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Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) will den Glasfaserausbau „massiv“ beschleunigen. Derzeit steht etwa 55 Prozent der Haushalte ein Glasfaseranschluss zur Verfügung. Bis zum Ende der Legislaturperiode sollen es 75 Prozent „oder mehr“ sein, sagte Wildberger am Dienstag zum Auftakt der Breitbandmesse Anga Com in Köln.
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Die Herausforderungen seien zwar hoch, doch „die mittel- und langfristigen Perspektiven dieses Marktes werden derzeit unterschätzt“, so der Minister weiter. Doch Deutschland kranke an sich selbst: „Als hätte Deutschland eine Auto-Immunkrankheit entwickelt“.
Wildberger beklagt atomisierte Verantwortung: viele Zuständigkeiten, aber keine klaren Verantwortungen. Zugleich werde alles kommentiert, aber niemand liefere. „Wir richten uns gegen uns selbst und das lähmt“, resümierte der Bundesdigitalminister.
Infrastrukturpolitik als Wohlstandspolitik
In Wildbergers Zielbild für 2029 sind Netze und Infrastrukturen die Fundamente, die Ziele wie Standardisierung, Verwaltungsdigitalisierung sowie KI und Souveränität tragen. Deshalb beginnt für Wildberger digitale Souveränität bei Netzen und Frequenzen: „Infrastrukturpolitik ist Wohlstandspolitik.“ Ohne leistungsfähige Infrastruktur keine Digitalisierung, ohne Digitalisierung kein Wachstum.
Ein großer Hebel für beschleunigten Glasfaserausbau ist der Wechsel von Kupfer- auf Glasfasernetze. Ein Migrationskonzept existiert bereits. Wildberger will im Rahmen der Novelle des Telekommunikationsgesetzes (TKG) mehr Klarheit schaffen. Wichtig ist ihm dabei, dass Menschen und Unternehmen mitgenommen werden. „Die Versorgung muss jederzeit sichergestellt sein“, betonte Wildberger. Zudem plädierte er für gebietsweise Abschaltung der Kupfernetze. Bundesweite Abschaltung an einem konkreten Tag X sei mit ihm nicht zu machen.
Das fordert die Telekommunikationsbranche auch nicht, jedoch würde sie lieber heute als morgen mit der Abschaltung der Kupfernetze beginnen, um den Wechsel auf Glasfaser einzuleiten und zu forcieren. Auf dem Gigabit-Gipfel der Anga Com sprach sich Marcel de Groot, CEO von Vodafone Deutschland, dafür aus, die DSL-Netze bis 2028 abzuschalten und damit nicht bis 2035 zu warten. „Das ist zu spät“, sagte de Groot in Köln. „Ohne unsere Netze gibt es keine Digitalwende und ohne Digitalwende gibt es kein Wachstum.“
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Kaum Glasfaseranschlüsse in Mehrfamilienhäusern
Zumindest NetCologne könnte mit der Abschaltung der DSL-Netze sofort beginnen. Wie Geschäftsführer Timo von Lepel ausführte, stehen in Köln rund 3.600 Kabelverzweiger, von denen NetCologne schon heute 1.800 abschalten könnte, weil die darüber versorgten Gebäude allesamt mit Glasfaser angebunden sind. Die DSL-Abschaltung wäre laut von Lepel ein starkes Signal an den Markt. „Wir müssen den Prozess in der Praxis starten“, forderte der NetCologne-Chef.
Was ihm möglich ist, gilt allerdings nicht für alle Regionen in Deutschland. Ausgerechnet Mehrfamilienhäuser, durch deren Erschließung relativ schnell viele Kunden gewonnen werden können, sind kaum an Glasfasernetze angeschlossen. Laut einer Marktanalyse des Verbands der Anbieter im Digital- und Telekommunikationsmarkt (VATM) und des Breitbandverbands Anga verfügen von 30,5 Millionen Wohneinheiten, die es in Deutschland in Mehrfamilienhäusern gibt, nur 2,9 Millionen über einen Glasfaseranschluss. Für 90 Prozent dieser Wohnungen müsste die Glasfaser zunächst in die Häuser geführt werden, bevor man dort das Kupferkabel abschalten könnte.
(vbr)
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5 Kommentare
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