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Die Vorsorge-Reform verspricht mehr Rendite und Flexibilität. Doch wer genauer hinschaut, erkennt: Der größte Vorteil liegt nicht für jeden auf der Hand.
Die private Altersvorsorge in Deutschland steht vor einem grundlegenden Umbau. Ab 2027 soll die Riester-Rente durch ein staatlich gefördertes Altersvorsorgedepot ersetzt werden.
Mehr Kapitalmarkt, weniger Garantien und klarere Strukturen sollen das System attraktiver machen. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Vieles wird neu gedacht – manches bleibt gleich.
Dieter Homburg berät seit über 25 Jahren Menschen zu privater Krankenversicherung und Risikoabsicherung – mit Schwerpunkt auf langfristiger Beitragsstabilität und Bezahlbarkeit. Er prüft für privat Versicherte kostenlos, ob bestehende PKV-Verträge bei gleichen Leistungen oft mehrere Tausend Euro pro Jahr günstiger gestaltet werden können, und unterstützt insbesondere junge Menschen dabei, eine langfristig stabile private Krankenversicherung zu finden. Er ist Autor des Bestsellers „Altersvorsorge für Dummies“ und Teil des EXPERTS Circle.
Wie das neue Modell funktioniert
Im Zentrum der Reform steht ein Wechsel in der Anlage: Statt starrer Garantien sollen künftig Fonds und ETFs dominieren. Ziel ist es, die Renditechancen zu erhöhen und die Altersvorsorge stärker am Kapitalmarkt auszurichten.
Zusätzlich ist ein staatlich organisiertes Standardprodukt vorgesehen. Dieses soll vor allem Menschen ansprechen, die sich nicht intensiv mit Finanzthemen beschäftigen wollen. Die Idee: ein einfach zugänglicher Einstieg mit vorgegebener Anlagestruktur.
Die Förderung: viel Neues – aber das Prinzip bleibt Riester
Die staatliche Förderung folgt im Kern dem gleichen Prinzip wie bereits bei der Riester-Rente: Eigene Einzahlungen werden durch Zulagen ergänzt – alternativ greift ein Steuervorteil, wenn dieser höher ist.
Neu sind vor allem die konkreten Beträge und die Staffelung der Förderung. Ein Beispiel macht das greifbar. Ein Ehepaar mit zwei Kindern zahlt 1800 Euro jährlich ein. Im neuen Altersvorsorgedepot ergibt sich daraus:
- 540 Euro Grundzulage
- 600 Euro Kinderzulage (2 × 300 Euro)
Die Gesamtförderung liegt bei 1140 Euro pro Jahr, der Eigenanteil entspricht 660 Euro.
Zum Vergleich, die gleiche Situation in der klassischen Riester-Rente:
- 175 Euro Grundzulage pro Person (also 350 Euro)
- 300 Euro Kinderzulage pro Kind (bei nach 2008 geborenen Kindern)
Die Gesamtförderung liegt hier bei 950 Euro pro Jahr und der Eigenanteil entspricht 850 Euro.
„Familien mit Kindern und geringem Eigenanteil profitieren“
Das neue Modell bietet in diesem Beispiel rund 190 Euro mehr Förderung pro Jahr. Wichtig ist dabei jedoch, dass dieser Vorteil nur gilt, solange die Förderung über Zulagen erfolgt.
Sobald – wie auch bei Riester – der Steuervorteil höher ist als die Zulage, greift dieser stattdessen. In diesen Fällen nähern sich die Modelle in der Förderung wieder an.
Das Grundprinzip bleibt also unverändert. Auch weiterhin profitieren vor allem Familien mit Kindern und vergleichsweise geringem Eigenanteil.
Zusätzliche Einzahlungen: steuerlicher Vorteil mit offenen Fragen
Über die geförderten 1800 Euro hinaus können jährlich weitere Beiträge in das Altersvorsorgedepot eingezahlt werden – aktuell ist hier von rund 5040 Euro zusätzlich die Rede.
Diese Einzahlungen werden weder staatlich gefördert noch sind sie steuerlich absetzbar. Der Vorteil liegt ausschließlich in der steuerlichen Behandlung während der Ansparphase:
- keine Abgeltungssteuer auf Erträge
- keine Besteuerung bei Umschichtungen
- keine Vorabpauschale
Die Besteuerung erfolgt erst im Alter. Wie genau diese im Detail ausgestaltet wird, ist aktuell noch nicht abschließend geklärt. In der Diskussion wird davon ausgegangen, dass zumindest nicht die gesamte Auszahlung, sondern vor allem die Erträge besteuert werden.
