Gewinne sind das 7. Quartal in Folge zweistellig gestiegen
Einige Fakten sprechen dagegen. Denn schaut man sich die gerade vorgelegten Quartalszahlen an dann
ist die Rally durchaus erklärbar: Denn rund 90 Prozent der im S&P 500 notierten US-Konzerne haben ihre Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt. Und die Daten des Analysehauses Factset zeigen:
Die Gewinne sind im zweiten Quartal um sage und schreibe 47 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal gestiegen. Damit wären die Gewinne sieben Quartale in Folge zweistellig
gewachsen.
Das ist „Femo“ par excellence, also ein „fabulous earnings momentum “ pur. Aber kann dieses
Gewinn-Momentum ewig weiter gehen? Das mit Sicherheit nicht. Denn die Risiken sind nicht von der Hand zu weisen. Der Iran-USA-Krieg kann jederzeit wieder aufflammen – und der Krieg in der Ukraine
könnte auch wieder eskalieren. Und dann die Inflation in den USA. Der Verbraucherpreisindex stieg im Juli wie erwartet um 0,1 Prozent zum Vormonat und um 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und das
sorgt für eine gewisse Erleichterung an den Märkten. Denn sie macht eine Zinsanhebung der amerikanischen Notenbank Fed erst einmal unwahrscheinlich. Grund für den zumindest
vorübergehend leichten Rückgang der Jahresrate war, dass der Preis für US-Öl der Sorte WTI Anfang Juli auf das niedrigste Niveau seit Ende Februar gesunken war – mittlerweile
notiert er wieder höher. Wichtiger für die Geldpolitik der Fed dürfte aber sein, dass die um die stark schwankenden Energie- und Nahrungsmittelpreise bereinigte Kerninflationsrate
lediglich um 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr stieg. Das ist die geringste Jahresrate seit März 2021. Dies wurde an den Märkten entsprechend mit Erleichterung aufgenommen: Die
Terminmärkte preisen die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der Fed im September nur noch mit rund 35 Prozent ein.
Gegenwind für US-Aktien begrenzt
Deshalb dürfte der Gegenwind zumindest an der Wall Street begrenz sein. Hinzu kommt: Das
Aktienangebot an den US-Märkten hat im laufenden Jahr spürbar zugenommen. Laut Daten der Federal Reserve stiegen die Nettoneuemissionen von Aktien im ersten Quartal auf rund 25 Milliarden US-Dollar
und waren damit erstmals seit dem ersten Quartal 2021 wieder positiv. Unternehmen führten dem Markt per Saldo mehr Aktien zu – zum Beispiel durch Börsengänge und Kapitalerhöhungen
wie bei Intel –, als durch Aktienrückkäufe, Übernahmen und andere Kapitalmaßnahmen entzogen wurden. Für das zweite Quartal signalisieren Analysten eine
weitere Beschleunigung, die jedoch auf wenige große Transaktionen wie etwa SpaceX zurückzuführen ist. Für die Märkte ist das höhere Angebot verkraftbar: Gemessen an der Marktkapitalisierung bleiben
Neuemissionen historisch betrachtet moderat. Zudem dürften robuste Aktienrückkäufe, insbesondere von Finanz- und Halbleiterunternehmen, den zusätzlichen Angebotsdruck abfedern.
Auch in Europa sieht es gut aus. Die Berichtssaison hat positiv überrascht, während sich die
Bewertungen weiterhin sehr in Grenzen halten. Denn europäische Aktien sind aktuell so günstig bewertet wie seit Jahren nicht mehr. Laut Daten von JP Morgan Asset Management liegt der
Bewertungsabschlag gegenüber US-Aktien bei rund 35 Prozent. Bemerkenswert ist dabei: Die Unterbewertung lässt sich nicht allein durch unterschiedliche Branchenstrukturen erklären. Innerhalb nahezu
aller Sektoren sind europäische Unternehmen deutlich günstiger bewertet, teils um bis zu 60 Prozent.
Deshalb haben wir als Modern-Value-Investoren die Portfolios unserer Mandate wie dem Frankfurter
Aktienfonds für Stiftungen und dem Frankfurter UCITS-ETF – Modern Value mehr in Richtung Europa ausgerichtet. So gehören die britischen Computercenter und Croda genauso wie die norwegische
Finanzgruppe Storebrand zu den von uns bevorzugten Titeln. Und aus deutscher Sicht eine SAP, die Allianz und die Münchner Rück. Das bedeutet aber nicht, dass wir
US-Aktien komplett links liegen lassen. So findet sich in den Portfolios genauso Microsoft, wie eine Adobe oder eine Alphabet wieder. Die Mischung macht’s halt.
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