Die Multitude AG hat ihre Zahlen für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2026 vorgelegt. Der Konzernumsatz lag bei 65,3 Mio. Euro, ein Rückgang um 2 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und ein Plus von 6 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Damit traf das Finanzunternehmen die Schätzung des Analysehauses NuWays (65,7 Mio. Euro) nahezu punktgenau. Beim Ergebnis fiel der Abstand größer aus – allerdings vor allem aufgrund von Einmaleffekten.
Wholesale Banking als Wachstumstreiber
Die Zinserträge der Gruppe summierten sich auf 57,6 Mio. Euro und lagen damit 10 Prozent unter dem Vorjahreswert. Im Segment Consumer Banking gingen die Zinserträge auf 41,2 Mio. Euro zurück, ein Minus von 18 Prozent im Jahresvergleich. Nach Einschätzung von NuWays wirken hier weiterhin die im Geschäftsjahr 2025 vollzogenen Beteiligungsverkäufe dämpfend auf die Erlöse. Im Quartalsvergleich stagnierte das Segment mit einem Plus von 0,4 Prozent.
Das SME Banking, also das Geschäft mit kleinen und mittleren Unternehmen, kam auf 8,9 Mio. Euro (plus 2 Prozent im Jahresvergleich). Deutlich dynamischer entwickelte sich das Wholesale Banking: Die Zinserträge stiegen dort um 64 Prozent auf 7,5 Mio. Euro, getragen vom Ausbau des besicherten Kreditbuchs. NuWays beziffert die Vorsteuermarge dieses Segments auf 26 Prozent und bezeichnet es als Wachstumsmotor der Gruppe.
Auffällig veränderte sich die Erlösstruktur: Die Provisionserträge kletterten auf 7,7 Mio. Euro und damit um 161 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Ihr Anteil am Gesamtumsatz erhöhte sich um 7,4 Prozentpunkte auf 11,8 Prozent. Der Sprung ist überwiegend anorganisch: Der Vergleichsdienst Sortter wird seit dem 20. Mai vollständig konsolidiert und steuerte 2,9 Mio. Euro Provisionserträge bei. Bereinigt um diesen Beitrag verbleiben 4,8 Mio. Euro, ein organisches Plus von 62 Prozent, das die NuWays-Schätzung um 1,1 Mio. Euro verfehlte.
Risikokosten auf neuem Tiefstand
Die Nettobetriebserträge legten um 3,5 Prozent auf 56,6 Mio. Euro zu. Neben den zusätzlichen Provisionserträgen wirkten dabei zwei Sonderposten: 2,5 Mio. Euro aus der Neubewertung der zuvor gehaltenen Beteiligung von rund 20 Prozent an Sortter sowie 0,5 Mio. Euro aus Bewertungs- und Währungseffekten. Darin enthalten war ein Gewinn von 1,3 Mio. Euro aus der Neubewertung von Earn-out-Ansprüchen aus den Verkäufen des Vorjahres, dem Verluste aus Währungs- und Derivatepositionen gegenüberstanden.
Bei der Kreditqualität setzte sich der Trend der Vorquartale fort. Die Wertminderungen sanken auf 16,9 Mio. Euro, die annualisierten Risikokosten auf 6,8 Prozent – 2,7 Prozentpunkte weniger als ein Jahr zuvor. NuWays sieht darin die strategische Verschiebung des Unternehmens bestätigt: Neugeschäft entsteht verstärkt in Märkten mit geringerem Risiko und niedrigeren Margen, während riskantere Märkte über Plattform- und Vermittlungsgeschäft monetarisiert werden.
Die Kosten blieben stabil, die Cost-Income-Ratio lag bei 52 Prozent. Niedrigere Personal- und Verwaltungsaufwendungen standen höheren Vertriebs- und Marketingausgaben gegenüber. Das Unternehmen rechnet für das gesamte Geschäftsjahr 2026 mit einer erhöhten Kostenquote – begründet mit Investitionen in das Wholesale Banking und das Partnerschaftsgeschäft sowie mit Abschreibungen aus der Kaufpreisallokation.
Gewinn über Erwartung – organisch auf Plan
Das ausgewiesene Vorsteuerergebnis erreichte 10,0 Mio. Euro, der Nettogewinn 8,7 Mio. Euro. Beide Werte lagen über den NuWays-Prognosen. Rechnet man die Sortter-Neubewertung, die Bewertungs- und Währungseffekte sowie den anorganischen Ergebnisbeitrag heraus, bleibt ein organisch bereinigtes Vorsteuerergebnis von 6,6 Mio. Euro – praktisch auf Höhe der erwarteten 6,8 Mio. Euro.
Konditionen des Sortter-Kaufs
Zur Übernahme nennt NuWays konkrete Zahlen: Für die restlichen rund 80 Prozent zahlte Multitude 7,0 Mio. Euro, was einem Eigenkapitalwert von 8,8 Mio. Euro für das gesamte Unternehmen entspricht. Sortter hielt zudem Verbindlichkeiten von 9,0 Mio. Euro gegenüber Multitude, die mit der Konsolidierung erloschen. Abzüglich übernommener liquider Mittel von 3,5 Mio. Euro errechnet NuWays einen Unternehmenswert von 14,2 Mio. Euro und damit einen Faktor von 0,6 auf den Umsatz. Das Management stellt für Sortter eine Umsatzbasis von 25 Mio. Euro (plus 47 Prozent) bei 5 Mio. Euro Nettogewinn in Aussicht. Den niedrigen Preis erklärt NuWays mit einer Kaufoption auf die restlichen Anteile, die bereits 2023 beim Einstieg mit 19,97 Prozent vereinbart worden war.
Prognose und Analystenurteil
NuWays hat Sortter in die Modelle aufgenommen und die Prognose für den Nettogewinn 2026 auf 31,9 Mio. Euro erhöht (vorher 29,3 Mio. Euro). Damit liegt die Schätzung über der Unternehmensprognose von 30 Mio. Euro. Als Begründung nennen die Analysten den vollen Sechs-Monats-Beitrag von Sortter im zweiten Halbjahr, weiter fallende Wertminderungen und eine Rückkehr des Konsumentenkreditgeschäfts zum Wachstum. Das Kursziel steigt auf 12 Euro von zuvor 11 Euro, die Einstufung „BUY“ wurde auf Basis eines Residualgewinnmodells bestätigt.
Die Multitude-Aktie notierte am 13. August 2026 im Xetra-Handel bei 5,76 Euro und damit 8,68 Prozent über dem Vortagesschluss.
Quelle: FinanzNachrichten.de: Aktuelle Nachrichten
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