Der Versorger Uniper richtet seine Gasbeschaffung weiter neu aus. Nach Angaben des Unternehmens vom 30. Juli haben Uniper und Ksi Lisims LNG einen langfristigen Liefervertrag unterzeichnet, der verflüssigtes Erdgas aus einem kanadischen Projekt nach Europa bringen soll. In der Berichterstattung ist von einer Laufzeit von 20 Jahren die Rede. Der Abschluss reiht sich in eine Strategie ein, mit der der Konzern die Bezugsquellen breiter aufstellen will, nachdem er 2022 durch den Wegfall russischer Pipelinelieferungen in eine existenzbedrohende Lage geraten war.
Ein Vertrag mit langer Bindung
Langfristige LNG-Verträge sind in der Gaswirtschaft üblich, weil Verflüssigungsanlagen kapitalintensiv sind und Projektfinanzierungen abgesicherte Abnahmen voraussetzen. Für den Käufer bedeutet das Planungssicherheit, zugleich aber eine über Jahre reichende Bindung an eine bestimmte Bezugsquelle. Aus den vorliegenden Meldungen gehen weder Liefermengen noch Preise oder ein konkreter Starttermin hervor. Auch zum Stand der Investitionsentscheidung und zum Bau der Anlage an der kanadischen Pazifikküste enthalten die Kurzmeldungen keine Angaben.
Bemerkenswert ist die Perspektive, die in der Berichterstattung angelegt wird: Uniper ersetze eine Abhängigkeit durch eine andere. Der Konzern beziehe künftig Gas über See statt über Pipelines, bleibe damit aber weiterhin auf Importe angewiesen – nur eben aus einer anderen Weltregion. Der Unterschied liegt in der Struktur: LNG lässt sich physisch umleiten, Pipelinegas nicht. Dieser Punkt ist zentral für die Bewertung der Beschaffungsstrategie, ändert jedoch nichts daran, dass ein Vertrag über zwei Jahrzehnte eine langfristige Festlegung darstellt.
Staatsbeteiligung als offene Frage
Uniper war 2022 durch den Ausfall russischer Gaslieferungen in eine schwere Krise geraten und wurde vom Bund gestützt und verstaatlicht. Seither steht die Frage im Raum, wann und in welcher Form sich der Staat wieder zurückzieht. Der Ausstieg des Bundes aus der Beteiligung ist bislang nicht vollzogen; die Rahmenbedingungen dafür wurden mit der Europäischen Kommission im Zuge der beihilferechtlichen Genehmigung festgelegt. Für Anleger ist das ein relevanter Faktor, weil der Streubesitz vergleichsweise gering ist und ein möglicher Verkauf staatlicher Anteile das Angebot an Aktien verändern würde. Konkrete Zeitpläne oder Volumina nennt das vorliegende Material nicht.
Neues Standbein: Rechenzentrum in Hessen
Parallel zum Gasgeschäft treibt Uniper Vorhaben außerhalb des klassischen Versorgergeschäfts voran. Ebenfalls Ende Juli teilte das Unternehmen mit, dass es in Großkrotzenburg in Hessen einen Rechenzentrumscampus errichten will. Der Standort ist durch das dortige Kraftwerksgelände geprägt. Für Energieunternehmen sind Rechenzentren attraktiv, weil sie vorhandene Netzanschlusskapazitäten und Flächen nutzen und langfristige Stromabnahme in großem Umfang bedeuten. Angaben zu Investitionssumme, Zeitplan, Leistung oder möglichen Partnern enthalten die vorliegenden Meldungen nicht.
Damit zeichnet sich ein Muster ab: Uniper versucht, sich weniger abhängig von der Volatilität des Gashandels zu machen und Erlösquellen mit langen Laufzeiten zu erschließen. Ob und in welchem Umfang das gelingt, lässt sich anhand der bislang veröffentlichten Informationen nicht beurteilen.
Die Aktie
Die Uniper-Aktie (ISIN DE000UNSE026, WKN UNSE02) wird im Prime Standard gehandelt und ist dem Versorgersektor zugeordnet. Am 7. August notierte das Papier im Xetra-Handel um 17:35 Uhr bei 43,300 Euro, ein Minus von 0,46 Prozent oder 0,200 Euro. Im vorbörslichen Orderbuch am 8. August lagen Geld- und Briefkurs bei 42,950 beziehungsweise 43,700 Euro. Größere Kursbewegungen unmittelbar im Zusammenhang mit den Ende Juli veröffentlichten Meldungen sind aus den vorliegenden Daten nicht ablesbar.
Was offen bleibt
Für eine Einordnung der Strategie fehlen wesentliche Kennzahlen. Weder ist bekannt, welchen Anteil das kanadische LNG künftig am Beschaffungsportfolio ausmachen soll, noch, zu welchen Konditionen der Vertrag abgeschlossen wurde. Ebenso wenig liegen Angaben dazu vor, wie das Rechenzentrumsprojekt finanziert wird. Konkrete Zahlen zu beiden Vorhaben hat Uniper bislang nicht veröffentlicht.
Klar ist lediglich die Richtung: Der Konzern verlagert seine Gasbeschaffung stärker auf verflüssigtes Erdgas aus Übersee und sucht zugleich Geschäftsfelder, die von den Preisschwankungen im Energiehandel weniger betroffen sind. Wie tragfähig diese Neuausrichtung ist, wird sich erst zeigen, wenn Lieferbeginn, Mengen und die Rückführung der Staatsbeteiligung konkretisiert sind.
Quelle: FinanzNachrichten.de: Aktuelle Nachrichten
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