Listen to the article
Die Märkte sind Bewegung und fundierte Einschätzung sind gefragte denn je. In einem Interview mit Redakteur Georg Sures hat Investmentprofi Serge Nussbaumer vom Schweizer Wertpapierhaus Maverix Securities exklusiv für den Bernecker Börsenkompass die aktuellen Perspektiven für den Software-Sektor analysiert.
Der Bernecker Börsenkompass greift auf ein internationales Netzwerk von Analysten und Kommentatoren zurück, die zu ausgewählten Themen immer wieder fundierte und ausführliche Analysen bereitstellen. In unserem heutigen Exklusiv-Interview beschäftigt sich Kapitalmarktexperte Serge Nussbaumer vom Schweizer Wertpapierhaus Maverix Securities mit den aktuellen Perspektiven für den Software-Sektor und nennt die Aktien, auf die Anleger jetzt setzen sollten.
Maverix
Serge Nussbaumer hat im Oktober 2025 die Position als Head Public Solutions bei Maverix Securities, dem führenden Schweizer Spezialisten für Strukturierte Produkte übernommen. Zuvor war er Chefredakteur und Herausgeber des Magazins „payoff“. Der ausgewiesene Kapitalmarktexperte war im Laufe seiner Karriere außerdem für die Schweizerische Kreditanstalt und die St. Galler Kantonalbank tätig und hat von 2011 bis 2014 das Swiss Derivative Institut (SDI) geleitet.
Herr Nussbaumer, wie schätzt der Kapitalmarkt derzeit die Perspektiven der Softwareindustrie ein?
Der Kapitalmarkt bewertet die Softwareindustrie derzeit deutlich skeptischer als noch vor wenigen Quartalen, weil KI-Disruptionsängste, steigende Kapitalintensität und frühere Bewertungsprämien gleichzeitig unter Druck geraten sind. Vieles spricht eher für ein makrogetriebenes Bewertungs-Reset als für eine flächendeckende strukturelle Erosion der Geschäftsmodelle. Besonders abgestraft werden Anbieter, deren Produkte als austauschbar oder leicht durch KI-Agenten ersetzbar erscheinen, während systemkritische Plattformen mit hohen Wechselkosten robuster eingeschätzt werden. Reuters berichtete zuletzt, dass Strategen den Sell-off teilweise als Überreaktion werten und der Markt in vielen Fällen Worst-Case-Szenarien einpreist. Der Markt ist kurzfristig nervös, aber nicht pauschal bearish auf Software. Entscheidend ist heute stärker denn je, ob ein Unternehmen über Daten, Distribution, Plattformtiefe und Preissetzungsmacht verfügt.
Hohe Investitionen in die KI – Chance oder Risiko?
Hohe KI-Investitionen sind kurzfristig ein Margen- und Bewertungsrisiko, langfristig aber für starke Plattformanbieter vor allem eine strategische Chance. Die Ausgaben belasten zunächst die Profitabilität, erhöhen aber zugleich Eintrittsbarrieren und künftige Monetarisierungs-Chancen. Bridgewater rechnet damit, dass Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft 2026 zusammen rund USD 650 Milliarden in KI-Infrastruktur investieren werden, was die Größenordnung des Capex-Zyklus unterstreicht. Der Markt wird diese Investitionen nur dann honorieren, wenn daraus sichtbar Umsatzwachstum, Cross-Selling oder Produktivitätsgewinne entstehen. Bei Unternehmen mit starker Kundenbasis und direkter Distributionsmacht ist das deutlich wahrscheinlicher als bei kleineren, leichter substituierbaren SaaS-Anbietern. Deshalb sind hohe KI-Investitionen für Marktführer eher ein Burggraben, für schwächere Anbieter dagegen ein Risiko.
Verändert der verstärkte Einsatz von KI-Anwendungen die Geschäftsmodelle der Softwareindustrie grundlegend?
Ja, aber nicht in dem simplen Sinn, dass klassische Software flächendeckend verdrängt wird. KI verschiebt den Wertbeitrag weg von isolierten Funktionen hin zu Plattformen, Datenbeständen, integrierten Workflows und Systemen of Record. Und genau hier sitzen die strukturellen Gewinner: bei Unternehmen, die tief in Kernprozesse, Compliance-Strukturen und operative Abläufe eingebettet sind. Gleichzeitig nimmt der Druck auf seat-basierte oder funktionszentrierte SaaS-Modelle zu, wenn KI einzelne Tätigkeiten automatisiert und damit die Zahlungslogik verändert. Reuters und andere Marktberichte zeigen, dass diese Sorge aktuell ein zentraler Treiber der Neubewertung im Softwaresektor ist. Unsere Investment-These lautet daher: KI verändert die Geschäftsmodelle grundlegend, aber sie zerstört vor allem schwache Differenzierung und stärkt Plattformmodelle mit Daten- und Distributionsvorteilen.
Welche Unternehmen im Software-Sektor bieten in den kommenden Jahren die besten Kurschancen?
Sie möchten weiterlesen?
Testen Sie den Bernecker Börsenkompass jetzt kostenlos für 30 Tage.
Jetzt kostenlos testen
Ich habe bereits ein Abo
Den vollständigen Artikel hier lesen


6 Kommentare
Great insights on News. Thanks for sharing!
Interesting update on Investmentprofi empfiehlt jetzt diese Software-Aktien. Looking forward to seeing how this develops.
Solid analysis. Will be watching this space.
I’ve been following this closely. Good to see the latest updates.
Good point. Watching closely.
This is very helpful information. Appreciate the detailed analysis.