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Kaub liegt im Mittelrheinabschnitt zwischen St. Goar und Budenheim bei Mainz. In den vergangenen Tagen sank hier das Wasser schnell: Der Stand lag vor knapp drei Wochen bei mehr als 50 Zentimetern. Niedrigwasser betrifft nicht nur diesen Pegel: Vielerorts wurden Rekorde aufgestellt. Im Niedrigwasserjahr 2018 betrug der zuvor niedrigste Stand seit Messbeginn bei Kaub 25 Zentimeter. Die regelmäßige Beobachtung begann mit einem Lattenpegel bereits 1856.
„Im Moment zeigt der aktuell gemessene Wasserstand einen Wert von acht Zentimetern. Das sind 17 Zentimeter unterhalb des jemals gemessenen niedrigsten Wasserstands am Pegel Kaub“, sagte ein Sprecher der Bundesanstalt für Gewässerkunde. „Das sind allerdings erst Rohdaten.“
Pegelstand ist nicht gleich Fahrrinnentiefe
Die Zahl bedeutet nicht, dass das Wasser nur acht Zentimeter hoch steht. Denn ein Pegelstand ist eine relative, von einem festgelegten Punkt aus gemessene Wasserhöhe. Er zeigt damit nicht die tatsächliche Wassertiefe bis zum Boden.
Für die Schifffahrt ist vor allem die Fahrrinnentiefe entscheidend. Die Fahrrinne ist der Bereich, in dem im Normalfall bestimmte Breiten und Tiefen für den Schiffverkehr vorhanden sind. Je nach Rhein-Abschnitt gibt es Unterschiede.
Die Fahrrinnentiefe bei Kaub soll am Vormittag bei etwas mehr als 1,20 Meter gelegen haben. „Aber sie reduziert sich mit jedem Zentimeter, den der Wasserstand fällt“, teilte das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein mit.
Warum Kaub entscheidend ist
Bereits am Montag hatte der Chef des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB), Jens Schwanen, mit Sorge auf einen einstelligen Pegelstand in Kaub geblickt. „Dann macht gewerbliche Schifffahrt einfach keinen Sinn, weil dann bleiben die Schiffe liegen“, hatte er gesagt.
Der Flussabschnitt zwischen St. Goar und Budenheim stellt dem BDB zufolge ein Nadelöhr für die Rheinschifffahrt dar. Dort sei die Fahrrinne schlechter ausgebaut als stromaufwärts und stromabwärts. Schiffe können diesen Abschnitt nicht überspringen oder umfahren – sie müssen sich nach den Gegebenheiten richten. So sehen auch die Industrie- und Handelskammern für Rheinhessen und Pfalz einen Engpass, der Kapazität auf dem Rhein begrenzt.
Alarmsignal für Flussökosysteme
Die sinkenden Wasserstände seien nicht nur ein Problem für die Schifffahrt, sondern ein Alarmsignal für ganze Flussökosysteme, teilte der Naturschutzbund (Nabu) Rheinland-Pfalz mit. Demnach geraten Fische, Muscheln und Amphibien zunehmend unter Druck, teils in Lebensgefahr. Mit sinkenden Wasserständen erwärmten sich Flüsse schneller, zugleich nehme der Sauerstoffgehalt ab. Schad- und Nährstoffe würden weniger verdünnt, was die Wasserqualität verschlechtere und Algenblüten begünstigen könne./wo/DP/stk
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