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Aufforstung als Sachwert-Investment: Die Global TREE Project AG (GTP) und die TREECYCLE AG wollen degenerierte Flächen wieder produktiv machen, Holz als nachwachsenden Rohstoff erzeugen und
damit Primärwälder entlasten. CEO Jörg Schäfer erklärt im Interview den Standortfokus Paraguay, den Einsatz von Eukalyptus-Hybriden – und warum digitale Wertpapiere für Real-Assets aus seiner Sicht
ein nächster Infrastruktur-Schritt sind.
Global TREE Project AG verbindet nachhaltige Aufforstung mit Investmentlogik. Was war der Auslöser für die Gründung –
und welches Problem wollten Sie lösen?
Jörg Schäfer: Wir wollten ein falsches Entweder-oder auflösen: Entweder „grün“ ohne wirtschaftliche Tragfähigkeit
oder Rendite ohne Verantwortung. Unser Ansatz ist unternehmerisch: Wir nehmen brachliegende, ausgelaugte Flächen, machen sie wieder produktiv, erzeugen Holz und reduzieren so den Druck auf Ur- und
Regenwälder.
Für mich spielt auch Altersvorsorge eine Rolle: Wenn Menschen künftig länger leben, braucht Vorsorge Werte, die auch in
Jahrzehnten noch da sind. Holz und Gold sind historisch die klassischen Sachwerte, aber Holz wächst nach.
Viele Anleger verbinden Nachhaltigkeit noch mit Renditeverzicht. Warum halten Sie diesen Gegensatz für
überholt?
Jörg Schäfer: Nachhaltigkeit ist dort wirtschaftlich attraktiv, wo Knappheit und realer Bedarf zusammenkommen. Holz
ist ein globaler Kernrohstoff und zugleich nachwachsend. Der Markt bewegt sich weg von abstrakten Kompensationsnarrativen hin zu realen, überprüfbaren Lösungen. Wenn Umweltschutz wirtschaftlich
rechenbar wird, kann er skalieren.
Warum Paraguay? Was macht den Standort wirtschaftlich und strategisch besonders attraktiv?
Jörg Schäfer: Paraguay bietet schnelles Wachstum, große zusammenhängende degenerierte Flächen, vergleichsweise
niedrige Landkosten und ein investorenfreundliches Umfeld. Gleichzeitig gibt es vor Ort Erfahrung in Flächenbewirtschaftung. Wichtig für ein Modell, das über Jahrzehnte funktionieren muss. Wir
setzen zudem auf konsequenten Schutz vorhandener Resturwaldflächen.
Paraguay ist in Europa wenig bekannt. Welche makroökonomischen Faktoren sprechen aus Ihrer Sicht für das
Land?
Jörg Schäfer: Paraguay gilt in der Region als vergleichsweise stabil, schuldenarm und investorenfreundlich. Für uns
zählen Planbarkeit und Rahmenbedingungen, weil Forst kein Quartalsgeschäft ist. Ein zusätzlicher Vorteil ist die verlässliche Energieversorgung über Wasserkraft – das unterstützt langfristige
Produktionsmodelle.
Sie setzen auf schnell wachsende Eukalyptus-Hybriden. Wie begegnen Sie der Kritik an Monokulturen?
Jörg Schäfer: Wir roden keine Ur- oder Regenwälder für Aufforstungsflächen. Wir kaufen bewusst bereits geschädigte,
oft übersäuerte Flächen. Eukalyptus-Hybride sind bei uns Pionierbäume: Sie wachsen schnell, liefern Industrieholz und entlasten dadurch Primärwälder.
Der Punkt ist der Kontext: Unsere Plantagen sind Produktionssysteme, keine natürlichen Wälder. Ziel ist nicht,
Biodiversität zu ersetzen, sondern Holz kontrolliert zu erzeugen und dadurch globalen Waldverlust indirekt zu bremsen. Bodenschutz ist zentral: Blattmaterial und Schnittreste verbleiben auf der
Fläche, damit Humus entsteht und die Flächen langfristig stabiler werden.
