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- USD/JPY – WKN: 965991 – ISIN: XC0009659910 – Kurs: 155,259 ¥ (FOREX)
So könnte zum Beispiel die kommende Zinsentscheidung der Bank of Japan einen großen Einfluss auf den Devisenmarkt haben. Zumal die Talfahrt des Yen Warnungen vor möglichen Währungsinterventionen hervorgerufen haben.
Japanische Wirtschaft mit Sand im Getriebe
Grundsätzlich gibt es derzeit gute Gründe für die Schwäche der japanischen Währung. Denn die Wirtschaft des Landes hat Sand im Getriebe. Im dritten Quartal 2025 ist sie sogar das erste Mal seit sechs Quartalen wieder geschrumpft. Im Vergleich zum Vorquartal ging das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um -0,4 % zurück.
Am Freitag wurde gemeldet, dass die Ausgaben der privaten Haushalte im Oktober um -3,5 % zum Vormonat und -3,0 % zum Vorjahr gesunken sind. Erwartet worden war hingegen ein deutlicher Anstieg. Hinzu kommt eine schwächelnde Industrie. Der entsprechende Einkaufsmanagerindex lag mit 48,7 Punkten im November den fünften Monat in Folge unterhalb der Wachstumsschwelle.

Immerhin: Der Dienstleistungssektor kann sich mit einem Einkaufsmanagerindex von zuletzt 53,2 Punkten über zunehmendes Wachstum freuen.

Es ist ein Lichtblick für eine Wirtschaft, die unter den US-Zöllen leidet, da diese die japanischen Exporte belasten. Die Nettoexporte, also die Ausfuhren abzüglich der Einfuhren, drückten das Wachstum im dritten Quartal um 0,2 Prozentpunkte.
Und so verwundert es nicht, dass sich die japanische Notenbank mit weiteren Zinserhöhungen schwertut, obwohl die Inflation seit mehr als drei Jahren über dem 2 %-Ziel der Bank of Japan (BoJ) liegt.

