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Chinesische Automarken wie BYD und MG Roewe gewinnen rasant Marktanteile in Deutschland. Experten warnen vor starkem Wettbewerb.
Fahrzeuge aus China sind auf Deutschlands Straßen nicht mehr zu übersehen. Ihr Marktanteil legt rasant zu. Laut dpa machten sie im ersten Quartal bereits 3,1 Prozent der neu zugelassenen Autos aus, wie Daten des Kraftfahrtbundesamtes zeigen. Auch wenn die Zahl klein wirkt, die Entwicklung ist explosiv: Der Anteil nimmt stetig zu.
Zwei Hersteller geben dabei besonders Gas: BYD und MG Roewe. Gemeinsam stehen sie für weit über die Hälfte aller Neuanmeldungen chinesischer Fabrikate hierzulande im ersten Quartal. Dabei sind Konzerne wie Volvo oder Smart, die mittlerweile chinesischen Eigentümern gehören, noch nicht einmal in dieser Statistik enthalten.
„Die machen unheimlich Druck“
In der gesamten EU ist der Vormarsch der chinesischen Hersteller sogar noch deutlicher. Für Januar und Februar weist der Branchenverband ACEA allein für BYD einen Marktanteil von 1,8 Prozent aus. Die MG-Muttergesellschaft SAIC, die auch Maxus umfasst, kommt auf 1,9 Prozent. Die Daten für März stehen noch aus.
„Die machen unheimlich Druck“, bestätigt Stefan Reindl, Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft in Geislingen. Ein entscheidender Faktor ist der Aufbau von Autohäusern. Mehrere chinesische Hersteller haben in kurzer Zeit beachtliche und rasch expandierende Vertriebsnetze geschaffen.
Bei MG Roewe zählte man vor Kurzem 180 Standorte, bei BYD waren es circa 155 – und laut Reindl dürften es mittlerweile mehr sein. Hinzu kommt Leapmotor mit rund 120 Standorten dank einer Partnerschaft mit Stellantis. „Die Marken haben erkannt, dass es für Erfolg in Deutschland ein Händlernetz braucht, zur Sichtbarkeit und für Beratungsmöglichkeiten vor Ort.“
Burkhard Weller, dessen Wellergruppe mit ihren 42 Autohäusern zu den Schwergewichten im deutschen Autohandel zählt, hat sein Angebot erweitert. Neben seinen Kernmarken BMW und Toyota verkauft er nun an 12 Standorten BYD und an 10 Standorten MG Roewe. „Wir sind sehr zufrieden“, erklärt er.
„Der Absatz läuft gut, die Kunden kommen sehr bewusst zu uns und haben sich in der Regel auch schon intensiv mit den chinesischen Marken beschäftigt.“ Die Initiative sei von beiden Herstellern ausgegangen. „Wir haben uns das genau angeschaut und sind überzeugt, die richtigen an Bord zu haben.“ Andere große Händlergruppen haben ebenfalls BYD oder MG in ihr Programm aufgenommen.
Experte: Nicht jeder wird überleben
Die Wachstumschancen für die etablierten chinesischen Hersteller in Deutschland stehen also nicht schlecht. Experte Reindl vermutet jedoch, dass nicht alle Anbieter, die momentan auf den Markt drängen, sich halten können.
„Eher fünf bis sechs Marken – mit einem Marktanteil von insgesamt vielleicht acht bis zehn Prozent“, prognostiziert er. Der Markt in Deutschland sei fordernd und von starkem Wettbewerb geprägt. Zudem sei die Markentreue der Kunden gegenüber deutschen Herstellern ein wichtiger Faktor.
Ein Teil des momentanen Zuwachses sei außerdem auf hohe Rabatte bei Verkäufen an Autovermietungen und Eigenzulassungen durch Händler zurückzuführen. Solche Strategien zur Absatzförderung sind kostspielig.
Noch sind chinesische Fabrikate im Alltag eher eine Seltenheit. Am 1. Januar waren von den insgesamt 49,5 Millionen registrierten Fahrzeugen in Deutschland lediglich 131.000 aus China. Das entspricht einem Anteil von nur 0,26 Prozent. Der Trend zeigt jedoch steil nach oben.