Wie stellen Sie sicher, dass das ökologisch sinnvoll und zugleich wirtschaftlich tragfähig ist?
Jörg Schäfer: Durch Standortqualität, professionelle Bewirtschaftung und klare Ernte- sowie
Wiederaufforstungszyklen. Entscheidender Hebel ist ein zyklisches Reinvestitionsmodell: Ein Teil der Erträge fließt systematisch in neue Flächen und neue Aufforstung. So soll aus einem Projekt ein
wachsendes Portfolio werden.
TREECYCLE ist tokenisiert. Welche Rolle spielen Blockchain und digitale Wertpapiere künftig für
Sachwertinvestments?
Jörg Schäfer: Blockchain ist für uns Infrastruktur, kein Spekulationsinstrument. Wir wollen reale, physische Werte
effizienter abbilden: nachvollziehbar, teilbar, besser zugänglich. Digitale Wertpapiere können Eintrittshürden senken und Sachwerte wie Wald einem breiteren Anlegerkreis öffnen. Ohne den Bezug zur
realen Substanz zu verlieren.
Welche Anleger sprechen Sie an und wie hat sich das Interesse verändert?
Jörg Schäfer: Vor allem Unternehmer, vermögende Privatpersonen, Family Offices und zunehmend auch Institutionelle.
Viele suchen heute Substanz, Nachvollziehbarkeit und Werte, die nicht nur von Stimmungen an Finanzmärkten abhängen. „Wirkung zum Anfassen“ wird wichtiger: Anleger wollen sehen, wo ihr Kapital
arbeitet.
Aufforstung ist langfristig. Wie gehen Sie mit politischen Risiken, Währung, Klimaextremen um?
Jörg Schäfer: Risiken lassen sich nicht eliminieren, aber strukturieren: durch Standortwahl, klare Eigentums- und
Betriebsstrukturen sowie lokale Präsenz. Währungs- und Länderrisiken werden konservativ einkalkuliert. Operativ setzen wir auf robuste Bewirtschaftung und Schutzmaßnahmen, etwa organisatorische und
infrastrukturelle Vorkehrungen gegen Feuer.
Welche Meilensteine haben Sie erreicht und was ist Ihr Ausblick?
Jörg Schäfer: Ein sichtbarer Meilenstein ist der Guinness-Weltrekord (06.11.2023): ein großflächiges, aufgeforstetes
Logo mit über 100.000 Bäumen auf rund 41 Hektar, überprüfbar über Satellitenbilder. Ende 2024 haben wir zudem ein nahezu 1.000 Hektar großes Areal erworben, das aktuell aufgeforstet
wird.
In fünf bis zehn Jahren soll die erste Phase mit rund 10.000 Hektar und etwa 10 Millionen Bäumen umgesetzt sein. Parallel
sehen wir Potenzial im institutionellen Bereich, um langfristiges Kapital in reale, rückgedeckte Werte zu lenken.
Disclaimer / Risikohinweis
Dieses Interview dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Sachwert- und
Forstinvestments sowie tokenisierte/digitale Wertpapiere sind mit Risiken verbunden (u. a. Markt-, Währungs-, Länder-, Liquiditäts-, regulatorische sowie klima-/betriebsbedingte Risiken).
Maßgeblich sind die jeweiligen Vertragsunterlagen und – sofern vorhanden – der Wertpapierprospekt inklusive Risikofaktoren. Potenzielle Anleger sollten eigenständig prüfen und ggf. unabhängigen Rat
einholen.
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15 Kommentare
Die Fokussierung auf Paraguay erscheint strategisch klug, insbesondere angesichts der dortigen ‚vergleichsweise niedrigen Landkosten‘ und der ‚verlässlichen Energieversorgung über Wasserkraft‘. Wie sieht die langfristige Wasserwirtschaftsplanung aus, um die Bewässerung der Eukalyptus-Hybriden sicherzustellen, falls Dürreperioden auftreten?