Gleichzeitig stellt sich bei genau diesen zusätzlichen Einzahlungen eine entscheidende Praxisfrage: Wie flexibel ist dieses Geld tatsächlich nutzbar?
Denn anders als bei einem klassischen ETF-Depot dürfte ein vorzeitiger Zugriff nicht ohne Folgen bleiben. Es ist davon auszugehen, dass in diesem Fall die zuvor gestundeten Steuern nachträglich berücksichtigt werden – also genau die Effekte, die während der Ansparphase bewusst vermieden wurden.
Wie aufwendig dieser Prozess im Detail ist und wie schnell solche Anpassungen umgesetzt werden können, ist bislang offen. Gerade hier zeigt sich ein möglicher Zielkonflikt. Während das Modell steuerlich optimiert ist, lebt die klassische Geldanlage von Flexibilität.
Ob sich beides in der Praxis reibungslos verbinden lässt, wird entscheidend dafür sein, wie attraktiv dieser Teil des Systems tatsächlich ist.
Kosten: relevant – aber nicht entscheidend allein
Die geplante Kostenobergrenze von rund einem Prozent pro Jahr wirkt auf den ersten Blick moderat. Tatsächlich kann sie über Jahrzehnte hinweg einen erheblichen Teil der Rendite kosten.
Gleichzeitig greift die reine Kostenbetrachtung zu kurz. Entscheidend ist nicht nur, wie günstig ein Produkt ist – sondern wie damit umgegangen wird. Denn selbst niedrige Kosten schützen nicht vor Fehlentscheidungen in schwierigen Marktphasen.
„Die entscheidende Herausforderung liegt im Verhalten der Anleger.“
Kapitalmarkt: mehr Chancen, mehr Eigenverantwortung
Mit dem stärkeren Fokus auf ETFs und Fonds steigen die Renditechancen. Gleichzeitig tragen Sparer künftig mehr Verantwortung. Kapitalmärkte schwanken. Rückgänge von 30 oder 40 Prozent sind keine Ausnahme, sondern Teil langfristiger Entwicklungen.
Die entscheidende Herausforderung liegt daher weniger im Produkt selbst, sondern im Verhalten der Anleger. Gerade hier liegt ein kritischer Punkt:
Viele Sparer haben entweder negative Erfahrungen aus der Vergangenheit oder kennen bislang nur steigende Märkte. Ob das neue System funktioniert, hängt maßgeblich davon ab, ob Anleger auch in schwierigen Phasen investiert bleiben.
Auszahlung: bekannte Modelle, neu gewichtet
Auch bei der Auszahlphase ergeben sich Anpassungen. Künftig soll der Auszahlplan stärker in den Vordergrund rücken, während die klassische lebenslange Rente weniger stark vorgegeben ist. Allerdings handelt es sich dabei nicht um ein völlig neues Prinzip.
Schon bei Riester waren Kombinationen aus Teilauszahlung und Verrentung möglich. Der Unterschied liegt vor allem in der Gewichtung. Das neue Modell setzt stärker auf planbare Entnahmen über einen festen Zeitraum.
Das grundlegende Risiko bleibt jedoch bestehen: Wer sein Kapital über einen bestimmten Zeitraum aufteilt, muss sicherstellen, dass es auch tatsächlich bis zum Lebensende reicht.
Moderner Ansatz – mit bekannten Herausforderungen
Das Altersvorsorgedepot bringt spürbare Veränderungen. Die Anlage wird kapitalmarktorientierter, die Förderung bleibt bestehen und zusätzliche steuerliche Möglichkeiten kommen hinzu.
Gleichzeitig zeigt sich: Das System wird nicht automatisch einfacher. Die Förderung bleibt erklärungsbedürftig, die steuerlichen Details sind komplex und der langfristige Erfolg hängt stärker denn je vom Verhalten der Sparer ab.
Damit ist das neue Modell ein Schritt nach vorn – aber kein Selbstläufer. Entscheidend wird sein, wie gut es gelingt, Theorie und Praxis zusammenzubringen.
Vielen Dank an Alltagsvorsorge-Spezialist Jannis Strothman, der mich bei diesem Beitrag unterstützt hat.
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6 Kommentare
I’ve been following this closely. Good to see the latest updates.
This is very helpful information. Appreciate the detailed analysis.
Great insights on News. Thanks for sharing!
Good point. Watching closely.
Solid analysis. Will be watching this space.
Interesting update on Erfolg hängt stärker denn je vom Verhalten der Sparer ab. Looking forward to seeing how this develops.