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Wenn es in der weltweiten Managerelite einen Konsens gibt, dann diesen: Apple ist keine Firma, sondern eine Kirche. Jetzt bekommt diese Kirche ein neues Oberhaupt.
Der Kirchengründer Steve Jobs hinterließ eine goldgeränderte Bilanz, brillante Produkte, vor allem aber eine Philosophie, die den Unterschied macht zwischen Führen und Folgen, Verbessern und Erfinden.
Steve Jobs, als Sohn des syrischen Politikstudenten Abdulfattah Jandali und der mittellosen Amerikanerin Joanne Carole Schieble früh zur Adoption freigegeben, brach das Studium ab, experimentierte mit LSD und schuf aus dem Nichts eine bedeutende Firma und eine Managementlehre, die auch den Nach-Nachfolger verpflichtet:
Innovation unterscheidet einen Vorreiter von einem Nachahmer.
Apple: Cook-Ära lässt Jobs Erbe verblassen
In der Ära Tim Cook hat das Motto getragen. Apple entwickelte sich in eine Dimension, die das ökonomische Erbe von Jobs verblassen ließ. Seine drei wichtigsten Erfolge:
#1 Etablierung an der Weltspitze
Seitdem Tim Cook im August 2011 das Unternehmen übernommen hat, konnte er die Marktkapitalisierung um mehr als 1.000 Prozent auf vier Billionen US-Dollar steigern.
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In seinen 15 Jahren als CEO war Apple ganze elf Mal das wertvollste US-Unternehmen, gemessen am Börsenwert im ersten Quartal des jeweiligen Jahres. Aktuell liegt das Unternehmen hinter Alphabet und Nvidia auf Platz drei der wertvollsten Unternehmen der Welt.
#2 Die Verkaufsmaschine
Cook transformierte Apple von einem Innovationsunternehmen à la Steve Jobs’ „One More Thing“ – so kündigte Jobs neue Produkte an – zu einer Verkaufsmaschine. Seit 2011 stieg Apples Jahresumsatz von 108 Milliarden US-Dollar auf über 416 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr.
Wichtigster Treiber ist nach wie vor das iPhone: Allein für das vergangene Geschäftsjahr wird erwartet, dass Apple mit rund 250 Millionen Einheiten einen neuen Bestwert erreicht. Erlös: knapp 210 Milliarden.
Dazu kommt: Was 2011 noch als iTunes-, App-Store- und Zubehörgeschäft auf unter zehn Milliarden US-Dollar kam, ist heute die Services-Sparte mit knapp 110 Milliarden US-Dollar. Der Anteil am Umsatz stieg damit von rund fünf auf über 25 Prozent.
#3 Die Cash-Cow
Der wichtigste Punkt, zumindest aus Sicht der Aktionäre: Was bleibt unterm Strich?
Die Antwort: Eine ganze Menge. Erst im vergangenen Jahr konnte Apple einen Rekord-Nettogewinn von knapp 112 Milliarden US-Dollar erzielen. Die Nettomarge liegt bei knapp 27 Prozent.
Das zeigt sich auch im Free Cashflow: Seit 2011 konnte Apple unter Tim Cook mehr als eine Billion US-Dollar Cash generieren und damit Aktien im großen Stil zurückkaufen und seit 2012 wieder Dividenden an seine Aktionäre zahlen.
John Ternus übernimmt Apple
Ab dem 1. September 2026 übernimmt nun John Ternus, den Cook als „brilliant strategist“ und einen der zentralen Architekten von Apple beschreibt. Doch der neue CEO wurde nicht als Erbverwalter ins Amt berufen, sondern als Steve Jobs 3.0. Allein mit der Verbesserung bestehender Produkte und der Popularisierung der Apple-Brille wird er nicht über die Runden kommen.
Während Vorgänger wie Tim Cook und insbesondere Steve Jobs das Unternehmen auch öffentlich prägten, gilt Ternus als ausgesprochen zurückhaltend. Das zeigt sich selbst in seiner digitalen Präsenz: Zwar verfügt der langjährige Apple-Ingenieur über ein Profil auf der Business-Plattform LinkedIn, doch öffentliche Beiträge sucht man dort vergeblich, berichtet „Fortune“.