Es ist beruhigend zu lesen, dass der Schutz ‚vorhandener Resturwaldflächen‘ ein wichtiger Bestandteil des Konzepts ist. Wie wird dieser Schutz konkret umgesetzt und überwacht, um sicherzustellen, dass er wirksam ist?
Es ist gut zu hören, dass die GTP keine Ur- oder Regenwälder rodet. Aber wie wird die langfristige Bodengesundheit auf den ‚oft übersäuerten Flächen‘ überwacht und verbessert, um eine nachhaltige Forstwirtschaft zu gewährleisten?
Die langfristige Perspektive der Altersvorsorge passt gut zum Thema Forstwirtschaft. Wie wird die Liquidität der Anlage für Anleger sichergestellt, die möglicherweise früher auf ihr Kapital zugreifen müssen?
Die Idee, ‚Nachhaltigkeit‘ mit ‚wirtschaftlicher Attraktivität‘ zu verbinden, ist entscheidend für den Erfolg solcher Projekte. Wie werden die ökologischen Auswirkungen der Aufforstung messbar gemacht und in die Renditeberechnung einbezogen?
Die Aussage, dass ‚Umweltschutz wirtschaftlich rechenbar werden‘ muss, um zu skalieren, ist ein wichtiger Punkt. Welche konkreten Marktmechanismen oder Anreize werden genutzt, um die Rentabilität der Aufforstung zu gewährleisten?
Die Betonung der ‚Planbarkeit und Rahmenbedingungen‘ in Paraguay ist wichtig für langfristige Investitionen. Gibt es Risiken im politischen oder rechtlichen Umfeld, die Anleger berücksichtigen sollten?
Die Konzentration auf Eukalyptus-Hybriden als ‚Industrieholz‘ ist verständlich, aber welche anderen Holzarten könnten in Zukunft in das Portfolio aufgenommen werden, um die Diversifizierung zu erhöhen?
Eine gute Frage! Die Diversifizierung ist ein wichtiger Punkt, und es gibt bereits Überlegungen, andere schnell wachsende Arten zu integrieren, sobald die Bodenbedingungen es zulassen.
Ich finde den Ansatz, ‚brachliegende, ausgelaugte Flächen‘ wieder produktiv zu machen, sehr vielversprechend. Könnte man die Auswahlkriterien für diese Flächen genauer erläutern, um sicherzustellen, dass wirklich keine Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion entsteht?
Die Verwendung von ‚Eukalyptus-Hybriden‘ als Pionierbäume wirft Fragen hinsichtlich der Biodiversität auf. Wie wird sichergestellt, dass die Plantagen langfristig ein stabiles Ökosystem entwickeln und nicht nur eine kurzfristige Holzproduktion darstellen?
Ich bin gespannt, wie sich die ‚digitalen Wertpapiere für Real-Assets‘ entwickeln werden. Welche konkreten Vorteile verspricht sich die GTP davon im Vergleich zu traditionellen Anlageformen?
Die Aussage, dass das Projekt ein ‚falsches Entweder-oder‘ auflösen will, spricht mich an. Aber wie wird sichergestellt, dass die ökologischen Ziele nicht durch kurzfristige Gewinnmaximierung untergraben werden?
Das ist ein berechtigter Einwand. Wir haben eine unabhängige Nachhaltigkeitsprüfung eingerichtet, die regelmäßig die Einhaltung unserer ökologischen Standards überwacht und transparent berichtet.
Die Aussage, dass Holz historisch zu den ‚klassischen Sachwerten‘ gehört, ist nachvollziehbar, aber wie wird die Wertentwicklung im Vergleich zu Gold dargestellt? Gibt es eine Analyse, die die Renditeerwartungen über Jahrzehnte hinweg vergleicht?