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Startseite»News»Weniger Zahler, mehr Geld? Das wäre eine mögliche Reform der Erbschaftsteuer
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Weniger Zahler, mehr Geld? Das wäre eine mögliche Reform der Erbschaftsteuer

Finanzen100Von Finanzen100vor 1 Monat18 Kommentare4.6k Aufrufe
Weniger Zahler, mehr Geld? Das wäre eine mögliche Reform der Erbschaftsteuer
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Erbschaftsteuer auf dem Prüfstand: Das DIW schlägt vor, Steuerprivilegien abzuschaffen, Freibeträge deutlich zu erhöhen und die Steuer zu vereinfachen. Trotz weniger Steuerzahler könnten Milliarden zusätzlich in die Staatskasse fließen.

Die Reformpläne der SPD haben die Debatte über die Erbschaftsteuer in Deutschland neu belebt. Nun meldet sich das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) mit einem weiteren Reformvorschlag zu Wort. In einer aktuellen Studie plädieren die Wissenschaftler für eine grundlegende Neugestaltung der Erbschaft- und Schenkungsteuer.

Nach Berechnungen des Instituts würde eine Kombination aus mehreren Maßnahmen zu zusätzlichen Staatseinnahmen von rund 2,3 Milliarden Euro führen. Dazu zählen der Wegfall besonderer steuerlicher Ausnahmen bei der Vererbung von Unternehmen, höhere Freibeträge über die gesamte Lebenszeit hinweg sowie ein einfacherer Steuertarif. Gleichzeitig würde sich die Zahl der Menschen, die überhaupt Erbschaftsteuer zahlen müssen, deutlich verringern.

Erbschaftssteuer: DIW-Vorschlag geht über SPD-Pläne hinaus

Die Berechnungen basieren auf mehr als 20 Reformmodellen, die der DIW-Steuerexperte Stefan Bach und sein Team im vergangenen Jahr für die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen erstellt haben. Der nun vorgestellte Ansatz geht laut dem Institut über den derzeit bekannten Reformvorschlag der SPD hinaus.

Auslöser der aktuellen Diskussion ist die verfassungsrechtliche Überprüfung der Erbschaftsteuer. Es gilt als wahrscheinlich, dass das Bundesverfassungsgericht die bestehenden Steuervergünstigungen für Unternehmensvermögen beanstandet. Diese Sonderregeln sollen eigentlich den Fortbestand von Betrieben sichern, stehen aber immer wieder in der Kritik.

Nach Berechnungen des DIW könnten allein durch den Wegfall dieser Privilegien Mehreinnahmen von rund 7,8 Milliarden Euro erzielt werden. Das entspräche etwa 65 Prozent des bisherigen Steueraufkommens aus der Erbschaftsteuer. Die zusätzliche Steuerlast würde dabei vor allem sehr große Vermögen betreffen, heißt es in der Studie.

Höhere Freibeträge, einfachere Tarife

Ein Teil dieser zusätzlichen Einnahmen soll nach dem Konzept des DIW wieder an die Steuerzahler zurückgegeben werden. Vorgeschlagen wird die Einführung sogenannter Lebensfreibeträge. Konkret könnten enge Verwandte über ihr gesamtes Leben hinweg bis zu einer Million Euro steuerfrei erben oder geschenkt bekommen.

Zugleich sollen die derzeit sieben Steuersätze der Erbschaftsteuer reduziert werden. Welche davon gilt, hängt davon ab, wie hoch das Erbe ist und in welchem Verwandtschaftsverhältnis Erbende und Erblasser stehen. Dieses System gilt als kompliziert und schwer nachvollziehbar.

Steuersätze von sieben auf vier verringern

Der Vorschlag des DIW sieht vor, diese sieben Steuersätze auf nur noch vier zu verringern. Das bedeutet: Es gäbe weniger unterschiedliche Steuerstufen, die Regeln würden übersichtlicher, und es wäre einfacher zu erkennen, wie viel Steuer auf ein Erbe anfällt.

Wichtig ist dabei: Große Erbschaften würden weiterhin höher besteuert als kleinere. Die Steuer würde also nicht abgeschafft oder pauschal gemacht, sondern vereinfacht, ohne den Grundsatz aufzugeben, dass leistungsfähigere Erben mehr zahlen. In dieser Kombination würde sich die Zahl der Steuerpflichtigen nach DIW-Angaben von derzeit rund 200.000 auf etwa 100.000 halbieren.

Auch ein einheitlicher Steuersatz für alle Erbschaften – eine sogenannte Flat Tax – wurde in den Berechnungen geprüft. Nach Angaben von Bach müsste ein solcher Steuersatz mindestens 15 Prozent betragen, um das heutige Steueraufkommen zu sichern, wenn die Freibeträge nicht erhöht würden.

Übergangsregeln für Unternehmen

Für die Vererbung von Unternehmen empfiehlt das DIW besondere Übergangsregelungen. Die anfallende Steuer könnte demnach über einen Zeitraum von 15 oder 20 Jahren gezahlt werden, sodass sie aus den laufenden Gewinnen der Betriebe finanziert werden kann. Zusätzlich regt das Institut an, weitere Lösungen zu prüfen, etwa eine Steuerzahlung, die vom wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens abhängt.

Ergänzend hält das DIW einen zusätzlichen Freibetrag für Unternehmensübertragungen sowie niedrigere Steuersätze für sinnvoll. Diese Erleichterungen sollen jedoch nicht für sehr große Erbschaften im dreistelligen Millionenbereich gelten.

