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ETF-News

Wirtschaftskriminalität: Darum verlieren Unternehmen und Investoren Milliarden

Wallstreet OnlineVon Wallstreet Onlinevor 1 Tag6 Kommentare11.5k Aufrufe
Wirtschaftskriminalität: Darum verlieren Unternehmen und Investoren Milliarden
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Während Geldgeber Quartalszahlen analysieren und Firmenlenker Marktentwicklungen beobachten, wächst ein Risiko im
Verborgenen: Wirtschaftskriminalität erreicht in der Bundesrepublik neue Dimensionen. Allein die Dunkelziffer wächst enorm, denn viele Fälle werden aus Angst vor Reputationsschäden nie zur Anzeige
gebracht. Öffentlich sichtbar bleibt nur die Spitze des Eisberges.

Der Grund: Hinter professionell aufgebauten Fassaden verschwinden Millionen, während klassische Kontrollmechanismen
versagen. Dabei gehen die Schäden weit über finanzielle Verluste hinaus: Betroffene Betriebe kämpfen mit regulatorischen Konsequenzen, Prestigeverlusten und im schlimmsten Fall mit ihrer
Existenz.

Die drei lukrativsten Betrugsmuster – und warum sie so schwer zu erkennen sind

Subventionsbetrug: Perfektes Verbrechen im Förderdschungel

Das Prinzip erscheint ebenso perfide wie einfach: Kriminelle gründen Unternehmen mit plausiblen Geschäftsmodellen,
beantragen Fördergelder für innovative Projekte oder Investitionen und lassen die erhaltenen Zahlungen dann in verschachtelten Strukturen verschwinden. Aufgeblasene Kosten, Doppelförderungen über
verschiedene Programme oder komplett fiktive Projekte gehören zu den gängigen Varianten. Besonders betroffen sind Branchen mit hohem Fördermittelvolumen wie Bau, Technologie und
Energie.

Faktisch machen bereits die strukturellen Gegebenheiten es den Tätern recht leicht. Komplexe Antragsverfahren in
Kombination mit chronisch überlasteten Behörden vereinfachen die Annahme gefälschter Rechnungen, manipulierter Kostennachweise sowie konstruierter Projektfortschritte.

Marcello Doering, Geschäftsführer der Detektei Agentur Incognito, die auf komplexe Wirtschafts- und Vermögenssachverhalte spezialisiert ist, beobachtet eine konkrete Entwicklung: „Die
Professionalität aktueller Wirtschaftskriminalität hat eine neue Dimension erreicht. Wir sprechen von organisierten Strukturen, die gezielt Schwachstellen in Fördersystemen ausnutzen. Oft werden
eigens GmbHs mit plausiblen Geschäftsmodellen und falschen Identitäten gegründet, nach außen absolut seriös.“ Was früher dilettantisch wirkte, lässt sich heute kaum noch von authentischen
Unternehmen unterscheiden.

Abrechnungsbetrug: Bezahl für Leistungen, die nie stattfanden

Rechnungen für nie erbrachte Leistungen, massiv überhöhte Stundensätze oder Materialmengen und -kosten fernab der Realität
sind die typischen Elemente des Abrechnungsbetrugs. Zusammen mit komplexen Lieferketten und undurchsichtigen Subunternehmer-Flüssen entsteht eine Verschachtelung, die den Überblick vollends
erschwert.

Auf dieser Basis fakturieren Phantomfirmen Tätigkeiten und Lieferungen, die in ihrem Umfang zu keiner Zeit stattgefunden
haben. Finanzielle Einbußen bilden allerdings nur den Anfang. Es folgt das Risiko behördlicher Sanktionen und Haftungsfragen. So wird aus einer zunächst scheinbar legitimen Geschäftsbeziehung im
Handumdrehen eine ernsthafte rechtliche Belastung.

Kickback-Systeme: Der organisierte Griff in die Kasse

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Kickback-Systeme haben mittlerweile professionellen Charakter. Moderne Varianten nutzen Scheinfirmen in Steueroasen, Briefkastengesellschaften in
diversen Ländern sowie Strohmänner, die keine Verbindung zu den eigentlichen Profiteuren erkennen lassen. Gelder fließen über unzählige Konstrukte, die selbst Wirtschaftsprüfer kaum zu definieren
vermögen. Zwar handelt es sich bei jeder einzelnen Ebene, zumindest isoliert betrachtet, um ein legal agierendes Unternehmen, in Reihenschaltung jedoch entsteht daraus ein mitunter ruinöses
System.

Aufgrund der globalen Dimension sind Ermittlungen besonders kompliziert, wie Marcello Doering aus seiner täglichen Arbeit
weiß: „Der internationale Rahmen macht eine Prüfung nahezu unmöglich. Was national noch überschaubar wäre, wird durch Ländergrenzen zur Herausforderung.”

Frühwarnsignale: Wann Investoren und Unternehmer hellhörig werden sollten

Wirtschaftskriminelle operieren gezielt mit starkem Vertrauensaufbau, hoher Seriosität und einem Blick für Lücken im
dynamischen Geschäftsablauf. Dennoch gibt es Alarmzeichen, die Aufmerksamkeit verdienen:

Bei Geschäftspartnern: Unklare Eigentümerstrukturen, häufige Unternehmenswechsel und Umfirmierungen,
Geschäftsadressen, die sich als Briefkästen entpuppen, fehlende oder widersprüchliche Referenzen. Auch übertrieben günstige Angebote können ein Anlass zum Misstrauen sein, sofern sie wirtschaftlich
wenig darstellbar erscheinen.

