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„In den ersten Jahren des Krieges gegen die Ukraine hat sich die russische Wirtschaft als widerstandsfähiger erwiesen, als viele erwartet hatten, doch nun sind die Reserven aufgebraucht“, sagte Moritz Schularick, Präsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft. Das Wirtschaftswachstum sei zum Stillstand gekommen, während die Abhängigkeit von China wachse. Höhere Ölpreise durch den Krieg am Golf dürften hingegen wohl nur vorübergehende Effekte haben.
So stellt der Bericht fest: Die liquiden Vermögenswerte des russischen Staatsfonds seien von 6,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu Kriegsbeginn auf nur noch 1,8 Prozent im April 2026 geschrumpft. Gleichzeitig habe das Defizit des Bundeshaushalts schon in den ersten drei Monaten des Jahres das Ziel der Regierung für 2026 überschritten. Zugleich brachen die Öl- und Gaseinnahmen im ersten Quartal dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 45 Prozent ein.
Russlands Abhängigkeit von China
Russlands Herausforderungen sind laut dem Bericht allerdings nicht mehr nur finanzieller Natur. „Die grundlegende Einschränkung, mit der Russland heute konfrontiert ist, ist nicht der Zugang zu Geld, sondern der Zugang zu Arbeitskräften, Technologie und Produktionskapazitäten“, teilte Matthew Klein, Autor des Ökonomie-Blogs „The Overshoot“, mit. Doch weil Arbeitskräfte so knapp wie nie und Sanktionen in Kraft seien, wachse mit höheren Staatsausgaben das Inflationsrisiko, statt die militärische Leistungsfähigkeit Russlands zu steigern.
Zudem steigt laut dem Bericht Russlands Abhängigkeit von China. China bestreite inzwischen rund 35 Prozent des gesamten russischen Außenhandels und liefere den überwiegenden Teil der kritischen Güter mit ziviler und militärischer Nutzung sowie der militärisch relevanten Komponenten. Das Land trage zudem zu etwa drei Vierteln des Anstiegs russischer Importe sanktionierter, kritischer Militärkomponenten seit 2022 bei.
Der Bericht argumentiert, dass Russland sich aus Not und nicht aus freiem Willen China zuwende. Diese Entscheidung habe eine Abhängigkeit geschaffen, die Russlands Kriegswirtschaft zwar kurzfristig stützt, langfristig jedoch seine wirtschaftliche Unabhängigkeit und Verhandlungsstärke schwächt.
Autoren schlagen strenge Exportkontrollen vor
Die Autorinnen und Autoren des „Kiel-Reports“ sehen in Russlands wachsender wirtschaftlicher Verwundbarkeit eine Chance für den Westen, politisch wirksamer zu handeln. So seien Exporteinnahmen aus Öl (Rohöl) und Gas ein entscheidender Faktor zur Aufrechterhaltung des russischen Krieges in der Ukraine.
„Die Durchsetzung von Preisobergrenzen muss im Mittelpunkt der Sanktionspolitik stehen“, erklärte Torbjörn Becker, Direktor des Stockholm Institute of Transition Economics. Dazu gehörten auch neue Bemühungen, Russlands Schattenflotte einzuschränken. Zudem schlagen die Autoren strengere Exportkontrollen vor, besonders mit Blick auf chinesische Lieferanten. Auch neue Maßnahmen zur Senkung der russischen Exporteinnahmen empfehlen sie.
Im Jahr 2022 hat Russland eine Invasion in sein Nachbarland Ukraine begonnen. Ein Ende ist nicht abzusehen. Russland will die Ukraine militärisch und politisch zurück in seinen Machtbereich zwingen. Es hält einschließlich der schon 2014 annektierten Halbinsel Krim knapp ein Fünftel der Ukraine besetzt./xil/DP/stw
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6 Kommentare
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