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Führungswechsel bei Apple: John Ternus ist neuer Chef – doch ohne Mut zu echten Innovationen droht dem Konzern ein schleichender Abstieg.
Jetzt wurde wahr, was Brancheninsider länger vermutet haben. Tim Cook tritt ab, im September 2026 soll John Ternus die Nachfolge bei Apple antreten. Dies erfolgt in der Phase, die absolut kritisch für den Tech-Giganten ist.
Nun ist Apple durchaus eines der erfolgreichsten Unternehmen der Welt. Doch längst ist nicht mehr alles Gold, was glänzt. Zu lange hat Apple die nächste große Entwicklung verschlafen.
Zu lange auf Optimierung gesetzt – statt auf Neuentdeckung. Die Frage ist, ob der neue Apple-Chef John Ternus das Zeug hat, den Wandel zu gestalten.
Kishor Sridhar ist angesehener Berater, Keynote-Speaker und Autor, spezialisiert auf Change Management, Führung und Digitalisierung. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.
Apple verliert seine wichtigste Innovationsstärke
Beim Unternehmenswachstum sprechen wir von zwei grundlegenden Tendenzen: Exploration, also das Erschließen neuer Märkte, neuer Geschäftsfelder, meist auch durch neue Produkte, und Exploitation, also die Maximierung der Gewinne bestehender Produktlinien, Kunden und Märkte.
Apple konnte beides einmal so gut wie kaum ein anderer Konzern. Doch in den vergangenen Jahren hat sich das Kräfteverhältnis verschoben.
Wann hat Apple das letzte wirkliche „next big thing“ herausgebracht, wie einst den iPod, das iPhone oder die Apple Watch?
Zahlen zeigen den klaren Bruch zwischen Jobs und Cook
Unter Steve Jobs dominierten die explorativen Kräfte. Zwischen 2001 und 2011 entstanden neue Produktkategorien wie eben der iPod, das iPhone und das iPad, die gemeinsam mehr als 60 Prozent des Apple-Umsatzes der Folgejahre ausmachten.
Tim Cook hingegen führte Apple in seine stabilste operative Phase. Unter ihm verdreifachte sich der Jahresumsatz. Die Lieferketten wurden perfektioniert. Also alles maximal exploitiert.
Doch abgesehen von der Apple Watch gab es unter Tim Cook nichts wirklich Neues, das man als marktumwälzend bezeichnen konnte.
Apple droht bei KI den Anschluss zu verlieren
Auch mit aktuellen KI-Anwendungen überzeugt Apple aktuell nicht. Google, Samsung und Microsoft betten KI-Lösungen geräteübergreifend in den Alltag der Nutzer ein. Apple dagegen setzt weiterhin stark auf kompakte On-Device-Modelle.
Das ist datenschutztechnisch sauber, jedoch eine Apple-typische Insellösung, die genau jene Flexibilität unterbindet, die gerade KI-Modelle für den Erfolg benötigen.
Ein Unternehmen wie Apple muss weiter wachsen, und dies wird nicht durch reine Optimierungen gelingen.
Kann John Ternus Apple wirklich umbauen?
Nun soll also John Ternus die Nachfolge von Tim Cook antreten. Ternus ist seit 2001 bei Apple. Er ist ein Ingenieur, der für Präzision steht, aber auch Verantwortung für einige der wichtigsten technologischen Übergänge des Unternehmens getragen hat.
Er war maßgeblich daran beteiligt, die Mac-Reihe von Intel-Prozessoren auf die eigenen Apple-Chips umzustellen. Ein Schritt, der nicht nur die Leistung der Geräte deutlich erhöhte, sondern Apple unabhängiger machte und die Kontrolle über die gesamte Hardware-Software-Integration stärkte.
Auch bei der Entwicklung zentraler iPhone-Generationen spielte er eine führende Rolle. Gerade in Phasen, in denen Apple komplexe Hardware-Entscheidungen treffen musste, galt er intern als jemand, der technische Risiken einschätzen und in stabile Lösungen überführen kann.
Ternus’ Stärke könnte zum Problem werden
Kollegen erzählen, wie er – wie seinerzeit Steve Jobs – stundenlang an kleinsten Details arbeitet oder Probleme erkennt, die anderen entgehen.
Er schafft Vertrauen, weil er ruhig führt und tief in den Produktdetails steckt. Oder eben ein typischer Ingenieur, würden wir in Deutschland sagen. Das ist eine Stärke. Zugleich ist dies aber auch seine Schwäche.
Apple braucht Neues – dafür steht der neue Chef so gar nicht
Ternus ist ein klassischer Exploitation-Typ. Er verbessert, er sichert, er stabilisiert. Doch Apple braucht jetzt genau das, was ihm weniger liegt: Exploration. Aber Apple braucht gerade jetzt das Neue und auch mal wieder etwas zu wagen.
Und wenn Apple-Fans darauf verweisen, dass Apple nie der Erste in einer Branche war, dann sollte man an die Einführung des iPhones zurückdenken. Ein Handy ohne Tastatur hatte der damalige Microsoft-Chef Steve Balmer gespottet. Ja, das war radikal. An einem faltbaren Handy hingegen jahrelang zu tüfteln, das die Konkurrenz bereits seit Jahren erfolgreich am Markt hat, ist allenfalls radikal vorsichtig.
Ternus steht vor einem klassischen Innovationsdilemma
Ternus muss den Weg gehen, in dem er die wenigste Erfahrung hat. Damit steht er vor dem typischen Dilemma, in dem auch viele deutsche mittelständische Unternehmen stecken. Die Erfolgsrezepte von gestern gelten heute nicht mehr.
Perfektion ist kein Wachstumsgarant. Es muss etwas gewagt werden. Experimente müssen zugelassen und eine positive Fehlerkultur gelebt werden.
Apple vor Problemen, wie sie der deutsche Markt kennt
Gleichzeitig muss Ternus sein Führungsteam und die Führungskultur ändern. Auch hier steht er vor den gleichen Herausforderungen wie viele deutsche Industrie- und Technologieunternehmen.
Er braucht Menschen, die neue Kategorien denken, die Neues wagen, KI gestalten und die bereit sind, Unsicherheit auszuhalten. Ohne diese Ergänzung bleibt Apple in seiner eigenen vermeintlichen Stärke gefangen, und dies ist immer der Anfang vom Abstieg.
Apple muss also wieder mehr explorieren und wagen. Und auch hier gilt, was ich in deutschen Unternehmen immer wieder erlebe: Der Change bei Apple kann nur gelingen, wenn der Change bei John Ternus selbst beginnt.
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6 Kommentare
Great insights on News. Thanks for sharing!
Solid analysis. Will be watching this space.
Interesting update on Apples neuer Chef ist keine Antwort auf die Probleme. Looking forward to seeing how this develops.
This is very helpful information. Appreciate the detailed analysis.
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Good point. Watching closely.