Der auf Sicherheitstechnik für autonome Maschinen spezialisierte US-Anbieter FORT Robotics hat eine endgültige Vereinbarung über einen Zusammenschluss mit der Zweckgesellschaft Newbury Street II Acquisition Corp (Nasdaq: NTWO) geschlossen. FORT Robotics wird über eine SPAC-Fusion börsennotiert, teilten beide Unternehmen mit. Das fusionierte Unternehmen soll den Namen FORT Robotics Holdings, Inc. tragen und – vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen – an der Nasdaq unter dem Kürzel „FROB“ notiert werden.
Eine SPAC (Special Purpose Acquisition Company) ist eine bereits börsennotierte Mantelgesellschaft ohne eigenes operatives Geschäft, die Kapital einsammelt, um ein privates Unternehmen zu übernehmen und damit an die Börse zu bringen. Newbury Street II wird von Thomas Bushey geführt, dem früheren Präsidenten von Ondas.
Bewertung und Mittelzufluss
Die Transaktion bewertet das kombinierte Unternehmen mit einem Pro-forma-Unternehmenswert von 556,6 Millionen US-Dollar; der Eigenkapitalwert vor der Finanzierung wird mit 500,0 Millionen US-Dollar angegeben. Der Bruttoerlös soll rund 201 Millionen US-Dollar betragen, bestehend aus den Treuhandmitteln von Newbury Street II sowie rund 31 Millionen US-Dollar aus PIPE- und NRA-Zusagen. Nach Abzug der geschätzten Transaktionskosten erwartet FORT einen Netto-Cash-Zufluss von etwa 182 Millionen US-Dollar in die Bilanz – jeweils unter der Annahme, dass die öffentlichen Aktionäre von Newbury Street II keine Aktien zurückgeben.
Bei PIPE-Investitionen (Private Investment in Public Equity) zeichnen institutionelle Anleger vor dem Abschluss Aktien der künftigen börsennotierten Gesellschaft; NRA-Vereinbarungen (Non Redemption Agreements) sind Zusagen, bestehende Anteile nicht zurückzugeben. Als beteiligte Investoren nennt das Unternehmen unter anderem Tiger Global, Prologis Ventures und Mark Cuban. Bestehende FORT-Aktionäre bringen ihr Eigenkapital vollständig ein und halten nach Abschluss geschätzt 67 Prozent der Anteile, sofern es zu keinen Rücknahmen kommt.
Die Erlöse sollen in die Produktentwicklung fließen – genannt werden Sicherheitsintelligenz der nächsten Generation, Observability und Cybersicherheitssoftware –, außerdem in den Ausbau von Vertrieb und Partnernetzwerk sowie in kleinere Zukäufe.
Geschäftsmodell: Sicherheitsebene für Robotik
FORT Robotics wurde 2018 gegründet und ging aus dem Unternehmen Humanistic Robotics von Gründer und CEO Samuel Reeves hervor, das Maschinen zur Minenräumung entwickelte. Die als „Trust Layer“ bezeichnete Plattform soll als herstellerunabhängige Sicherheitsschicht dienen, damit autonome Maschinen unterschiedlicher Anbieter in gemeinsam genutzten Umgebungen neben Menschen arbeiten können. Nach Unternehmensangaben ist die Technologie durch 25 Patente abgesichert und nach IEC 61508 für Sicherheitsintegritätsstufe 3 zertifiziert. Im Mai 2026 erweiterte FORT das Angebot durch die Übernahme von Mapless AI, einem Anbieter sicherheitsorientierter Fernsteuerung.
Das Unternehmen zählt mehr als 600 Kunden und über 19.500 ausgelieferte Einheiten weltweit. Genannt werden unter anderem Agility Robotics, Google DeepMind, Zoox, Textron, Ocado und DoorDash. Die Einsatzfelder reichen von humanoider Robotik über Lagerhaltung, Transport und Fertigung bis zu Landwirtschaft, Bergbau, Energie und Verteidigung. Zuletzt kündigte FORT eine strategische Zusammenarbeit mit NVIDIA im Rahmen des Ökosystems „Halos for Robotics“ an.
Kennzahlen aus dem Geschäftsjahr 2025
Für 2025 weist FORT ein Umsatzwachstum von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahr aus, bei etablierten Unternehmenskunden mit Jahresausgaben von mehr als 100.000 US-Dollar lag der Zuwachs bei 91 Prozent. Die Bruttomarge belief sich 2025 auf 66 Prozent nach 70 Prozent im Jahr 2024. Die Betriebsausgaben stiegen im selben Zeitraum um 19 Prozent. Den Umsatz pro Mitarbeiter gibt das Unternehmen für 2025 mit 276.000 US-Dollar an.
Zur Kundenstruktur teilt FORT mit, dass kein einzelner Kunde 2025 mehr als 9 Prozent des Umsatzes stellte. Kundenkohorten aus der Zeit vor 2025 hätten schätzungsweise 68 Prozent der Auftragseingänge des Jahres 2025 ausgemacht. Die Gesamtzahl der Kunden habe sich seit 2021 um das 2,6-Fache erhöht, die Zahl der eingesetzten Einheiten um das 3,7-Fache. Die rund zwei Dutzend etablierten Unternehmenskunden hätten ihre Ausgaben pro Konto 2025 um 27 Prozent gesteigert.
Zeitplan und Bedingungen
Die Verwaltungsräte beider Unternehmen haben die Transaktion einstimmig genehmigt. Der Abschluss ist für das vierte Quartal 2026 geplant und steht unter mehreren Bedingungen: der Zustimmung der Aktionäre von Newbury Street II, dem Abschluss der PIPE-Transaktion, dem Abschluss der SEC-Prüfung der Registrierungserklärung auf Formular S-4, bestimmten behördlichen Genehmigungen sowie der Zulassung der Wertpapiere durch die Nasdaq.
Dem künftigen Verwaltungsrat sollen unter anderem Sally Miller (Global CIO bei DHL Supply Chain), Jennifer Vescio (früher Uber), Vijay Kumar (Dekan der Ingenieursfakultät der University of Pennsylvania) und Karl Iagnemma (CEO von Vecna Robotics) angehören.
Gründer und CEO Samuel Reeves ordnete das Vorhaben so ein: „Diese neuen Maschinen bringen ein völlig neues und anderes Risikoprofil mit sich, und dieses muss angegangen werden, bevor autonome Systeme in großem Maßstab eingesetzt werden können.“
Als Finanzberater und alleiniger Platzierungsagent für Newbury Street II fungiert BTIG, Evercore berät FORT Robotics bei der Strukturierung. Die Aktie von Newbury Street II notierte zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Mitteilung mit einem Plus von 8,59 Prozent bei 11,63 US-Dollar.
Quelle: Nachrichten Ticker – www.wallstreet-online.de
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