Preiskampf in China treibt Export an
In ihrem Heimatland China stehen die Autobauer unter massivem Druck, ihre Wagen im Ausland zu verkaufen. Dort tobt ein erbitterter Konkurrenzkampf, und Rabattschlachten schmälern die Gewinne. Das Geschäft mit dem Export floriert daher umso mehr, insbesondere bei Autos mit Elektroantrieb.
Laut dem Branchenverband CPCA aus China wurden allein im März etwa 349.000 Elektro- und Hybridfahrzeuge ins Ausland geliefert. Das ist eine Steigerung von beinahe 140 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. „Chinesische Autohersteller haben in Deutschland deutliche Fortschritte gemacht, und ein weiteres Vordringen ist zu erwarten“, äußert sich Cui Dongshu, der Generalsekretär des CPCA.
Nahost-Konflikt als unerwarteter Schub?
Die Spannungen in der Nahost-Region könnten diese Entwicklung sogar noch befeuern. „Die Verwerfungen an den Energiemärkten haben den Wunsch nach Elektromobilität weltweit angeheizt, besonders auch in Europa und Deutschland“, analysiert Peter Fintl, Automobilexperte bei der Beratungsfirma Capgemini. „Der Ölpreis öffnet die Tür, das bessere Produkt hält sie offen.“ Er meint damit, dass die Fahrzeuge qualitativ erheblich zugelegt haben und Kunden für ihr Geld heute viel mehr E-Auto erhalten als noch vor zwei Jahren.
Eine günstigere Startposition für chinesische Marken sieht auch Nicola Borgo von der Unternehmensberatung Arthur D. Little. Anziehende Ölpreise würden den Bedarf an E-Autos steigern, während Hersteller aus Europa zugleich mit höheren Kosten zu kämpfen hätten.
Neuheiten auf der Automesse in Peking
Auf der „Auto China 2026“, der Automobilmesse in Peking, werden diese Woche voraussichtlich neue Fahrzeuge und Strategien zur Expansion im Mittelpunkt stehen.
Als Bremsklotz könnten sich die seit 2024 wirksamen Sonderzölle der EU auf Elektroautos aus China erweisen. Den Siegeszug der chinesischen Fabrikate in Europa haben sie bisher aber anscheinend nicht aufhalten können. Gleichzeitig forcieren manche Produzenten den Aufbau einer Fertigung in Europa. Diese Entwicklung hat auch der Branchenkenner Ferdinand Dudenhöffer im Blick. „Die Dominanz von China wird in den nächsten Jahren “exportiert„ werden“, notiert er in einer neuen Untersuchung. „Es ist ein ähnliches Modell, wie das der Japaner vor 50 Jahren oder der Deutschen vor 70 Jahren.“
Und jetzt der Hammer-Vorschlag: Olaf Lies (SPD), Ministerpräsident von Niedersachsen und Mitglied im VW-Aufsichtsrat, hat eine ganz andere Idee öffentlich gemacht. Er schlug den Bau von chinesischen Fahrzeugen in den deutschen Werken von Volkswagen vor. Gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ erklärte er, man könne den Vorstoß chinesischer Hersteller auf den europäischen Markt nicht aufhalten. Ihm gehe es vor allem darum, Arbeitsplätze in den deutschen VW-Fabriken zu erhalten und die Auslastung der Standorte zu gewährleisten.
Währenddessen bereiten in China schon die nächsten Produzenten ihren Start in Deutschland vor. Der Experte Fintl rechnet nicht mit einer plötzlichen Revolution, sondern mit einer allmählichen Veränderung. Er fasst es so zusammen: „Nicht als Tsunami, sondern als steigende Flut. Langsamer, als in China erhofft wird, aber nachhaltiger und kraftvoller, als man in Wolfsburg, Paris oder Turin fürchtet.“
Das Original zu diesem Beitrag „„Die machen unheimlich Druck“: So erobern chinesische Marken jetzt den deutschen Automarkt“ stammt von Kölner Express.
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5 Kommentare
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