Der Berliner Medizintechnikhersteller aap Implantate AG ordnet seine Führungsspitze neu. Vorstandschef Rubino Di Girolamo scheidet zum 31. Dezember 2026 aus dem Vorstand aus und verzichtet dabei auf die verbleibende Laufzeit seines Vorstandsvertrags. Parallel hat der Aufsichtsrat zwei neue Vorstandsmitglieder bestellt, an die der bisherige CEO seine Verantwortungsbereiche schrittweise übergeben soll. Das Unternehmen hatte die Personalien am 19. August 2026 zunächst als Ad-hoc-Mitteilung und anschließend als Corporate News veröffentlicht.
Fink übernimmt das Trauma-Geschäft, Kassel die Finanzen
Cornelius Fink rückt mit Wirkung zum 19. August 2026 als COO in den Vorstand und verantwortet dort den Geschäftsbereich Trauma. Fink ist laut Mitteilung bereits seit längerer Zeit in leitender operativer Funktion für aap tätig und hat in dieser Zeit sukzessive zusätzliche Aufgabenbereiche übernommen. Zeitgleich wurde Nicole Kassel zum CFO bestellt. Sie arbeitet seit knapp einem Jahr für das Unternehmen und führt bereits heute den Finanzbereich.
Die Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Nathalie Krebs bezeichnete Fink in der Mitteilung als „erfahrenen und ausgesprochen kompetenten Manager mit einem starken Leistungsausweis“ und verwies darauf, dass er die Geschäftsbereiche der Gesellschaft bereits gut kenne. Zu Kassel erklärte sie, diese habe „mit ihrer Fachkompetenz, Erfahrung und hohen Effizienz bereits wichtige Fortschritte in der Finanzorganisation erzielt“.
Wer den Vorsitz im Vorstand nach dem Ausscheiden Di Girolamos übernimmt, geht aus der Mitteilung nicht hervor. Ein neuer CEO wird in der Bekanntmachung nicht namentlich benannt; das Unternehmen spricht lediglich von einer sukzessiven Übergabe der Verantwortung an die beiden neu bestellten Vorstandsmitglieder.
Übergangsphase bis Jahresende, danach Beratermandat
Bis Ende Dezember 2026 soll eine Übergangsphase eine geordnete Übergabe sicherstellen. Di Girolamo werde Fink und Kassel in dieser Zeit eng begleiten, heißt es. Nach seinem Ausscheiden bleibt Di Girolamo der Gesellschaft als Berater verbunden. Sein Schwerpunkt soll dann auf der Weiterentwicklung und Vermarktung der antibakteriellen Oberflächentechnologie liegen – einer Silberbeschichtung für Implantate, die aap als Teil seiner Innovationspipeline führt und mit der Infektionsrisiken in der Traumatologie adressiert werden sollen.
Krebs würdigte den scheidenden Vorstandschef als „wesentlichen Architekten der heutigen Unternehmensstruktur“, der den Transformationsprozess der vergangenen Jahre maßgeblich geprägt habe. Di Girolamo selbst verwies auf den regulatorischen Rahmen: Mit der vollständigen MDR-Zertifizierung habe aap eine Grundlage für die weitere Entwicklung geschaffen, die wesentlichen regulatorischen Herausforderungen seien bewältigt. Die MDR (Medical Device Regulation) ist die EU-Verordnung über Medizinprodukte, die Hersteller seit ihrer Einführung zu aufwendigen Neuzertifizierungen bestehender Produktlinien zwingt. Das Unternehmen könne sich nun stärker auf Wachstum, neue Märkte und die Weiterentwicklung der LOQTEQ-Technologie konzentrieren, so Di Girolamo.
Halbjahreszahlen als Hintergrund
Der Führungswechsel folgt wenige Tage auf die Vorlage der Halbjahreszahlen. Im ersten Halbjahr 2026 sank der Umsatz von 6,2 auf 6,0 Millionen Euro, während sich der EBITDA-Verlust nach Unternehmensangaben verringerte. aap sprach von einem Rekordauftragseingang zum Start in die zweite Jahreshälfte und stellte für das zweite Halbjahr eine bessere Dynamik in Aussicht. Zudem prüft das Unternehmen mögliche Kapitalmaßnahmen – konkrete Angaben zu Umfang oder Zeitpunkt wurden dazu nicht gemacht.
Geschäftsmodell und Börsennotierung
aap Implantate entwickelt, produziert und vermarktet Produkte für die Traumatologie, also die Versorgung von Knochenbrüchen und Verletzungen des Bewegungsapparats. Kern des Portfolios ist das anatomische Plattensystem LOQTEQ, ergänzt um ein Sortiment an Lochschrauben. In Deutschland vertreibt das Unternehmen direkt an Krankenhäuser, Einkaufsgemeinschaften und Klinikverbünde, international arbeitet es überwiegend mit einem Distributorennetz in rund 40 Ländern. In den USA setzt aap über die Tochtergesellschaft aap Implants Inc. auf Distributionsagenten und selektiven Direktvertrieb.
Die Aktie ist im General Standard der Frankfurter Wertpapierbörse notiert (ISIN DE000A3H2101, WKN A3H210) und wird zusätzlich im Freiverkehr mehrerer deutscher Börsen sowie auf Tradegate gehandelt. Am Morgen des 19. August 2026 notierte das Papier auf Tradegate bei 1,410 Euro und damit 2,08 Prozent im Minus.
Das Unternehmen weist in seiner Mitteilung darauf hin, dass die enthaltenen zukunftsgerichteten Aussagen auf gegenwärtigen Erwartungen und Prognosen beruhen und keine Garantie für die tatsächliche Entwicklung darstellen.
Quelle: FinanzNachrichten.de: Aktuelle Nachrichten
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