Teilbarkeit nicht auch die Gefahr von Überkonsum und Verschuldung, da kleine Beträge so leicht ausgegeben werden können?
Die Tatsache, dass Gold über 5000 Jahre seinen Wert bewahrt hat, ist beeindruckend. Aber ist diese historische Stabilität in der heutigen, sich schnell verändernden Welt noch relevant und ein verlässlicher Indikator für zukünftige Wertentwicklung?
Das ist eine gute Frage. Die globale Vernetzung und die Geschwindigkeit des Kapitalverkehrs sind heute ganz anders als noch vor 5000 Jahren. Ob Gold weiterhin so stabil bleibt, ist also durchaus ungewiss.
Die Unterscheidung zwischen ‚gutem‘, ’schlechtem‘ und ‚dazwischen‘-Geld ist ein interessanter Ansatz. Wer sollte Ihrer Meinung nach diese Beurteilung vornehmen, um Objektivität zu gewährleisten und Manipulationen zu vermeiden?
Der Artikel betont, dass alles als Geld dienen kann, solange es als Tauschmittel akzeptiert wird – selbst Steine oder Muscheln. Finden Sie nicht, dass die aktuelle Entwicklung von Kryptowährungen, trotz aller Volatilität, ein weiterer Beweis für diese grundlegende Definition ist?
Der Artikel erklärt, dass Geld als Wertmaßstab dient. Aber wie beurteilt man den Wert von immateriellen Gütern oder Dienstleistungen, die immer wichtiger werden, mit traditionellen Wertmaßstäben wie Gold oder Währungen?
Der Artikel erwähnt die Notwendigkeit einer Infrastruktur zur Echtheitsprüfung bei elektronischem Geld. Wie sicher sind diese Infrastrukturen wirklich gegen Hackerangriffe und Manipulationen, und welche Auswirkungen hätte ein erfolgreicher Angriff?
Die Sicherheit der Infrastruktur ist ein ständiges Wettrennen zwischen Entwicklern und Hackern. Ein erfolgreicher Angriff könnte das Vertrauen in die digitale Währung massiv untergraben.
Ich stimme zu, dass Vertrauen in Geld essentiell ist. Aber wie kann dieses Vertrauen in einer Zeit, in der Regierungen und Zentralbanken ständig in die Währung eingreifen, aufrechterhalten werden? Das scheint mir ein großes Problem zu sein.
Die 30 Jahre Erfahrung von Daniel Walther im Finanzbereich verleihen seinen Aussagen Gewicht. Mich würde interessieren, welche konkreten historischen Beispiele er für das Versagen von Währungen anführen würde, abgesehen von der allgemeinen Inflation.
Die Aussage, dass Währungen nicht wertstabil sind, ist angesichts der Inflation in vielen Ländern sehr treffend. Könnte man argumentieren, dass die Zentralbankpolitik in den letzten Jahren diese Instabilität sogar verstärkt hat?
Ich finde es gut, dass der Artikel Bitcoin direkt als ‚keine Lösung‘ bezeichnet. Viele Investoren sehen Bitcoin als digitales Gold, aber Dr. Walther scheint hier eine deutlich kritischere Position einzunehmen. Was sind die Hauptgründe für seine Skepsis?
Der Vergleich zwischen Gold und Silber hinsichtlich ihrer Eignung als Tauschmittel ist interessant. Dass ein Gramm Gold mit über 100 Euro heute zu teuer für alltägliche Transaktionen ist, stimmt natürlich. Aber ist Silber wirklich eine praktikable Alternative?
Ich bin gespannt, wie sich die Rolle von Gold in einem zunehmend digitalisierten Finanzsystem entwickeln wird. Wird es weiterhin als sicherer Hafen gelten, oder wird seine Bedeutung abnehmen?