Die hohe Teuerung bremst allerdings wiederum die Kauflaune der Verbraucher. Der private Konsum, der mehr als die Hälfte der Wirtschaftsleistung ausmacht, legte im dritten Quartal nur noch um 0,1 % zu.
Diplomatische Krise mit China
Hinzu kommt eine diplomatische Krise mit China. Auslöser sind Äußerungen der neuen japanischen Ministerpräsidentin Sanae Takaichi. Sie hatte erklärt, ein chinesischer Angriff auf Taiwan würde das Überleben Japans bedrohen und könne daher eine militärische Reaktion Tokios auslösen. China reagierte sehr verärgert und kündigte Konsequenzen an. Eine der ersten Maßnahmen: China ließ keine Importe von Meeresfrüchten aus Japan mehr zu. Zudem riet China seinen Bürgern von Reisen nach Japan ab. Beides sind wirtschaftliche Druckmittel, da China für japanische Meeresfrüchte-Exporte der wichtigste Zielmarkt ist und das Land die größte Gruppe unter den Auslandstouristen in Japan stellt.
Konjunkturpaket schürt Sorgen über den Staatshaushalt
Vor diesem Hintergrund hat Japans Regierung vor zwei Wochen ein Konjunkturpaket im Umfang von 21,3 Billionen Yen (135,40 Milliarden USD) beschlossen. Es ist die erste große politische Initiative der neuen Regierungschefin und zugleich das größte Konjunkturprogramm seit der Corona-Pandemie.
Finanziert werden soll das Paket unter anderem durch die zusätzliche Ausgabe von Staatsanleihen. Das schürte Sorgen über eine sich weiter verschlechternde Haushaltslage, was die Renditen für Staatsanleihen mit sehr langen Laufzeiten auf Rekordhöhen steigen ließ und die Landeswährung zusätzlich belastete.
Warnung vor Interventionen am Devisenmarkt
Da der zunehmende Verfall des Yen zwar einerseits den zollbelasteten Exporten Aufrieb verleiht, zugleich aber andererseits die Lebenshaltungskosten der Haushalte durch höhere Importpreise belastet, sehen sich die politischen Entscheidungsträger zunehmend unter Handlungsdruck.
Finanzminister Satsuki Katayama sagte, dass Japan erneute Interventionen auf dem Devisenmarkt als eine Möglichkeit ansieht, um mit übermäßig volatilen und spekulativen Bewegungen des Yen umzugehen. Zuletzt intervenierte Japan im Juli 2024 am Devisenmarkt, als der Yen auf ein 38-Jahres-Tief von 161,96 USD fiel. Auch damals warnten die Behörden zuvor vor einem direkten Eingreifen in den Markt.
Hinweise auf Zinsanhebung der BoJ
Fast zeitgleich signalisierte Notenbankchef Kazuo Ueda, dass eine baldige Zinserhöhung möglich sei. Am Donnerstag vergangener Woche legte Währungshüter Asahi Noguchi nach und sagte, die Notenbank könne ihre Leitzinsen wieder anheben, da die Risiken durch US-Zölle nachlassen.
Der Rückgang des Yen war auch durch Marktwetten angetrieben worden, dass die neue Regierungschefin Takaichi, die als Befürworter einer expansiven Finanz- und Geldpolitik bekannt ist, sich gegen eine kurzfristige Zinserhöhung wehren könnte. Doch dies wurde inzwischen dementiert.
Die Bank of Japan hatte im vergangenen Jahr ihr jahrzehntelanges Konjunkturprogramm beendet und den kurzfristigen Zinssatz zuletzt im Januar auf 0,5 % erhöht. Seitdem verwies die BoJ auf Risiken durch die Auswirkungen der US-Zölle. Doch bei der letzten Zinsentscheidung hatten sich bereits zwei der neun Vorstandsmitglieder der Notenbank für eine Anhebung des Leitzinses auf 0,75 % ausgesprochen. Und nun scheint sich eine Mehrheit dafür zu finden.
BIP-Rückgang aufgrund temporärer Effekte
Dies wohl auch vor dem Hintergrund, dass der jüngste BIP-Rückgang wohl vor allem der Tatsache geschuldet war, dass Japan im April die Energiesparstandards für Wohngebäude geändert hatte, was die Baubeginne im ersten Quartal erhöhte, in den Folgequartalen aber zu einem deutlichen Rückgang führte. Die privaten Wohnungsbauinvestitionen brachen im dritten Quartal um (annualisiert) 32,5 % ein und bremsten das BIP-Wachstum um 1,4 Prozentpunkte. Dieser Effekt dürfte in den folgenden Quartalen aber deutlich nachlassen.
Abwärtstrend des Yen könnte auslaufen
Wenn die Wirtschaft des Landes also wieder auf den Wachstumspfad zurückkehrt, sich die Wogen im Streit mit China glätten, die Zinsdifferenz zwischen dem japanischen Yen und dem US-Dollar durch eine Zinssenkung der US-Notenbank und eine Zinserhöhung der Bank of Japan geringer wird und die Warnung vor einer Währungsintervention am Devisenmarkt Gehör findet, dürfte der Abwärtstrend des Yen langsam ein Ende finden.
Übrigens: Nicht nur im Juli 2024 intervenierte Japan am Devisenmarkt, sondern auch 2022 (siehe rote Ellipsen im folgenden Chart). Und in beiden Fällen kam es anschließend zu heftigen Abwärtsbewegungen beim USD/JPY.

Aktuell hat die Warnung zumindest bereits zu einem kleinen Rücksetzer im Bereich der Hochs von Ende 2024 geführt. Es scheint also, dass auf diesem Niveau die Geduld der japanischen Verantwortlichen zu Ende geht.
Im kurzfristigen Bereich hat der USD/JPY jüngst von oben exakt auf den Aufwärtstrendkanal zurückgesetzt, der zuvor nach oben gebrochen worden war (grün im folgenden Chart).

Ein Rückfall in den Trendkanal könnte leicht dazu führen, dass sich die Abwärtsbewegung bis zur unteren Trendkanalbegrenzung fortsetzt.
Fazit
Beim USD/JPY könnten sich Short-Trades anbieten. Ein wenig Geduld müsste man gegebenenfalls aufbringen. Aber selbst, wenn es mit dem Wechselkurs sogar noch einmal nach oben gehen sollte, werden Short-Trades damit nur umso attraktiver.

