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Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Zahnarztbehandlungen sind erneut gestiegen. Besonders stark treibt eine Volkskrankheit die Kosten. Derweil will der Wirtschaftsrat der CDU Patienten künftig stärker zur Kasse zu bitten.
Die aktuelle Forderung sorgt für Unruhe bei Millionen gesetzlich Versicherten: Der CDU-Wirtschaftsrat stellt infrage, ob Zahnarztbehandlungen weiterhin vollständig über die Krankenkassen finanziert werden sollen. Hintergrund sind steigende Gesundheitsausgaben und wachsende Zusatzbeiträge. Ein Blick in die aktuellen Zahlen zeigt, wo die Kosten tatsächlich entstehen – und wer heute schon besonders viel zahlt.
Zahnarztkosten steigen weiter – aber nicht überall gleich stark
Nach vorläufigen Rechnungsergebnissen der gesetzlichen Krankenversicherung sind die Ausgaben für zahnärztliche Behandlungen im Zeitraum von Januar bis September 2025 auf rund elf Milliarden Euro gestiegen. Im gleichen Zeitraum 2024 lagen sie bei etwa 10,55 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 4,4 Prozent binnen eines Jahres.
Deutlich moderater entwickelte sich der Bereich Zahnersatz. Für Festzuschüsse zahlten die Krankenkassen in den ersten drei Quartalen 2025 rund 3,18 Milliarden Euro, nach etwa 3,11 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Zusammengenommen flossen damit mehr als 14,1 Milliarden Euro in neun Monaten in Zahnbehandlung und Zahnersatz.
Die Zahlen zeigen: Der starke Anstieg kommt nicht primär vom Zahnersatz, sondern aus der laufenden Behandlung.
Parodontose treibt die Kosten besonders stark
Auffällig ist vor allem ein Bereich: die Parodontose- beziehungsweise Parodontitis-Behandlung. Hier stiegen die Ausgaben im Jahresvergleich besonders kräftig.
Von Januar bis September 2024 zahlten die Krankenkassen rund 1,05 Milliarden Euro für Parodontose-Behandlungen. Im gleichen Zeitraum 2025 waren es bereits rund 1,18 Milliarden Euro – ein Plus von etwa zwölf Prozent. Kein anderer großer zahnärztlicher Leistungsbereich wuchs ähnlich stark.
Das hat strukturelle Gründe, denn Parodontitis ist eine Volkskrankheit: Mehr als die Hälfte der Erwachsenen ist betroffen, mit stark steigender Häufigkeit im höheren Alter. Hinzu kommt, dass die Therapie in den vergangenen Jahren ausgeweitet und systematischer geworden ist. Medizinisch gilt das als sinnvoll, denn unbehandelte Parodontitis erhöht unter anderem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und verschlechtert den Verlauf von Diabetes. Finanziell wird sie damit aber zu einem der wichtigsten Kostentreiber in der Zahnmedizin.
Wer besonders viel zahlt – direkt und indirekt
Von steigenden Zahnarztkosten sind nicht alle Versicherten gleich betroffen. Besonders hoch ist die Belastung für ältere Menschen, weil Parodontose und umfangreiche Behandlungen mit dem Alter deutlich zunehmen. Auch Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes oder Raucher tragen ein erhöhtes Risiko für teure Zahnbehandlungen.
Hinzu kommt eine indirekte Belastung: Krankenkassen mit älterer oder kränkerer Versichertenstruktur haben höhere Ausgaben – und stehen stärker unter Druck, Zusatzbeiträge zu erhöhen. Das trifft dann alle Mitglieder, unabhängig davon, wie oft sie selbst beim Zahnarzt sind.
Was die Krankenkasse übernimmt – und wo Patienten selbst zahlen
Schon heute sind Zahnarztkosten kein reines Kassen-Thema. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt medizinisch notwendige Leistungen, setzt aber klare Grenzen.
Die Kasse zahlt unter anderem für Vorsorgeuntersuchungen, medizinisch notwendige Parodontose-Behandlungen, einfache Füllungen sowie Festzuschüsse beim Zahnersatz. Diese Zuschüsse orientieren sich an der Regelversorgung. Sie decken nur einen Teil der tatsächlichen Kosten ab.
Eigenanteile fallen vor allem bei höherwertigen Materialien oder aufwendigeren Lösungen an. Keramikfüllungen, Inlays oder Implantate können Patienten schnell mehrere hundert oder sogar tausend Euro kosten. Auch beim Zahnersatz bleibt trotz Festzuschuss oft ein erheblicher Betrag hängen.
Die professionelle Zahnreinigung ist ein Sonderfall. Sie gehört nicht zu den gesetzlichen Regelleistungen, wird aber von vielen Krankenkassen inzwischen bezuschusst – häufig mit Beträgen zwischen 40 und 100 Euro pro Jahr. Die tatsächlichen Kosten liegen je nach Praxis meist zwischen 80 und 150 Euro.
Warum die Selbstzahler-Debatte heikel ist
Befürworter einer stärkeren Eigenbeteiligung argumentieren, dass Zahnarztkosten die Beitragszahler entlasten könnten. Tatsächlich geben die Krankenkassen jährlich eine zweistellige Milliardensumme für Zahnmedizin aus.
Kritiker warnen jedoch vor „Nebenwirkungen“: Würden zahnärztliche Leistungen weitgehend privatisiert, könnten Behandlungen hinausgezögert oder ganz vermieden werden – mit teuren Folgekosten für das Gesundheitssystem. Gerade Parodontose zeigt das Risiko: Unbehandelt führt sie nicht nur zu Zahnverlust, sondern kann andere Erkrankungen begünstigen und langfristig höhere Kosten verursachen.
Zudem würden einkommensschwächere Versicherte besonders stark belastet. Schon heute verfügen vor allem Besserverdienende über Zahnzusatzversicherungen, die Eigenanteile abfedern. Eine zusätzliche Police, die sich nicht jeder leisten kann oder will.
Steigende Kosten bleiben ein politisches Thema
Also sind es eben gerade nicht kosmetische Leistungen, die die Ausgaben treiben, sondern medizinisch notwendige Behandlungen – allen voran die Parodontose-Therapie. Die Debatte zeigt den Zielkonflikt: schnelle finanzielle Entlastung für die Kassen heute – oder höhere Gesundheitskosten in der Zukunft.
Für Versicherte bleibt entscheidend, genau hinzusehen: Welche Leistungen übernimmt die eigene Kasse, welche Zuschüsse gibt es und wo kann Vorsorge helfen, teure Behandlungen zu vermeiden.
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6 Kommentare
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