Der israelische Software-Anbieter Wix.com hat am Dienstagmittag Quartalszahlen vorgelegt, die über den Analystenschätzungen lagen. Der Umsatz stieg um 14,9 Prozent auf 563,1 Millionen US-Dollar und übertraf die Konsensschätzung damit um 10,3 Millionen US-Dollar. Das Unternehmen betreibt eine Plattform zur Erstellung und zum Betrieb von Websites.
Getragen wurde das Wachstum von höheren Buchungen und einer stabilen Beibehaltungsquote, also dem Anteil der Kunden, die ihre Abonnements fortführen. Die Buchungen legten um 12 Prozent auf 569,1 Millionen US-Dollar zu, davon 405,8 Millionen US-Dollar im Bereitstellungsgeschäft und 163,3 Millionen US-Dollar bei den Geschäftslösungen.
Bereinigter Gewinn über Schätzung, unter dem Strich ein Verlust
Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 1,39 US-Dollar und damit 18 Cent über den Erwartungen. Im Vorjahresquartal hatte Wix.com je Anteil noch 2,28 US-Dollar ausgewiesen. Ohne Bereinigungen fiel das Ergebnis negativ aus: Wix.com verbuchte einen Nettoverlust von 76,4 Millionen US-Dollar nach einem Gewinn von 57,7 Millionen US-Dollar im Vergleichszeitraum.
Ausschlaggebend für den Vorzeichenwechsel waren höhere Entwicklungs- und Marketingausgaben. In diesen beiden Bereichen stiegen die Kosten um rund 110 Millionen US-Dollar. Weitere 53,4 Millionen US-Dollar der betrieblichen Aufwendungen entfielen auf Aktienvergütungen, die nicht zahlungswirksam sind. Aus laufender Geschäftstätigkeit flossen dem Unternehmen 55,6 Millionen US-Dollar zu, der freie Cashflow lag bei 52,6 Millionen US-Dollar.
Jahresprognose bestätigt
Den Ausblick für das Gesamtjahr hat Wix.com bekräftigt: Erwartet wird weiterhin ein Umsatzwachstum im niedrigen bis mittleren Zehnprozentbereich. Die Analystenschätzung liegt bei 12,7 Prozent. Die Cashflow-Rendite soll im mittleren Zehnprozentbereich liegen – bereinigt um Restrukturierungskosten sowie Aufwendungen für die Übernahmen von Base44 und Hour One. Das Nettovermögen bezifferte das Unternehmen zuletzt auf rund 436 Millionen US-Dollar.
Kursreaktion und Vorgeschichte
In der US-Vorbörse reagierte die Aktie deutlich: Das Papier zog fast zweistellig auf rund 62,50 US-Dollar an und machte damit den Rücksetzer der Vorwoche wieder wett. Zuvor hatte die Aktie eine ausgeprägte Talfahrt hinter sich – gegenüber dem 52-Wochen-Hoch bei 190,93 US-Dollar hatte sie zeitweise nahezu 80 Prozent verloren.
Charttechnisch bleibt das übergeordnete Bild angeschlagen, hat sich aber aufgehellt. Die von August 2025 bis Juli 2026 bestehende Abwärtstrendlinie ist überwunden, ebenso die 50-Tage-Linie und der Widerstandsbereich bei 50 US-Dollar. Als nächste Hürde gilt die Zone zwischen 75 und 82 US-Dollar, in der auch die 200-Tage-Linie verläuft. In den Indikatoren RSI und MACD hatten sich zuvor über Monate bullische Divergenzen gebildet.
Branchenumfeld dreht
Software-Aktien standen über Monate unter Druck. Investoren fürchteten, leistungsfähige KI-Modelle und -Agenten könnten etablierte Geschäftsmodelle verdrängen. Zusätzlich wurden Halbleiter- und KI-Infrastrukturwerte in Paar-Geschäften auf der Long-Seite gegen Software-Titel auf der Short-Seite gehandelt, was die Abgaben verstärkte. Nach guten Quartalszahlen unter anderem von Microsoft, SAP und ServiceNow greifen Anleger wieder zu; einzelne Werte erholten sich binnen weniger Tage um 20 bis 30 Prozent von ihren Tiefs.
Zur Bewertung: Für 2026 wird Wix.com mit dem 11,2-Fachen der erwarteten Gewinne gehandelt – mehr als die Hälfte unter dem Branchendurchschnitt und dem eigenen Fünfjahresmittel. Das Kurs-Gewinn-Wachstums-Verhältnis liegt bei 0,77, das Kurs-Umsatz-Verhältnis bei knapp 1. Die Schwankungsbreite der Aktie ist deutlich höher als bei etablierteren Sektorwerten.
Quelle: FinanzNachrichten.de: Nachrichten zu Sonstige
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