Seine Karriere spielte sich bislang nahezu vollständig hinter den Kulissen ab – ein Umstand, der den bevorstehenden Wechsel an der Spitze nicht nur personell, sondern auch kulturell markieren könnte.
ThePioneer
Ternus´ Herausforderung besteht darin, dass womöglich die gesamte Firma sich neu erfinden muss. Das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz diktiert sein Pflichtenheft. Vor allem diese drei Dinge muss er in den Griff bekommen:
#1 Zukunftsrennen um die Künstliche Intelligenz
Die größte Herausforderung liegt im Bereich Künstliche Intelligenz, weil Apple hier strukturell ins Hintertreffen gerät. Während Microsoft, Alphabet und Amazon mit bis zu 100 Milliarden US-Dollar jährlich massiv in KI investieren, gibt Apple weniger als die Hälfte aus.
Das Ergebnis hat Star-Investorin Cathie Wood Ende vergangenen Jahres bei The Pioneer deutlich beschrieben:
Wir haben Apple durch die Brille der KI betrachtet und waren, sagen wir mal, sehr enttäuscht von dessen KI-Leistungen.
Analystenmeinung: Dan Ives von Wedbush Securities kommentiert:
Apple steht bei KI unter Druck, schneller zu liefern, um nicht weiter hinter die Konkurrenz zurückzufallen.
#2 China-Strategie
Die zweite große Herausforderung liegt in China, Apples zweitwichtigstem ausländischen Absatzmarkt. Rund 64 Milliarden US-Dollar Umsatz stammen aus „Greater China“, also China, Taiwan, Macau und Hongkong, während über 80 Prozent der iPhone-Produktion dort erfolgt.
Gleichzeitig wird die Abhängigkeit teurer: Zölle könnten laut Apple selbst kurzfristig rund 900 Millionen US-Dollar kosten, während die Produktionsausbeute in Indien etwa zehn Prozent unter der von China liegt. Parallel steigt der Wettbewerbsdruck: Huawei kommt laut Counterpoint Research wieder auf über 19 Prozent Marktanteil in China.
Analystenmeinung: Erik Woodring von Morgan Stanley kommentiert:
China ist entscheidend für Apples Erfolg, aber eine Entkopplung bleibt ein reales Risiko.
Bloomberg-Kolumnist Dave Lee fügt eine Prise Apokalypse hinzu:
Es ist schwer vorstellbar, wie Apple unbeschadet aus weiteren zwölf Monaten der Zollmanöver von Präsident Donald Trump, der Unberechenbarkeit Chinas und einer Überarbeitung des iPhone-Angebots hervorgehen wird.
#3 Die Suche nach dem neuen iPhone-Moment
Apple muss nach Jahren außergewöhnlichen Wachstums eine neue Dynamik finden. Trotz Rekordumsatz und -gewinn basiert ein Großteil der Erlöse auf Altbekanntem.
Wo bleibt die Innovation? Neue Produkte, wie die Vision-Pro-Brille, konnten bisher keine nennenswerten Skaleneffekte entfalten. Der nächste iPhone-Moment ist nicht in Sichtweite.
Cathie Wood bei The Pioneer ist pessimistisch:
Von welcher Hardware könnte Apple disruptiert werden? Ich glaube, Brillen könnten es sein – und zwar die von Meta. Amazon hat gerade angekündigt, ebenfalls in dieses Feld einzusteigen. Alle versuchen, Apple auszuhebeln.
Das heimliche Grundgesetz des Steve Jobs: Großartigkeit braucht Größenwahn
Fazit: Der neue CEO hat eine große Firma übernommen, deren Großartigkeit er jetzt gegen die Konkurrenz verteidigen muss. Die erste Zutat, die er jetzt braucht, ist Ambition. Und die Erinnerung an das heimliche Grundgesetz des Steve Jobs: Großartigkeit braucht Größenwahn.
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6 Kommentare
Great insights on News. Thanks for sharing!
Interesting update on Gastbeitrag von Gabor Steingart
Cook nennt ihn "brilliant": Ternus soll Jobs 3.0 werden
Finanzen100
09:50. Looking forward to seeing how this develops.
This is very helpful information. Appreciate the detailed analysis.
I’ve been following this closely. Good to see the latest updates.
Solid analysis. Will be watching this space.
Good point. Watching closely.