Thomas Sabin

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18 Kommentare ansehen

18 Kommentare

  1. Emma Weber am Januar 24, 2026 11:20 a.m.

    Die Reduzierung der Steuersätze von sieben auf vier klingt zwar gut, aber es ist wichtig, dass die Gesamteinnahmen der Erbschaftsteuer nicht zu stark sinken.

    Antworten
  2. Lea Schneider am Januar 24, 2026 11:20 a.m.

    Die Studie basiert auf über 20 Reformmodellen – das zeigt, wie komplex das Thema Erbschaftsteuer ist. Hat das DIW auch Modelle berücksichtigt, die die Auswirkungen auf Stiftungen analysieren?

    Antworten
  3. Anna Becker am Januar 24, 2026 11:21 a.m.

    Ich bin skeptisch, ob der Wegfall der Sonderregeln für Unternehmensvermögen tatsächlich den Fortbestand von Betrieben gefährdet. Gibt es Beispiele aus anderen Ländern, wo ähnliche Regelungen erfolgreich umgesetzt wurden?

    Antworten
  4. Hans Becker am Januar 24, 2026 11:21 a.m.

    Ich finde es gut, dass das DIW eine Vereinfachung der Steuertarife von sieben auf vier anstrebt. Das aktuelle System ist wirklich kompliziert und intransparent.

    Antworten
  5. Laura H. Hoffmann am Januar 24, 2026 11:23 a.m.

    Es ist interessant, dass der DIW-Vorschlag über die Pläne der SPD hinausgeht. Welche konkreten Unterschiede bestehen zwischen den beiden Reformansätzen?

    Antworten
  6. Lea Becker am Januar 24, 2026 11:25 a.m.

    Die Vorstellung, dass durch den Wegfall steuerlicher Ausnahmen bei Unternehmensvermögen 7,8 Milliarden Euro zusätzlich generiert werden könnten, ist bemerkenswert. Wäre das nicht ein signifikanter Betrag, der in andere wichtige Bereiche investiert werden könnte?

    Antworten
    • Hans X. Wagner am Januar 24, 2026 12:20 p.m.

      Das ist richtig, aber man muss auch die potenziellen Auswirkungen auf kleine und mittelständische Unternehmen berücksichtigen, die diese Ausnahmen nutzen.

      Antworten
  7. Lukas Schmidt am Januar 24, 2026 11:25 a.m.

    Ein einfacherer Steuertarif wäre eine deutliche Verbesserung. Die jetzigen Regeln sind für viele Erben schwer zu verstehen und führen oft zu unnötigen Kosten für Steuerberater.

    Antworten
  8. Lea Wagner am Januar 24, 2026 11:25 a.m.

    Die Einführung von Lebensfreibeträgen könnte dazu führen, dass mehr Menschen dazu ermutigt werden, ihr Vermögen zu Lebzeiten zu verschenken. Wäre das ein gewünschter Nebeneffekt?

    Antworten
  9. Lea H. Meyer am Januar 24, 2026 11:26 a.m.

    Ich frage mich, ob die Reform auch Anreize für Investitionen in Deutschland schafft oder ob sie eher zu Kapitalflucht führt.

    Antworten
  10. Lukas Hoffmann am Januar 24, 2026 11:27 a.m.

    Die Fokussierung auf sehr große Vermögen durch die Reform ist nachvollziehbar. Es wäre wichtig zu wissen, welcher Prozentsatz des gesamten Vermögens in Deutschland von diesen sehr großen Vermögen gehalten wird.

    Antworten
  11. Mia Hoffmann am Januar 24, 2026 11:28 a.m.

    Die Aussage, dass trotz weniger Steuerzahler zusätzliche Einnahmen generiert werden könnten, ist paradox. Wie lässt sich das durch die Erhöhung der Freibeträge und die Vereinfachung der Tarife erklären?

    Antworten
  12. Karl Wagner am Januar 24, 2026 11:29 a.m.

    Die Kritik an den Sonderregeln für Unternehmensvermögen ist berechtigt. Sie begünstigen oft die Reichen und verhindern eine gerechtere Verteilung des Vermögens.

    Antworten
  13. Anna Meyer am Januar 24, 2026 11:29 a.m.

    Die zusätzlichen 2,3 Milliarden Euro an Staatseinnahmen könnten dringend benötigt werden, um soziale Projekte zu finanzieren. Aber wie stellt man sicher, dass das Geld auch wirklich effizient eingesetzt wird?

    Antworten
  14. Lukas Q. Müller am Januar 24, 2026 11:31 a.m.

    Ein Lebensfreibetrag von einer Million Euro klingt nach einer großzügigen Erleichterung für Erben. Wie würde sich das konkret auf die Steuerlast für durchschnittliche Erbschaften auswirken?

    Antworten
    • Peter A. Weber am Januar 24, 2026 12:28 p.m.

      Die Studie des DIW sollte detaillierte Berechnungen für verschiedene Erbschaftshöhen und Verwandtschaftsgrade enthalten.

      Antworten
  15. Laura Schäfer am Januar 24, 2026 11:32 a.m.

    Mich wundert, dass die Debatte erst jetzt so richtig aufkommt. Die Ungleichheiten im Erbschaftsteuerrecht sind doch schon lange bekannt.

    Antworten
  16. Jonas Schmidt am Januar 24, 2026 11:32 a.m.

    Die verfassungsrechtliche Überprüfung der Erbschaftsteuer ist ein wichtiger Auslöser für diese Diskussion. Wenn das Bundesverfassungsgericht die bestehenden Steuervergünstigungen beanstandet, wäre eine Reform unausweichlich.

    Antworten
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