Die Bechtle AG hat im zweiten Quartal 2026 zweistellig zugelegt. Das Geschäftsvolumen stieg um 18,1 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro, der Umsatz kletterte um 16,5 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern (EBT) erhöhte sich um 20,1 Prozent auf 80,2 Millionen Euro. Die EBT-Marge, bezogen auf das Geschäftsvolumen, blieb mit 3,5 Prozent unverändert; gemessen am Umsatz stieg sie leicht auf 4,6 Prozent. Der Neckarsulmer IT-Dienstleister veröffentlichte die endgültigen Zahlen am 12. August 2026, nachdem er bereits Ende Juli vorläufige Werte gemeldet hatte.
Das Geschäftsvolumen umfasst bei Bechtle neben dem Umsatz auch Geschäfte, die nicht in voller Höhe umsatzwirksam verbucht werden, etwa vermittelte Lizenz- und Dienstleistungsverträge. Es gilt im Unternehmen als zentrale Steuerungsgröße. Der Auftragsbestand erreichte zum Quartalsende mit 3,5 Milliarden Euro einen neuen Höchststand und lag damit über dem Wert des ersten Quartals.
Wachstum in allen Segmenten
Nach Unternehmensangaben trugen sämtliche Regionalsegmente und Kundengruppen zum Zuwachs bei. In Deutschland, Frankreich und den Benelux-Ländern lag das Plus beim Geschäftsvolumen jeweils bei mehr als zehn Prozent und war vollständig organisch. Im Segment Other Europe wirkten Zukäufe in Spanien, Italien und Portugal positiv; organisch legte dieser Bereich um mehr als 20 Prozent zu und führte damit die Gruppe an. Konzernweit wuchs das Geschäftsvolumen organisch um 12,9 Prozent, der Umsatz organisch um 10,3 Prozent.
In absoluten Zahlen erreichte Deutschland im Quartal ein Geschäftsvolumen von 1,216 Milliarden Euro (plus 10,4 Prozent), Frankreich 208 Millionen Euro (plus 10,7 Prozent), Benelux 317 Millionen Euro (plus 12,0 Prozent) und Other Europe 533 Millionen Euro (plus 51,0 Prozent). Im ersten Halbjahr summierte sich das Geschäftsvolumen auf 4,50 Milliarden Euro nach 3,89 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum, ein Anstieg um 15,6 Prozent. Der Halbjahresumsatz lag bei 3,30 Milliarden Euro (plus 12,1 Prozent), das EBT bei 141,8 Millionen Euro (plus 16,2 Prozent).
Vorstandschef Thomas Olemotz verwies auf das Marktumfeld: Das zweite Quartal zeige, wie erfolgreich das Unternehmen mit den Rahmenbedingungen rund um die Speicherkrise und das gesamtwirtschaftliche Umfeld umgehe. Als Gründe nennt er enge Kundenbeziehungen, die Zusammenarbeit mit den Technologiepartnern und die breite europäische Präsenz.
Cashflow im ersten Halbjahr negativ
Das starke Wachstum – insbesondere zum Quartalsende – hinterließ Spuren in der Kapitalflussrechnung. Der operative Cashflow lag im ersten Halbjahr bei minus 101,7 Millionen Euro, nach plus 24,2 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Als Grund nennt Bechtle einen vorübergehenden Anstieg des Working Capital zum Stichtag, verursacht durch aufgebaute Lagerbestände, die durch Kundenaufträge unterlegt sind. Die Forderungslaufzeit (Days Sales Outstanding) sei im zweiten Quartal weiter gesunken, das Working Capital in Relation zum annualisierten Geschäftsvolumen habe sich im Jahresvergleich von 7,3 auf 6,8 Prozent verbessert. Für das Gesamtjahr erwartet Bechtle weiterhin einen deutlich positiven operativen Cashflow.
Das EBIT stieg im Quartal um 23,0 Prozent auf 84,1 Millionen Euro. Das den Aktionären zurechenbare Ergebnis nach Steuern erhöhte sich um 21,3 Prozent auf 57,8 Millionen Euro, das unverwässerte Ergebnis je Aktie auf 0,46 Euro nach 0,38 Euro. Die Liquidität einschließlich Termingeldern und Wertpapieren belief sich zum 30. Juni 2026 auf 537,5 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote auf 42,3 Prozent nach 44,9 Prozent zum Jahresende 2025.
Mitarbeiterzahl steigt nur durch Zukäufe
Zum 30. Juni 2026 beschäftigte die Bechtle-Gruppe 16.418 Menschen, 810 oder 5,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Personalzuwachs ist vollständig auf Akquisitionen zurückzuführen, überwiegend im Segment Other Europe. Organisch ging die Zahl der Beschäftigten um 1,4 Prozent zurück, gegenüber dem Vorquartal um 78 Mitarbeitende. In Ausbildung oder dualen Studiengängen befanden sich zum Stichtag 672 junge Menschen.
Neue Prognose für 2026
Nach eigenen Angaben lag Bechtle zum Halbjahr bei allen wesentlichen Kennzahlen über der im März veröffentlichten Prognose. Der Vorstand erwartet nun ein Wachstum des Geschäftsvolumens von mehr als 10 Prozent, zuvor waren 5 bis 10 Prozent angesetzt. Für Umsatz und EBT wurde die Spanne von 0 bis 5 auf 5 bis 10 Prozent erhöht. Finanzvorstand Christian Jehle begründet die Anhebung mit dem Halbjahresverlauf und dem Rekordauftragsbestand, der zusätzliche Visibilität für die zweite Jahreshälfte schaffe. Die Nachfrage nach zukunftsfähigen IT-Lösungen sei bei Geschäfts- und öffentlichen Kunden unverändert hoch.
Bechtle ist in 14 europäischen Ländern an 120 Standorten aktiv und im MDAX sowie im TecDAX notiert. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 6,41 Milliarden Euro. Der Halbjahresbericht 2026 steht auf der Unternehmenswebsite zum Abruf bereit.
Quelle: Nachrichten Ticker - Kategorie: Aktien & Indizes - www.wallstreet-online.de
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