Der US-Telemedizinanbieter Hims & Hers hat am Montag nach Börsenschluss in den USA die Zahlen für das zweite Quartal veröffentlicht. Umsatz und bereinigtes EBITDA lagen über den Analystenschätzungen, die Aktie reagierte dennoch mit Abgaben. Ausschlaggebend war die zugleich gesenkte Margenerwartung.
Zwischen April und Juni kletterten die Erlöse um 38 Prozent auf gut 753 Millionen Dollar. Der Konsens hatte bei rund 700 Millionen Dollar gelegen. Hims & Hers betreibt eine Plattform, über die Kundinnen und Kunden per Fernbehandlung Rezepte und Medikamente unter anderem für Haarausfall, sexuelle Gesundheit, Hautpflege und Gewichtsreduktion beziehen – ein Abo-getriebenes Modell, dessen Wachstum in den vergangenen Quartalen vor allem aus dem Bereich Gewichtsmanagement kam.
Ergebnis über Erwartung, aber deutlich unter Vorjahr
Beim bereinigten EBITDA – dem operativen Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, korrigiert um Sondereffekte – zeigt sich die Kehrseite des Wachstums: Die Kennzahl sank um 27 Prozent auf 60,3 Millionen Dollar. Damit fiel der Rückgang allerdings milder aus als befürchtet; Analysten hatten lediglich 47,2 Millionen Dollar auf dem Zettel. Unter dem Strich stand ein Nettoverlust von 86,3 Millionen Dollar beziehungsweise 0,37 Dollar je Aktie.
Die Konstellation aus kräftig steigenden Erlösen und gleichzeitig schrumpfendem operativem Ergebnis verweist auf höhere Kosten je Umsatzdollar. Das kann von Marketingaufwand, dem Aufbau von Kapazitäten oder vom Produktmix herrühren – die Quelle nennt dazu keine Details. Klar ist lediglich: Das zusätzliche Volumen kommt derzeit nicht margenneutral ins Haus.
Umsatzprognose angehoben
Für das laufende Geschäftsjahr wurde die Umsatzspanne nach oben gesetzt. Hims & Hers erwartet nun Erlöse zwischen 3,1 und 3,3 Milliarden Dollar, nachdem zuvor 2,8 bis 3,0 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt worden waren. Die Anhebung beträgt an beiden Enden der Spanne jeweils 300 Millionen Dollar – für ein Unternehmen dieser Größe ein deutlicher Schritt, der die Dynamik des laufenden Geschäfts unterstreicht.
Für die Ergebnisseite gilt das nicht. Das bereinigte EBITDA für 2026 wird nun mit 275 bis 325 Millionen Dollar veranschlagt, was einer zugrunde liegenden Marge von neun bis zehn Prozent entspräche. Bislang hatte das Management 275 bis 350 Millionen Dollar und damit eine Marge von zehn bis zwölf Prozent kommuniziert. Die Untergrenze bleibt also unverändert, die Obergrenze wurde um 25 Millionen Dollar gekappt – und weil der Umsatz gleichzeitig steigt, fällt die prozentuale Marge doppelt zurück.
Die Rechnung, die den Markt stört
Genau dieser Punkt erklärt die Reaktion: Mehr Umsatz bei unveränderter oder leicht reduzierter absoluter Ergebnisspanne bedeutet, dass jeder zusätzliche Dollar Erlös praktisch keinen zusätzlichen operativen Gewinn beisteuert. Das Margenziel sinkt von zehn bis zwölf auf neun bis zehn Prozent, obwohl die Erlöserwartung angehoben wurde. Für Investoren, die bei stark wachsenden Plattformmodellen auf Skaleneffekte setzen, ist das die unangenehmere Botschaft.
Entsprechend fiel die Kursreaktion aus: Nach der Zahlenvorlage verlor die Aktie rund sieben Prozent. Das Papier ist in Deutschland unter der WKN A2QMYY handelbar.
Was Anleger im Blick behalten dürften
Die Zahlen zeigen ein Unternehmen, das seine Reichweite weiter ausbaut, dessen Profitabilität aber nicht im gleichen Tempo mitwächst. Zwei Größen entscheiden künftig über die Bewertung: erstens, ob die angehobene Umsatzspanne tatsächlich erreicht wird, zweitens, ob sich die Kostenquote im weiteren Jahresverlauf stabilisiert. Solange das bereinigte EBITDA im Jahresvergleich rückläufig ist, bleibt die Margenentwicklung der zentrale Streitpunkt, während die Wachstumszahlen für sich genommen überzeugen.
Zu den Ursachen des Margendrucks im Einzelnen sowie zu Kundenzahlen, Segmentbeiträgen oder der Entwicklung des Bereichs Gewichtsmanagement liegen aus der Mitteilung keine weiteren Angaben vor. Auch eine Prognose für die kommenden Quartale jenseits der Jahresziele ist nicht kommuniziert.
Für die Einordnung ist zudem relevant, dass Hims & Hers auf Nettobasis weiterhin Verluste schreibt. Der ausgewiesene Quartalsverlust von 0,37 Dollar je Aktie liegt deutlich über dem, was das bereinigte EBITDA suggeriert – ein Hinweis darauf, wie stark Sonder- und Nicht-Cash-Posten das Bild prägen. Wer die Aktie beobachtet, sollte beide Kennzahlen nebeneinanderlegen: bereinigtes EBITDA von 60,3 Millionen Dollar bei einem Nettoverlust von 86,3 Millionen Dollar.
Quelle: DER AKTIONÄR
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