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USA und Israel greifen den Iran an, der Gegenschlag läuft. Was das für Ölpreis, Börse und Ihr Depot bedeutet – und welche Aktien Sie jetzt im Blick haben sollten.
Die Weltmärkte stehen vor einer harten Probe. Mit den koordinierten Militärschlägen der USA und Israels gegen iranische Ziele hat der Konflikt eine neue Stufe erreicht. Für Anleger gilt vor der Börseneröffnung am Montag: Ruhe bewahren, aber die Risiken kennen.
Die Marktreaktion: Schnell, heftig und noch nicht vorbei
Bereits am Freitag rutschten Dow Jones und Nasdaq ins Minus. Anleger flüchten in US-Staatsanleihen, die Renditen der zehnjährigen Papiere fielen unter vier Prozent. Dollar, Schweizer Franken und Yen legen zu. Das ist ein klassisches Krisenmuster, verstärkt durch einen steigenden Öl- und Goldpreis.
Was die Woche entscheidet
Erstens: Bleibt die Straße von Hormus länger geschlossen?
Das ist die alles entscheidende Frage. Laut der AFP gab die iranische Revolutionsgarde an, die Meerenge sei mit der Einstellung des Schiffsverkehrs „praktisch geschlossen“. Erste Ölkonzerne und Handelshäuser haben den Transport durch die Straße von Hormus bereits ausgesetzt. Das Problem dabei: Nahezu alle OPEC-Reservekapazitäten liegen geografisch im Persischen Golf. Saudi-Arabien, Irak, VAE, Kuwait – alles hinter diesem Nadelöhr.
Blockiert der Iran wie angekündigt dauerhaft die Wasserstraße, ist dieser Puffer auf dem Weltmarkt schlicht nicht verfügbar. Analysten halten einen Ölpreis über 100 Dollar dann für realistisch. Denn laut der AFP verfügten nur Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate über alternative Exportrouten über Pipelines für maximal rund 2,6 Millionen Barrel pro Tag
Zweitens: Wie weit geht der Iran noch?
Die Revolutionsgarden haben weitere Angriffe angekündigt und schwören Rache für den Tod Chameneis, den iranische Staatsmedien inzwischen bestätigt haben. Entscheidend ist, ob der Konflikt regional begrenzt bleibt oder außer Kontrolle gerät. Greifen Russland oder China ein, werden die bisherigen Ausschläge an den Märkten wie ein Vorgeplänkel wirken.
Drittens: Was passiert mit den Zinserwartungen?
Steigende Energiepreise bedeuten importierte Inflation. Fed-Futures und Anleiherenditen reagieren auf jeden neuen Eskalationsschritt sofort. Wer auf baldige Zinssenkungen gesetzt hat, muss diesen Optimismus gerade neu bewerten. Das gefährlichste Szenario: stagnierendes Wachstum bei gleichzeitig steigenden Preisen. Die Notenbanken handeln nicht diese Woche – aber die Markterwartungen an sie verschieben sich täglich.
Die Gewinner: Wer jetzt profitiert
Losgelöst von moralischen Bedenken reagieren Rüstungswerte wie Rheinmetall als Erste. Steigende Verteidigungshaushalte sind das direkteste Signal für Rüstungskonzerne. Hensoldt, Spezialist für militärische Sensorik und Radar, profitiert von der Nachfrage nach Luftabwehrsystemen. In den USA sind Lockheed Martin und Raytheon gesuchte Adressen.
Energiekonzerne gehören ebenfalls zu den Gewinnern. BP und Shell legten bereits am Freitag um knapp drei Prozent beziehungsweise knapp zwei Prozent zu. Das klingt nach wenig – könnte aber erst der Anfang sein. Energie ist derzeit der günstigste Sektor in Europa, mit erheblichem Kurspotenzial bei BP, ConocoPhillips und Exxon Mobil.
Gold bleibt der zentrale Depotanker. 22 Prozent Plus in 2026 – die Rally macht den Einstieg kurzfristig teuer, aber bleibt als Absicherung eine Option. Wer Goldminen wie Newmont hält, spürt zusätzlich den Hebel des steigenden Preises.
Defensive Werte wie Münchener Rück, Allianz oder Roche dürften stabil bleiben. Gesundheitsausgaben werden auch in Krisenzeiten nicht gestrichen.
Die Verlierer: Wer jetzt unter Druck steht
BASF ist das Paradebeispiel für die Verlierer dieser Krise. Öl und Erdgas sind für den Konzern nicht nur Energie, sondern zentraler Rohstoff. Steigen die Preise, explodieren die Produktionskosten. Weitergeben kann BASF das kaum – nicht bei einer schwächelnden Weltwirtschaft. Die Margen schrumpfen, das Risiko von Standortschließungen in Europa wächst.
VW und die gesamte Automobilindustrie treffen gleich drei Probleme auf einmal. Verbraucher schieben Großanschaffungen in unsicheren Zeiten auf. Gestörte Lieferketten am Persischen Golf verteuern Bauteile. Und steigende Spritpreise bremsen den Verbrenner-Absatz, während hohe Strompreise Elektroautos unattraktiver machen.
Lufthansa trifft der Kerosinanstieg am härtesten. Kerosin macht oft 25 bis 30 Prozent der Gesamtkosten einer Airline aus. Hinzu kommen teurere Umwege, wenn Krisengebiete gemieden werden müssen, und sinkende Buchungszahlen.
Was Sie jetzt tun sollten
Panikverkäufe am Montagmorgen sind erfahrungsgemäß die schlechteste Entscheidung. Geopolitische Krisen richten an den Kapitalmärkten nur dann dauerhaften Schaden an, wenn sie direkt auf Wachstum und Inflation durchschlagen. Ob das diesmal der Fall ist, hängt an einer einzigen Frage – der Straße von Hormus. Solange diese Frage offen ist, zählt Disziplin mehr als Dramatik. Wer jetzt handelt, sollte es strukturiert tun, nicht reflexhaft.
Prüfen Sie Stop-Loss-Marken bei volatilen Tech-Titeln. Wer BASF oder VW hält, stellt sich auf weitere Volatilität ein. Eine Beimischung von Rüstungswerten oder Energietiteln könnte als Gegengewicht dienen. Und wer noch kein Gold im Depot hat, sollte das zumindest prüfen.
Die Lage bleibt hochdynamisch. Ein kühler Kopf und Besonnenheit sind die einzigen Hebel, die Anleger selbst in der Hand haben.
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6 Kommentare
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