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BlackRock-CEO Larry Fink sieht Tokenisierung als Auslöser eines gewaltigen Finanzumbruchs und wettet Milliarden darauf. Finanzexperte Sascha Röhrer erklärt, was Anleger jetzt wissen müssen.
BlackRock-CEO Larry Fink vergleicht in seinem jährlichen Brief an die Aktionäre die aktuelle Entwicklung der Kapitalmärkte mit dem Internet-Moment der 1990er-Jahre. Er wettet Milliarden darauf, dass tokenisierte Fonds die Finanzwelt so radikal verändern werden wie damals das Internet die Kommunikation.
Doch was bedeutet dieser „Gamechanger“ konkret für Ihr Depot? Die Tokenisierung von Sachwerten ist kein ferner Trend mehr, sondern die nächste Evolutionsstufe der Geldanlage. Privatanleger können jetzt die Weichen für die Zukunft stellen.
Für Larry Fink wird Blockchain zum Fundament des Finanzsystems
Die globale Finanzindustrie steht vor einer Transformation, die Larry Fink als das „neue Betriebssystem“ des Kapitalismus bezeichnet. In seinem jüngsten Strategiepapier macht der Chef des weltweit mächtigsten Vermögensverwalters deutlich, dass die Tokenisierung von Sachwerten die Effizienz und Zugänglichkeit der Märkte auf ein völlig neues Niveau heben wird.
Während traditionelle Finanzierungswege an ihre Grenzen stoßen, rückt die Blockchain-Technologie ins Zentrum, um das veraltete Fundament der globalen Finanzarchitektur zu modernisieren.
Sascha Röhrer ist Experte für Künstliche Intelligenz, Kryptowährungen und die Blockchain-Technologie. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.
Wie Tokenisierung Kleinanleger zu Investoren macht
Fink argumentiert, dass das heutige System primär denjenigen nutzt, die bereits über großes Kapital verfügen. Viele Arbeiter und Kleinanleger bleiben oft bloße Zuschauer, da der Zugang zu hochrentablen Anlageklassen wie Infrastruktur oder Private Equity durch enorme Mindestinvestitionen versperrt ist.
Die Tokenisierung soll dieses Problem durch „Fraktionalisierung“ lösen. Dabei werden große Sachwerte in Millionen kleinste, digitale Anteile zerlegt, die fälschungssicher auf einer Blockchain dokumentiert werden.
Für BlackRock ist dies kein theoretisches Konzept mehr. Mit dem „BUIDL“-Fonds betreibt das Unternehmen bereits den weltweit größten tokenisierten Geldmarktfonds, der über 2,8 Milliarden US-Dollar auf öffentlichen Blockchains verwaltet. Ziel ist eine Welt, in der die langfristige Altersvorsorge durch eine breite Mischung aus Aktien, Immobilien und Infrastruktur-Anteilen so einfach und kostengünstig wird wie das Senden einer Nachricht per Smartphone.
Warum Tokenisierung Märkte schneller und günstiger macht
Der Kernvorteil der Tokenisierung liegt in der massiven Beschleunigung der Prozesse. In der heutigen Finanzwelt dauert die Abwicklung eines Wertpapierkaufs oft zwei Tage, da zahlreiche Intermediäre wie Depotbanken und Clearinghäuser ihre Daten abgleichen müssen. Die Blockchain bietet hier eine einzige „Wahrheitsquelle“, die eine sofortige Abwicklung in Echtzeit ermöglicht.
Diese Effizienzsteigerung hat handfeste ökonomische Vorteile. Durch den Wegfall der mehrtägigen Wartezeiten wird Kapital sofort für Reinvestitionen frei. Die Boston Consulting Group schätzt, dass allein dieser Effekt sowie die Reduktion von Transaktionsgebühren den Anlegern jährlich bis zu 100 Milliarden US-Dollar an zusätzlichen Renditen einbringen könnte.
Zudem ermöglichen sogenannte Smart Contracts die Automatisierung von Dividenden-Auszahlungen und Compliance-Prüfungen, was die Verwaltungskosten drastisch senkt.
Experten-Prognosen sehen Billionenmarkt bis 2030
Die Wachstumsaussichten für den Tokenisierungsmarkt sind beispiellos. Während der Wert tokenisierter Real-World Assets (RWA) Mitte 2025 noch bei etwa 24 Milliarden US-Dollar lag, prognostizieren Analysten eine exponentielle Beschleunigung.
