Listen to the article
- OHB SE – WKN: 593612 – ISIN: DE0005936124 – Kurs: 387,000 € (XETRA)
Europas Raumfahrtindustrie steht aktuell vor einer Neuordnung. Was lange ein spezialisiertes, stark von Forschungsprogrammen geprägtes Geschäft war, wird zunehmend zu einer kritischen Infrastrukturfrage. Satellitenkommunikation, Erdbeobachtung, Navigation, Aufklärung und der eigenständige Zugang zum All sind für Staaten und Unternehmen längst nicht mehr nur Prestigeprojekte. Sie sind Teil sicherheitspolitischer und industrieller Souveränität. Genau in diesem Moment will OHB die nächste Wachstumsphase einleiten.
Die Bremer planen eine Kapitalerhöhung mit erwarteten Bruttoerlösen von rund 500 Mio. EUR. Das frische Kapital soll in den Ausbau industrieller Kapazitäten, mögliche strategische Übernahmen, Trägerraketenprogramme sowie Zukunftsfelder wie Mondexploration und Missionen im niedrigen Erdorbit fließen. Zugleich soll der Streubesitz ausgeweitet werden. Die Transaktion ist damit nicht nur eine Finanzierungsmaßnahme, sondern auch ein Schritt, um OHB am Kapitalmarkt wieder breiter zu positionieren.
Kapital für Industrialisierung und Wachstum
Geplant ist ein öffentliches Angebot an bestehende Aktionäre über Bezugsrechte. Die beiden Hauptaktionäre, die Familie Fuchs und Orchid Lux HoldCo, eine Gesellschaft im indirekten Besitz von KKR-nahen Fonds, wollen auf ihre Bezugsrechte verzichten. Dadurch stehen rund 94 % der neuen Aktien für eine parallele Privatplatzierung zur Verfügung. Diese soll neben neuen Aktien auch bestehende Aktien aus dem Bestand von Orchid Lux HoldCo umfassen.
Die Eigentümerstruktur bleibt dennoch klar geprägt. Die Familie Fuchs gibt keine Aktien ab und bleibt Mehrheitsaktionärin. KKR wird über Orchid Lux HoldCo einen Teil seiner Beteiligung veräußern, soll aber auch nach Abschluss der Transaktion weiterhin die Mehrheit seiner bisherigen Beteiligung halten und Aktionär von OHB bleiben. Für den Markt ist diese Konstruktion doppelt relevant: Sie erhöht perspektivisch die Handelbarkeit der Aktie, ohne die langfristige Kontrolle durch die Gründerfamilie aufzugeben.
Vorstandschef Marco R. Fuchs stellt die Transaktion in den Kontext einer größeren europäischen Entwicklung. „Europa investiert in großem Umfang in unabhängige Raumfahrtkapazitäten und wir stehen seit über vier Jahrzehnten im Zentrum dieser Entwicklung“, erklärte er. OHB verfüge über einen Rekordauftragsbestand, wachse profitabel und baue die Kapazitäten europaweit aus. Mit der geplanten Transaktion wolle das Unternehmen sein Wachstum gemeinsam mit bestehenden und neuen Investoren beschleunigen.
Ein Prime für Europas strategische Programme
OHB sieht sich als Europas führender reiner Raumfahrt-Prime. Das Unternehmen deckt zentrale Teile der Wertschöpfungskette ab, von der Entwicklung und Fertigung von Satelliten, Raumfahrtsystemen und Trägerraketen über Sicherheits- und Aufklärungstechnologien bis hin zu Bodensystemen, Antennen, Betrieb und Datendiensten. Organisiert ist das Geschäft in den Segmenten Space Systems, Access to Space und Digital.
Das Profil ist für die aktuelle Marktlage besonders günstig. Institutionelle Kunden wie die Bundesrepublik Deutschland, die Europäische Weltraumorganisation ESA, nationale Raumfahrtagenturen und Streitkräfte bilden seit Jahrzehnten das Fundament des Geschäfts. In einer Phase steigender Verteidigungsbudgets und wachsender geopolitischer Unsicherheit wird daraus ein struktureller Vorteil.
OHB ist an mehreren strategisch wichtigen Programmen beteiligt. Dazu zählen das europäische Navigationssystem Galileo, das Radar-Aufklärungssatellitensystem SARah der Bundeswehr und das ESA-Projekt LISA, ein Gravitationswellen-Observatorium im All. Im Segment Access to Space adressiert der Konzern zudem den Bedarf an eigenständigen europäischen Startkapazitäten. Die Tochter MT Aerospace ist der größte deutsche Zulieferer für Ariane 6, Rocket Factory Augsburg entwickelt mit RFA ONE eine eigene kleine Trägerrakete, und die European Spaceport Company arbeitet an Startplatzinfrastruktur und Betriebskonzepten.
