Der Schweizer Vorsorge- und Anlageanbieter finpension verzeichnet ein deutliches Wachstum. Nach Angaben von Mitgründer und Firmenchef Ivo Blättler sind die verwalteten Vermögen innerhalb von weniger als einem Jahr um 50 Prozent auf 6 Milliarden Franken gestiegen. Blättler äußerte sich dazu in einem Interview mit dem Schweizer Wirtschaftsportal Moneycab, das am 17. August 2026 veröffentlicht wurde.
Parallel zum Vermögenszuwachs hat sich auch die Kundenbasis ausgeweitet: Mehr als 75’000 Kundinnen und Kunden nutzen inzwischen die Angebote des Unternehmens. finpension bündelt digitale Lösungen für die Altersvorsorge und die Vermögensanlage und positioniert sich damit im Wettbewerb mit klassischen Banken, Versicherern und Sammelstiftungen.
1e-Geschäft als zentraler Treiber
Als wesentlichen Faktor für die Entwicklung nennt Blättler das sogenannte 1e-Geschäft, das er als Kern der Wachstumsstrategie bezeichnet. Der Begriff verweist auf eine Besonderheit der schweizerischen beruflichen Vorsorge: 1e-Pläne erlauben es Arbeitnehmenden mit höheren Einkommen, die Anlagestrategie für den überobligatorischen Teil ihres Vorsorgekapitals selbst zu wählen. Anders als in einer klassischen Gemeinschaftslösung tragen die Versicherten dabei das Anlagerisiko selbst – und erhalten im Gegenzug die Rendite ihres individuell gewählten Portfolios.
Für digitale Anbieter ist dieses Segment attraktiv, weil es standardisierte Prozesse, transparente Kostenstrukturen und indexnahe Anlagelösungen begünstigt. Für Arbeitgeber verändert sich mit einem 1e-Plan zudem die Bilanzsituation, da Deckungsgradrisiken aus dem überobligatorischen Bereich anders verteilt werden. Blättler hebt in dem Gespräch hervor, dass dieses Geschäft für die weitere Expansion von finpension eine tragende Rolle spielen soll.
Eigene Banklizenz als Grundlage
Ein weiterer Punkt, den der Firmenchef anspricht, ist die regulatorische Aufstellung des Unternehmens. finpension verfügt laut dem Interview über eine eigene Banklizenz. Eine solche Zulassung erweitert den Handlungsspielraum eines Finanzdienstleisters erheblich: Sie erlaubt es, Kundengelder selbst zu verwahren und Dienstleistungen anzubieten, für die andernfalls eine Partnerbank eingeschaltet werden müsste. Gleichzeitig unterliegt ein lizenzierter Anbieter der laufenden Aufsicht und muss Eigenmittel- und Organisationsvorschriften erfüllen.
Für Kundinnen und Kunden bedeutet das in der Praxis vor allem eines: Die Wertschöpfungskette bleibt stärker im eigenen Haus, was sich auf Kostenstruktur und Produktgestaltung auswirken kann. Über konkrete Auswirkungen auf die Gebühren äußert sich das veröffentlichte Interviewfragment nicht.
Was bislang offen bleibt
Die verfügbaren Angaben beschränken sich auf Wachstumskennzahlen. Zu Ertrag, Gewinn oder Marge des Unternehmens werden keine Zahlen genannt. Ebenso bleibt offen, wie sich der Vermögenszuwachs zwischen Netto-Neugeldzuflüssen und Marktentwicklung aufteilt – eine Unterscheidung, die bei Anlageanbietern für die Beurteilung der operativen Dynamik zentral ist. Denn steigende Aktien- und Obligationenkurse erhöhen die verwalteten Vermögen auch dann, wenn keine neuen Gelder hinzukommen.
Auch zur konkreten Ausgestaltung der nächsten Wachstumsschritte nennt das Interview keine Details wie Zeitpläne oder Zielmärkte. Blättler spricht allgemein über die weiteren Pläne des Unternehmens, ohne dass daraus im vorliegenden Auszug quantifizierbare Ziele hervorgehen.
Einordnung: Wettbewerb um Schweizer Vorsorgegelder
Das Segment der digitalen Vorsorge hat in der Schweiz in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Anbieter, die Säule-3a-Lösungen und Freizügigkeitskonten mit Wertschriftenanlagen kombinieren, konkurrieren dabei über Kosten, Anlageauswahl und Nutzerführung. Klassische Kontolösungen ohne Wertschriftenanteil verlieren in einem Umfeld, in dem Anlegerinnen und Anleger stärker auf langfristige Renditechancen achten, tendenziell an Attraktivität.
Das 1e-Geschäft ist dabei ein Markt mit begrenztem, aber wachsendem Adressatenkreis, da nur Lohnbestandteile oberhalb einer gesetzlich definierten Schwelle in solche Pläne eingebracht werden können. Der Zugang führt in der Regel über den Arbeitgeber, was den Vertrieb von Firmenkundenbeziehungen abhängig macht. finpension setzt damit auf ein Segment, in dem Abschlüsse über Unternehmen statt über Einzelkunden laufen – ein Modell, das größere Volumina pro Mandat, aber auch längere Verkaufszyklen mit sich bringt.
Als privates Unternehmen ist finpension nicht börsennotiert; die genannten Kennzahlen stammen aus den eigenen Angaben des Managements und sind nicht Teil eines geprüften Zwischenberichts. Eine unabhängige Bestätigung der Wachstumszahlen liegt nicht vor. Wie nachhaltig die Dynamik ist, dürfte sich erst zeigen, wenn das Unternehmen Angaben über mehrere Berichtsperioden hinweg vorlegt.
Quelle: FinanzNachrichten.de: Aktuelle Nachrichten
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