Die Schätzungen der großen Institute zeichnen ein klares Bild: Die vorsichtige Basisprognose von McKinsey sieht den Markt bis 2030 bei etwa 2 bis 4 Billionen US-Dollar. Die Citigroup geht bereits von bis zu 5 Billionen US-Dollar aus, wobei sie insbesondere das Potenzial in privaten Märkten und digitalen Zentralbankwährungen hervorhebt.
Noch deutlich ambitioniertere Szenarien entwerfen die Experten von BCG und Roland Berger, die ein Volumen von 11 bis 16 Billionen US-Dollar für möglich halten. In dieser Größenordnung würde die Tokenisierung bereits knapp 10 Prozent des globalen BIP repräsentieren.
Das Spektrum reicht bis hin zu extrem optimistischen Schätzungen von Standard Chartered, die durch eine tiefe Integration der Handelsfinanzierung sogar 30 Billionen US-Dollar bis zum Jahr 2034 für erreichbar halten. Unabhängig von der genauen Zahl ist der Konsens eindeutig: Wir erleben gerade den Startschuss für eine Umstrukturierung des Finanzmarktes.
Diese Anlageklassen treiben den Tokenisierungs-Boom
Der Markt für tokenisierte Assets hat im März 2026 mit einem On-Chain-Volumen von über 27,17 Milliarden US-Dollar einen historischen Höchststand erreicht. Die Zusammensetzung hat sich dabei deutlich professionalisiert: Den Löwenanteil halten nun tokenisierte US-Staatsanleihen mit rund 11,47 Milliarden US-Dollar, da sie als hochliquide, digitale Cash-Äquivalente im Krypto-Ökosystem dienen.
Ein massiver Wachstumstreiber sind zudem Rohstoffe (Commodities) – allen voran Gold –, die mittlerweile ein Volumen von etwa 5,47 Milliarden US-Dollar abbilden.
Auch für den klassischen Aktienmarkt (Stocks) bricht ein neues Zeitalter an: Mit einem On-Chain-Wert von rund 941 Millionen US-Dollar steht dieser Sektor unmittelbar davor, die Milliarden-Grenze zu knacken und ermöglicht Anlegern den 24/7-Handel von Unternehmensanteilen.
Der Bereich Private Credit, der sich auf Kategorien wie Asset-Backed und Corporate Credit verteilt, summiert sich aktuell auf rund 6,66 Milliarden US-Dollar. Besonders greifbar bleibt die Revolution bei Immobilien.
Weltweit laufen viele Projekte, um diese zu tokenisieren und anteilig handelbar zu machen. Das Volumen bei tokenisierten Real Estate liegt im Moment bei knapp 300 Millionen USD.
Strategien und Tipps für Privatanleger
Die Tokenisierung läutet eine Revolution der Vermögensverwaltung ein. Um als Anleger frühzeitig dabei zu sein, sollten Sie folgende Strategien verfolgen:
- Portfolio-Diversifikation: Nutzen Sie den Zugang zu bisher illiquiden Sachwerten wie Immobilien-Token oder Private Credit, um die Korrelation Ihres Depots zum volatilen Aktienmarkt zu senken.
- Regulierung beachten: Setzen Sie auf Plattformen mit BaFin-Lizenzen oder Kooperationen mit etablierten Banken. Ein Beispiel ist das Fintech Finexity, das seine Technologie direkt in das Online-Banking von Instituten wie der Sparkasse Bremen integriert hat.
- Technische Verwahrung: Entscheiden Sie bewusst zwischen Selbstverwahrung und professionellen Kryptoverwahrern. Ab 2026 sorgt zudem der CARF-Standard für mehr Steuertransparenz bei digitalen Assets.
Warum Tokenisierung das Finanzsystem dauerhaft verändert
Wir stehen erst am Anfang. Larry Finks Vergleich mit dem Internet trifft den Kern: Die Tokenisierung ist kein kurzfristiger Trend, sondern eine strukturelle Modernisierung, die das Finanzwesen transparenter, schneller und für jeden zugänglich macht.
Für den Finanzstandort Deutschland und für weitsichtige Investoren bietet sich hier die Chance, von der Grundsteinlegung eines neuen Billionenmarktes zu profitieren.
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5 Kommentare
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