Nachfrage erzwingt Kapazitätsausbau
Die geplante Kapitalaufnahme trifft auf eine Phase außergewöhnlich hoher Nachfrage. OHB baut die Fertigungskapazitäten in Europa bereits deutlich aus. Zu den laufenden Initiativen zählen ein neuer Standort in Turin, die Erweiterung in Stockholm, Investitionen in Bremen, Oberpfaffenhofen und Augsburg sowie die Übernahme des Standorts Schöneck, mit der die Fertigungstiefe erhöht werden soll.
Flankiert wird der industrielle Ausbau durch Partnerschaften in sicherheitsrelevanten Zukunftsfeldern. Mit Helsing arbeitet OHB im Gemeinschaftsunternehmen KIRK an weltraumgestützten Verteidigungs- und Aufklärungssystemen. Gemeinsam mit Rheinmetall ist das Unternehmen zudem über die OHB Rheinmetall Space Networks GmbH im Rahmen der Ausschreibung für SATCOMBw Stufe 4 positioniert. Damit verschiebt sich der Konzern stärker in Richtung jener Programme, bei denen staatliche Nachfrage, Verteidigungsfähigkeit und technologische Souveränität zusammenlaufen.
Die Zahlen unterstreichen die strategische Ausgangslage. Seit dem Börsengang im Jahr 2001 hat OHB die Gesamtleistung von rund 15 Mio. EUR auf 1,25 Mrd. EUR im Geschäftsjahr 2025 gesteigert. Das entspricht nach Unternehmensangaben einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von etwa 20 %. Der Auftragsbestand lag im ersten Quartal 2026 bei rund 3,4 Mrd. EUR und schafft damit eine hohe Umsatzsichtbarkeit für die kommenden Jahre.
Ambitionierte Mittelfristziele
Mittelfristig will OHB die Gesamtleistung auf mehr als 4,0 Mrd. EUR steigern und eine bereinigte EBITDA-Marge von rund 13 % erreichen. Für einen Konzern, der bislang einen großen Teil seines Wachstums aus eigener Kraft finanziert hat, markiert die geplante Kapitalerhöhung daher einen neuen Abschnitt. Es geht nicht mehr nur um organisches Wachstum aus laufenden Programmen, sondern um eine beschleunigte Industrialisierung des Geschäftsmodells.
Finanzchef Tim Tecklenburg betont entsprechend die Stärke der Ausgangsposition. „Wir haben einen Rekordauftragsbestand und eine starke Profitabilität und wir nehmen Kapital auf, um unser Wachstum aus einer Position der Stärke heraus zu beschleunigen“, sagte er. Die Erlöse sollten mit derselben finanziellen Disziplin eingesetzt werden, die das Geschäftsmodell seit jeher auszeichne.
Begleitet wird die Transaktion von einem breiten Bankenkonsortium. Deutsche Bank, Goldman Sachs, J.P. Morgan, KKR Capital Markets und Rothschild & Co Redburn fungieren als Joint Global Coordinators. Gemeinsam mit Berenberg, Commerzbank, Jefferies und UniCredit treten sie zudem als Joint Bookrunners auf.
Fazit: OHB nutzt einen günstigen Moment. Der Konzern verfügt über einen hohen Auftragsbestand, eine starke Position in europäischen Schlüsselprogrammen und eine Nachfragekulisse, die durch Geopolitik, Verteidigungsausgaben und technologische Souveränität getragen wird. Nach SpaceX sollte auch die Kapitalerhöhung bei OHB ein Selbstläufer sein. Doch aktuell stehen die endgültigen Konditionen dazu noch aus. Das KGV ist da aktuell nur bedingt aussagekräftig.
Weitere Analysen & News zur Aktie unserer Redaktion findest Du hier.
| Jahr | 2025 | 2026e* | 2027e* |
| Umsatz in Mrd. EUR | 1,18 | 1,46 | 1,82 |
| Ergebnis je Aktie in EUR | 3,43 | 3,63 | 5,60 |
| KGV | 107 | 101 | 65 |
| Dividende je Aktie in EUR | 0,60 | 0,70 | 0,80 |
| Dividendenrendite | 0,16% | 0,19% | 0,22% |
|
*e = erwartet, Berechnungen basieren bei |

Eröffne jetzt Dein kostenloses Depot bei justTRADE und profitiere von vielen Vorteilen:
✓ 50 Euro Startguthaben bei justTRADE
✓ ab 0 € Orderprovision für die Derivate-Emittenten (zzgl. Handelsplatzspread)
✓ 4 € pro Trade im Schnitt sparen mit der Auswahl an 3 Börsen – dank Quote-Request-Order
Nur für kurze Zeit: Erhalte eine Überraschung von stock3 on top!
Jetzt Depot eröffnen!
Den vollständigen Artikel hier lesen


6 Kommentare
I’ve been following this closely. Good to see the latest updates.
Great insights on Aktien-News. Thanks for sharing!
This is very helpful information. Appreciate the detailed analysis.
Solid analysis. Will be watching this space.
Interesting update on Nach SPACEX will auch OHB frisches Kapital einsammeln. Looking forward to seeing how this develops.
Good point. Watching closely.