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24 Kommentare
Interessant zu sehen, wie der USD/JPY-Kurs auf die Zinsentscheidung der Bank of Japan reagiert. Die Erwartungen scheinen ja schon eingepreist zu sein.
Die Bank of Japan scheint in einem Dilemma gefangen zu sein: Sie will die Inflation kontrollieren, hat aber gleichzeitig Angst, die wirtschaftliche Erholung zu gefährden, indem sie die Zinsen erhöht.
Richtig. Die Kombination aus schwachem Wachstum und hoher Inflation ist eine echte Herausforderung.
Der Rückgang des BIP um -0,4% im dritten Quartal ist besorgniserregend – deutet das auf eine längerfristige wirtschaftliche Stagnation hin, oder ist das eine vorübergehende Schwäche?
Es ist schwer zu sagen, aber die schwächelnde Industrie, mit dem Einkaufsmanagerindex von 48,7 Punkten, verstärkt diese Sorge definitiv.
Die Abhängigkeit der japanischen Wirtschaft von den Meeresfrüchteexporten nach China ist offensichtlich ein Schwachpunkt, der durch die diplomatische Krise deutlich wird.
Die Tatsache, dass sich die BoJ mit weiteren Zinserhöhungen schwertut, obwohl die Inflation über dem Zielwert liegt, deutet auf eine besondere Vorsicht bei der Geldpolitik hin.
Der Nettoexport hat das Wachstum im dritten Quartal um 0,2 Prozentpunkte gedrückt. Das unterstreicht die Abhängigkeit der japanischen Wirtschaft von der globalen Nachfrage und die Auswirkungen der US-Zölle.
Es ist bemerkenswert, dass der Einkaufsmanagerindex der Industrie seit fünf Monaten unter der Wachstumsschwelle liegt. Das ist ein deutliches Signal für eine anhaltende Schwäche.
Die Kombination aus wirtschaftlicher Schwäche, diplomatischen Spannungen und hoher Staatsverschuldung macht die Situation Japans aktuell sehr fragil.
Ich frage mich, ob der Rückgang der Tourismuszahlen aus China, aufgrund der Reisehinweise, einen spürbaren Einfluss auf die japanische Wirtschaft haben wird, da China die größte Touristengruppe in Japan ist.
Die Warnungen vor Währungsinterventionen, nachdem der Yen an Wert verloren hat, lassen mich vermuten, dass die Bank of Japan möglicherweise doch eingreift, auch wenn Zinserhöhungen schwierig sind.
Angesichts der Probleme in der japanischen Wirtschaft, könnte ein schwacher Yen tatsächlich kurzfristig eine gewisse Unterstützung bieten, indem er Exporte ankurbelt.
Das ist möglich, aber die steigende Importkosten durch den schwachen Yen könnten die Inflation weiter anheizen.
Der Dienstleistungssektor zeigt mit einem Einkaufsmanagerindex von 53,2 Punkten ein Wachstum, aber reicht das aus, um die Probleme in der Industrie und den Konsumausgaben auszugleichen?
Die Angst vor einem chinesischen Angriff auf Taiwan und die daraus resultierende potentielle Reaktion Japans ist ein ernstzunehmender geopolitischer Faktor, der die Wirtschaft beeinflusst.
Ich bin überrascht, dass der private Konsum im dritten Quartal nur um 0,1 % zunahm, besonders angesichts der Inflation, die seit über drei Jahren über 2 % liegt. Das deutet auf eine große Konsumzurückhaltung hin.
Die Tatsache, dass Japan seit sechs Quartalen erstmals wieder ein negatives Wachstum verzeichnete, ist ein Alarmsignal und sollte genauer untersucht werden.
Der Dienstleistungssektor bietet zwar einen Lichtblick, aber ist er stark genug, um die negativen Auswirkungen der anderen Faktoren zu kompensieren?
Das Konjunkturpaket in Höhe von 21,3 Billionen Yen klingt beeindruckend, aber die Finanzierung über Staatsanleihen könnte langfristig zu Problemen im japanischen Staatshaushalt führen. Wie nachhaltig ist das?
Genau das ist das Problem. Es ist das größte Paket seit Corona, aber die steigende Staatsverschuldung wird ignoriert.
Der Rückgang der Ausgaben privater Haushalte um -3,5% im Oktober ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Inflation das Konsumverhalten stark beeinträchtigt.
Die Reaktion Chinas auf die Äußerungen von Ministerpräsidentin Takaichi bezüglich Taiwan ist drastisch; der Importstopp von Meeresfrüchten scheint ein gezielter Schlag gegen japanische Exporte zu sein.
Hat jemand Informationen darüber, welche Branchen besonders vom Konjunkturpaket profitieren sollen? Die 21,3 Billionen Yen müssen ja gezielt eingesetzt werden.