Der US-Konglomerat Berkshire Hathaway hat im zweiten Quartal deutlich mehr verdient als ein Jahr zuvor. Der den Aktionären zurechenbare Nettogewinn stieg auf 25,667 Milliarden Dollar, nach 12,370 Milliarden Dollar im Vergleichsquartal des Vorjahres. Je Aktie der Gattung A entspricht das 17.868 Dollar gegenüber 8.601 Dollar. Damit hat sich das Ergebnis mehr als verdoppelt.
Vor Steuern verbuchte der Konzern aus Omaha ein Ergebnis von 32,063 Milliarden Dollar. Im Vorjahreszeitraum waren es 14,750 Milliarden Dollar. Die Erlöse legten auf 101,808 Milliarden Dollar zu, verglichen mit 92,515 Milliarden Dollar. Der Umsatzanstieg fiel damit prozentual deutlich moderater aus als der Gewinnsprung – ein Hinweis darauf, dass die Verbesserung nicht primär aus dem operativen Geschäft stammt.
Bewertungsgewinne prägen das Ergebnis
Entscheidend für den Ergebnissprung waren die Kapitalanlagen. Die Investmentgewinne kletterten auf 16,077 Milliarden Dollar, nach 6,364 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal. Solche Posten entstehen bei Berkshire nicht nur durch tatsächliche Verkäufe, sondern auch durch die Bilanzierungsvorschriften: Wertänderungen des riesigen Aktienportfolios müssen unabhängig von einer Veräußerung in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasst werden. Das macht den Nettogewinn von Quartal zu Quartal stark schwankend und erschwert Vergleiche.
Warren Buffett selbst hat Anleger über Jahre darauf hingewiesen, für die Beurteilung des Geschäfts auf das operative Ergebnis zu schauen. Dieses operative Ergebnis erreichte 12,983 Milliarden Dollar und lag damit über den 11,160 Milliarden Dollar des Vorjahresquartals. Es umfasst die Beiträge der Versicherungssparte, der Eisenbahngesellschaft BNSF, des Energiegeschäfts sowie der zahlreichen Industrie-, Handels- und Dienstleistungsbeteiligungen – ohne die Bewertungseffekte aus dem Wertpapierbestand. Eine Aufschlüsselung der einzelnen Segmente enthielt die vorliegende Meldung nicht.
Kursentwicklung der A-Aktie
Die Zahlen wurden nach Handelsschluss am Freitag bekannt. Die A-Aktie schloss die reguläre Sitzung bei 780.086 Dollar, ein Minus von 5.914 Dollar oder 0,75 Prozent. Im nachbörslichen Handel gab der Titel um weitere 0,01 Prozent auf 780.000 Dollar nach. Die günstigere B-Aktie notierte auf Tradegate zuletzt bei 450,20 Euro und damit 0,03 Prozent im Minus.
Die extrem hohen Kurse der A-Aktie sind eine Besonderheit des Konzerns: Berkshire hat diese Gattung nie gesplittet. Die 1996 eingeführte B-Aktie soll Privatanlegern den Zugang erleichtern; sie ist wirtschaftlich ein Bruchteil der A-Aktie und hat geringere Stimmrechte.
Berichte über Alphabet-Position und Aktienrückkäufe
Begleitend zur Zahlenvorlage berichteten US-Medien über Bewegungen im Portfolio und in der Kapitalverwendung. Berkshire soll Alphabet-Aktien im Volumen von rund 10 Milliarden Dollar erworben haben und zugleich eigene Anteile für etwa 4,5 Milliarden Dollar zurückgekauft haben. Der Konzern hatte in den vergangenen Jahren einen ungewöhnlich hohen Bestand an liquiden Mitteln aufgebaut, weil Buffett wiederholt fehlende attraktiv bewertete Zukaufmöglichkeiten anführte.
Von Beobachtern wurde vor allem der Rückkauf hervorgehoben. Damit endete laut Marktberichten eine 14 Quartale andauernde Serie ohne eigene Aktienkäufe. Rückkäufe gelten bei Berkshire traditionell als Signal des Managements zur Bewertung des eigenen Unternehmens: Der Konzern erwirbt eigene Papiere nach eigenem Bekunden nur dann, wenn sie unter dem geschätzten inneren Wert notieren. Verantwortlich für die Kapitalallokation ist inzwischen Greg Abel, der als Nachfolger Buffetts an der Konzernspitze vorgesehen ist.
Was die Zahlen zeigen – und was nicht
Für die Einordnung des Quartals sind zwei Ebenen zu trennen. Der Sprung im Nettogewinn ist zu einem großen Teil auf die Aufwertung von Wertpapierbeständen zurückzuführen und sagt wenig über die laufende Ertragskraft der Beteiligungen aus. Das operative Ergebnis verbesserte sich um rund 1,8 Milliarden Dollar und damit in einer Größenordnung, die zum moderaten Umsatzplus passt.
Offen bleibt auf Basis der vorliegenden Angaben, wie sich die einzelnen Geschäftsfelder entwickelten, wie hoch der Bestand an Barmitteln und kurzlaufenden Staatsanleihen zum Quartalsende ausfiel und wie sich das Versicherungsgeschäft mit Blick auf Schadenkosten und Kapitalanlageerträge schlug. Diese Details finden sich üblicherweise im vollständigen Quartalsbericht.
Berkshire Hathaway gehört zum S&P 100 und wird der Branche Finanzdienstleistungen zugerechnet, ist wirtschaftlich aber ein breit aufgestelltes Konglomerat mit Schwerpunkten in Versicherung, Energie, Bahntransport, Industrie und Konsumgütern. Diese Struktur macht den Konzern einerseits robust gegenüber einzelnen Branchenzyklen, führt andererseits aber dazu, dass die berichteten Quartalsgewinne durch die Bilanzierung der Aktienbeteiligungen erheblich schwanken.
Quelle: FinanzNachrichten.de: News
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