Im eigenen Unternehmen: Auffällige Buchungsmuster ohne plausible Erklärung, Mitarbeitende mit Lifestyle deutlich
über ihrem Gehalt, systematische Verweigerung von Transparenz bei bestimmten Prozessen, ungewöhnliche Nähe zu bestimmten Lieferanten. Sobald Beschäftigte sich gegen Rotation oder Kontrollen wehren,
sollten die Alarmglocken läuten.

Bei Investitionen: Intransparente Verwendungsnachweise, wiederholte Verzögerungen bei der Dokumentation,
ausweichende Antworten auf konkrete Fragen, Druck zu schnellen Entscheidungen ohne angemessene Prüfzeit. Insbesondere übermäßig komplizierte Strukturen ohne erkennbaren geschäftlichen Grund sind
verdächtig.

Systemische Warnsignale: Fehlende oder nur oberflächliche Compliance-Prozesse, schwache interne Aufsicht, auffallend
hohe Fluktuation in Schlüsselpositionen. Überwiegend dann, wenn Kontrollpositionen unbesetzt sind, nutzen die Täter diese Lücken aus.

Das Problem: Klassische Due Diligence stößt hier an Grenzen. Bilanzen und Prüfberichte zeigen lediglich, was dokumentiert
wurde. Verschleierungen bleiben entsprechend unsichtbar.

Genau hier setzen moderne Ermittlungsmethoden an, erläutert Doering: „Mit OSINT-Recherchen werden systematisch öffentlich
verfügbare Daten und Netzwerkstrukturen zwischen Personen und Unternehmen analysiert. Damit lassen sich verborgene Verbindungen aufdecken, die mit klassischen Prüfmethoden schwer zu erkennen sind.
Ein wichtiger Baustein moderner Ermittlungsarbeit – insbesondere dort, wo herkömmliche Prüfprozesse strukturell an ihre Grenzen stoßen.“

Drei konkrete Schutzmaßnahmen für Ihr Unternehmen
 

Wirksame Protektion beginnt weit vor dem Schadensereignis. Schon diese drei Maßnahmen können das Risiko erheblich
reduzieren:

Systematische Background-Checks bei neuen Geschäftspartnern und Schlüsselpositionen gehören heute zur
professionellen Risikosteuerung – gerade dann, wenn wirtschaftliche Abhängigkeiten wachsen oder hohe Investitionsvolumen im Raum stehen. Sinnvoll ist es, die Überprüfungen in regelmäßigen Abständen
zu aktualisieren, vor allem bei langfristigen Partnerschaften. Da sich Unternehmen weiterentwickeln, Eigentümerstrukturen sich ändern und Geschäftsmodelle angepasst werden, hilft es ungemein, auf
dem neuesten Stand zu sein und die Zusammenarbeit auf einer soliden Basis fortzuführen.

Robuste interne Kontrollsysteme bedeuten mehr als formale Compliance. Das Vier-Augen-Prinzip bei kritischen
Prozessen, regelmäßige Audits auch in scheinbar unauffälligen Bereichen sowie konsequente Prüfung von Auffälligkeiten schaffen wirksame Barrieren. Zudem müssen solche Kontrollen tatsächlich
ausgeführt und nicht nur auf der To-do-Liste abgehakt werden. Ferner können die Rotation von Verantwortlichkeiten und überraschende Stichproben die Wirksamkeit zusätzlich erhöhen.

Klare Eskalationswege ermöglichen es, Verdachtsmomente frühzeitig zu adressieren. Whistleblower-Systeme, definierte
Abläufe bei Unregelmäßigkeiten und das Wissen, wann externe Expertise hinzugezogen werden muss, gehören zur professionellen Risikosteuerung. Mitarbeitende müssen wissen, an wen sie sich
vertrauensvoll wenden können. Zudem funktioniert das System nur, wenn Hinweise ernst genommen werden.

Warum sich Prävention lohnt

Wirtschaftskriminalität ist kein Randphänomen, sondern ein systematisches Risiko, das Betriebe jeder Größe betrifft.
Professionell agierenden Tätern sind ebenso organisierte Maßnahmen entgegenzusetzen. Firmen sollten sich bewusst sein: Prävention kostet einen Bruchteil dessen, was ein einziger erfolgreicher
Betrugsfall an Schaden verursacht. Doering bringt es in diesem Kontext auf den Punkt: „Wirtschaftskriminalität verschwindet nicht. Doch Unternehmen, die Risiken nicht erst nach Eintritt
des Schadens analysieren, sondern strukturell antizipieren, verschaffen sich einen ausschlaggebenden strategischen Vorteil. Gerade in wirtschaftlich volatilen Zeiten ist dieser Vorsprung oft
existenzentscheidend.“

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6 Kommentare ansehen

6 Kommentare

  1. Karl Becker am Februar 9, 2026 3:29 p.m.

    This is very helpful information. Appreciate the detailed analysis.

    Antworten
  2. Anna Meyer am Februar 9, 2026 3:36 p.m.

    Great insights on ETF-News. Thanks for sharing!

    Antworten
  3. Lea Meyer am Februar 9, 2026 3:41 p.m.

    Interesting update on Wirtschaftskriminalität: Darum verlieren Unternehmen und Investoren Milliarden. Looking forward to seeing how this develops.

    Antworten
  4. Peter Müller am Februar 9, 2026 3:41 p.m.

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    Antworten
    • Lea Weber am Februar 9, 2026 4:14 p.m.

      Good point. Watching closely.

      Antworten
  5. Karl Wagner am Februar 9, 2026 3:43 p.m.

    I’ve been following this closely. Good to see the latest updates.

    Antworten
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